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"Fremde Impulse" - Baudenkmäler als Zeugnisse von Migration und Austausch
Ein Projekt der Denkmalpflege im Rahmen der „KULTURHAUPTSTADT EUROPAS 2010“

Mit dem Projekt „Fremde Impulse – Baudenkmäler als Zeugnisse von Migration und Austausch“ beteiligt sich das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen in Kooperation mit der Rheinischen Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland am Programm der RUHR.2010.

Bauwerke und historische Strukturen sind die zentralen Quellen, die das Gebiet der Kulturhauptstadt RUHR.2010 in seiner geschichtlichen Entwicklung anschaulich werden lassen. Über vielfältige historische und kulturelle Zeugnisse sind die gegenwärtigen baulichen Gefüge und Lebensumstände im Ruhrgebiet zu erklären. Industrialisierung und Urbanisierung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit den spektakulären Technischen Kulturdenkmälern bilden nur den (vorläufigen) Endpunkt einer Jahrhunderte langen Entwicklung. Das Projekt stellt den Bestand an Baudenkmalen in den Mittelpunkt, um von der historischen Tiefe mit vielfachem Wandel in der Region zu berichten. Die Baudenkmale können vom Kommen und Gehen der Menschen, von Handel und Austausch, von Verkehr und Kommunikation, von Veränderungen und Umbrüchen, von Verlusten und Chancen erzählen. Auf diese Weise soll das Verständnis für historische Zusammenhänge bei BesucherInnen der RUHR.2010 und bei den BewohnerInnen in der Region geweckt und vertieft werden. Die früheren Zustände und Entwicklungen der Kulturlandschaft im Bereich der RUHR.2010 sind in großer zeitlicher Tiefe seit dem Mittelalter durch Baudenkmale überliefert.

Unter dem Thema "Fremde Impulse" werden ebenso die seit Jahrhunderten bestehenden Wechselwirkungen zwischen dem Ruhrgebiet, seinen benachbarten Regionen und Ländern aufgezeigt. Wechselwirkungen sind auch an den Baudenkmalen selbst ablesbar. Den Schwerpunkt bilden die Spuren und Zeugnisse von Migration, von Einwanderung und Auswanderung, von Austausch, Kommunikation und Verkehr im heutigen Ruhrgebiet. Es wird deutlich, dass diese Region schon viele Umbrüche erlebt hat, die aus dem Austausch mit anderen Regionen Europas resultieren. „Fremde Impulse“ haben die Region immer wieder neu beeinflusst, aber auch umgekehrt haben von dieser Region aus Impulse in die „Fremde“ ihren Weg genommen.

Durch die historisch weit hinter die Industrialisierungsphase zurück reichende Dimension des Projekts soll deutlich werden: Migration und Austausch, Wandel und Umbrüche waren gerade im heutigen Ruhrgebiet schon immer wesentliche Teile der Geschichte, sie sind notwendig und möglich. Veränderungen bringen nicht nur Verluste, sondern bieten Chancen für Neues. Die Programmatik "Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel" der RUHR.2010 wird durch das Projekt „Fremde Impulse“ aufgegriffen, um damit einen Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr zu leisten. Das Projekt zielt darauf, gemeinsam mit Kooperationspartnern anderer Kulturinstitutionen und örtlichen Partnern Baudenkmale als Geschichtszeugnisse sowohl den auswärtigen Besuchern im Jahr 2010 als auch mit längerfristiger Wirkung den Bewohnern und alljährlichen Touristen des Ruhrgebiets neuartig zu vermitteln. Das Projekt eröffnet die Chance, viele Städte und Kommunen mit einzubinden und wiederum in ihren eigenen Projekten zu unterstützen. Eine breit angelegte regionale Vernetzung ist notwendig und mit Kooperationspartnern anderer Kulturinstitutionen und örtlichen Partnern vorgesehen.

Themen

Sieben Themen werden aufzeigen, wie facettenreich „fremde Impulse“ im und auf den Raum des heutigen Ruhrgebiets wirkten und ihn in der Geschichte immer wieder neu prägten. Die Themen werden „grenzüberschreitend“ für den westfälischen (LWL) und rheinischen (LVR) Teil des Ruhrgebiets erarbeitet und dargestellt. Dabei stehen nicht nur bereits bekannte und in der Öffentlichkeit schon oft herausgehobene Baudenkmale im Mittelpunkt, sondern besonders „verborgene Schätze“, deren Existenz und historische Bedeutung offen gelegt werden. Auch und besonders wenn dies bisher unbekannte und unbedeutende Gebäude zu sein scheinen, kann hier durch Neugier und Verblüffung ein vertieftes Interesse geweckt werden. Damit wird die positive Wirkung der Denkmalpflege in dieser dicht besiedelten Region unterstrichen, die für den Erhalt vieler baulicher Zeugnisse sorgt.

