Die Erforschung von Objekten der Industrie- und Technikgeschichte aller Epochen rückte schon in den 1920er und 1930er Jahren und verstärkt wieder seit den 1960er Jahren in das Blickfeld der amtlichen Denkmalpflege. Die wachsende Bedeutung der Industriearchäologie und der Technischen Kulturdenkmäler führte Ende 1973 zur Einrichtung eines Fachreferates für Technische Kulturdenkmäler (TKD).
Im Unterschied zu den Gesetzen anderer Bundesländer wird im Nordrhein-Westfälischen die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ausdrücklich als mögliches Bedeutungskriterium für ein Denkmal benannt. Das Gesetz berücksichtigt damit, dass Nordrhein-Westfalen in wesentlichen Teilen von der Industrialisierung geprägt ist und dass - bedingt durch den strukturellen Wandel in vielen Bereichen der Industrie und Technik - bedeutende Industriebauten unter starkem Veränderungsdruck stehen.
Die Objekte des Referates TKD sind nicht regional, sondern systematisch gegenüber der übrigen Denkmalpflege abgegrenzt. Im Wesentlichen beschäftigt sich das Referat mit allen Zeugnissen für Industrie, Handwerk und Gewerbe wie Bergbau, Chemie, Papier, Keramik, Metall, Textil, Holz, Nahrungs- und Genussmitteln, Energiegewinnung und -versorgung, Mechanik und Maschinenbau, Wasserbau, sowie Verkehr und Technische Dienste.
Eine Besonderheit des Referates TKD ist die Aufgabenkoppelung von Denkmalerfassung und Denkmalbetreuung, d.h. Tätigkeit und Arbeitsweise entsprechen prinzipiell denen der Inventarisation und der Gebietsreferate der Praktischen Denkmalpflege. Durch die Besonderheiten vieler Objekte in diesem Bereich, beispielsweise Größe und Komplexität von Stahlwerken, Zechenanlagen o.ä., ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten (vor allem die immensen Kosten) bei der Erhaltung und weiteren Nutzung. Deshalb benötigt die Industriedenkmalpflege den Mut zu unkonventionellen Lösungen und die konstruktive Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Beteiligten, teils weit über die eigene Region hinaus, um eine langfristige Erhaltung sicherzustellen, weil die gängigen Umnutzungskonzepte hier oft nicht greifen.
Die Ergebnisse denkmalpflegerischen und auch musealen Umgangs mit Objekten, die vom Referat TKD mit betreut wurden, lassen sich besonders gut an folgenden Projekten verdeutlichen:
Das 1979 gegründete Westfälische Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zeigt im Wesentlichen Objekte der Industrialisierung in Westfalen ab 1850.
Industriedenkmäler und aufgegebene Industrieanlagen waren bevorzugte Arbeitsgegenstände der Internationale Bauaustellung Emscherpark, die als "Werkstatt für die Zukunft alter Industriegebiete" von 1989 bis zur Jahrtausendwende stattfand.
Ausgelöst durch die Erhaltungsproblematik bei Bergbaudenkmälern gründeten das Land Nordrhein-Westfalen und die Ruhrkohle AG Ende 1995 die
Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.
Hochrangige Industriedenkmale können nun durch Übernahme in die Stiftung vor dem Abbruch gerettet werden.
Für weitere Einrichtungen verwandter Themen s.a.:
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Westfälisches Freilichtmuseum Hagen |
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Märkische Staße Technischer Kulturdenkmäler |
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Mühlenstraße im Kreis Minden-Lübbecke |
