Im Jahr 2006 veröffentlichte der Spiegel-Autor Peter Wensierski sein Buch "Schläge im Namen des Herrn". Die darin geschilderten Schicksale von Heimkindern, die in den 50er und 60er Jahren unter Gewalt, Misshandlungen und harter Arbeit zu leiden hatten, sorgten für Aufsehen und machten die Missstände in der Heimerziehung der frühen Bundesrepublik erstmals seit der "Heimkampagne" der "68er" wieder zu einem Thema, das die breite Öffentlichkeit beschäftigte. Seitdem ist das Interesse unverändert groß geblieben und hat mit der Einrichtung eines "Runden Tisches" durch den Petitionsausschuss des Bundestages noch weiter zugenommen.
Ziel des Forschungsprojektes ist es, in Form einer Dokumentation (einer kommentierten Quellensammlung) die Geschichte der Heimerziehung vom Kriegsende bis in die 1970er Jahre am Beispiel Westfalens darzustellen. Dabei geht es zum einen um die Einordnung in den historischen Kontext (rechtliche und pädagogische Grundlagen, sozialpolitische Konzepte und gesellschaftliche Normen), zum anderen um die Darstellung der konkreten erzieherischen Praxis in den Heimen und Lebenssituation der Heimkinder (Arbeit, Strafen, Ausbildung). Zudem soll die Dokumentation die kulturgeschichtliche Einbettung des Themas in die Geschichte der Bundesrepublik, die von den "68ern" forcierte kritische Auseinandersetzung mit und innerhalb der Heimpädagogik und die damit einhergehende Professionalisierung und Akademisierung derselben beschreiben.