Unter diesen sieben Themen werden ausgewählte Beispiele aus dem Denkmalbestand präsentiert:

  1. „Fremde“ Kunst/fremde Künstler – fremde Baustile/fremde Architekten
    Vom Antwerpener Altar bis zu Alvar Aalto – vom Renaissanceschloss bis zu Rathäusern und Siedlungsbau der Moderne.
  2. Fremder Glaube
    Von katholischen, orthodoxen, reformierten, lutherischen Christen, von Juden, Moslems, von Weltreligionen.
  3. Fremde Leute
    Von Wanderern und Vaganten, von Wanderhandwerkern und Flüchtlingen, von Arbeitsmigranten aus Polen und Europas Süden, von (Spät-)Aussiedlern.
  4. Fremde Herrschaft
    Von Römern und Karolingern und Preußen.
  5. Fremdes Kapital/fremde Technologie
    Ausländische Investitionen, zuwandernde Industrielle und Techniker.
  6. Wechselseitige Impulse a: Das Ruhrgebiet und die Welt
    Export von Bauten und Bauideen - vom Dortmunder Rathaus in Ostpreußen zu Juchos Brücken in den USA.
  7. Wechselseitige Impulse b: Das Ruhrgebiet und sein Umland
    Von Pendlern, von Grubenholz und Grubenpferd, von Schweinezüchtern und Gemüsebauern, von Talsperren und Heilanstalten.

Die Elemente und Medien der Projektpräsentation:

Die historischen Streifzüge

Die thematisch gruppierten Denkmäler werden mit einer spielerisch erläuternden Publikation in der Art historischer Streifzüge angeboten. Darüber hinaus wird die Website www.fremde-impulse.de mediales Rückgrat des Projekts sein. Hier werden alle Informationen in unterschiedlicher Ausführlichkeit vorgehalten, auf individuelle Interessen zugeschnittene Zugriffe sind möglich, aktuelle Informationen und Ergänzungen lassen sich kontinuierlich einpflegen. Beide Medien werden in den wesentlichen Teilen mehrsprachig angeboten.

Das Begleitbuch

Diese Publikation mit umfassenden Informationen zu den Denkmälern und Hintergrundbeiträgen zu den Themen wendet sich an näher Interessierte und an ein Fachpublikum. Die Beiträge werden mit wissenschaftlichem Anspruch gut verständlich sein und durch Abbildungen und Quellen illustriert. Es sind mehrsprachige Zusammenfassungen vorgesehen. Der Erscheinungszeitraum wird im Mai 2010 sein.

Der 4. Westfälischer Tag für Denkmalpflege

Die Tagung mit Beiträgen und Diskussionen zu den Themenschwerpunkten des Projektes wird zusammen mit der Rheinischen Denkmalpflege am 10. / 11. Juni 2010 auf Schloss Cappenberg veranstaltet. Diese Tagung wird für ein interessiertes öffentliches Publikum und das Denkmalschutz-Fachpublikum veranstaltet.

Wanderausstellung

Die Wanderausstellung an mehreren Standorten im westfälischen und rheinischen Teil des Ruhrgebietes soll im Kulturhauptstadtjahr 2010 auf das Projekt und seine Angebote aufmerksam machen und Ausgangspunkt sein für Veranstaltungen, Exkursionen und Vorträge. Sie wird an den einzelnen Ausstellungsorten spezifische Beiträge zu jeweils einem der sieben Projektthemen enthalten und alle Themen aufgreifen und zusammenführen. Bild-, Text- sowie Multimedia-Komponenten und Original-Exponate präsentieren das Projekt und das jeweilige Thema.

Ein Ausstellungsort steht bereits fest: Das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum wird im Mai 2010 Gastgeber für die Ausstellung sein.

Mitarbeit und Kooperation

Inhalte, Medien, Ausstellung und Veranstaltungen werden gemeinsam von Mitarbeitern der beiden Denkmalämter des LWL und des LVR sowie von externen Wissenschaftlern und Dienstleistern erarbeitet.

Wir wünschen uns, dass das Projekt „Fremde Impulse“ durch eine breit angelegte regionale Vernetzung, die Einbindung der Unteren Denkmalbehörden und von Kooperationspartnern anderer Kulturinstitutionen mitgetragen wird. Wir freuen uns über jeden Hinweis und jedes Angebot zur Mit- und Zusammenarbeit.

Ansprechpartnerin:

Dr.-Ing. Barbara Seifen, Tel.: 0251/591-4047 (Fax -3908, Barbara.Seifen@lwl.org

Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter www.fremde-impulse.de

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