Bönen 2010, 277 S., 461 col. Abb., ISBN 978-3-86206-004-7, 15,00 €
Die Beschäftigung mit Baudenkmälern reicht weit über 100 Jahre zurück. Seither ist eine Vielzahl an Publikationen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen des LWL-Amtes für Denkmalpflege in Westfalen, von Universitäten und anderen Institutionen, von Heimatvereinen und ungezählten Forscherinnen und Forschern zu einzelnen Baudenkmälern und Denkmalgattungen, Orten oder Regionen vorgelegt worden. Gesamtdarstellungen mit dem Anspruch einer Zusammenschau aller Baudenkmäler lagen bisher jedoch nur aus einer älteren Zeit vor, als der Begriff vom Denkmal primär auf Monumente der ‚Hochkultur’ lange zurück liegender Epochen und damit auf einen nur kleinen Ausschnitt der tradierten Bausubstanz beschränkt war. Mittlerweile sind jedoch rund 27.000 Baudenkmäler in die Denkmallisten der westfälischen Kommunen eingetragen, darunter viele mit vorrangig z.B. technikgeschichtlicher, volkskundlicher oder städtebaulicher Bedeutung. Der vorliegende Band ist nun der erste Versuch, die Baudenkmäler aller Gattungen und Zeiten im Hinblick auf ihre Aussagekraft für die Entwicklung der Kulturlandschaft Westfalen-Lippe zu befragen.
Dabei fand man 17 Kulturlandschaftsräumen, die sich heute als Ergebnis der Auseinandersetzung der Menschen mit den unterschiedlichen naturräumlichen Voraussetzungen voneinander abgrenzen lassen. Die Entwicklung jedes Kulturlandschaftsraumes war von Umbrüchen bestimmt, die an der Überlagerung von Bauphasen und Baudenkmälern aus verschiedene Zeitschichten ab lesbar sind. Nicht alle Gegebenheiten von Topographie und Klima, von Bodengüte und -schätzen waren zu allen Zeiten gleichermaßen technisch und ökonomisch nutzbar bzw. überwindbar; die historischen und religiösen Auseinandersetzungen führten zu neuen Grenzverläufen; zumeist von Menschen ausgelöste Katastrophen hemmten Entwicklungen oder lenkten sie in neue Bahnen.
Was davon durch den Erhalt an Baudenkmälern ablesbar geblieben ist, wird im Hauptteil des Arbeitshefts für jeden der siebzehn Kulturlandschaftsräume dargestellt. Nicht ein bebildertes Geschichtsbuch wird hier geboten, sondern eine Handreichung zur Entschlüsselung der Aussagekraft von Baudenkmälern. Dabei stehen weniger die herausragenden Baudenkmäler im Vordergrund – man wird im Gegenteil trotz immerhin 461 Abbildungen manches 'berühmte' Monument vergebens suchen – sondern eher 'typische', d.h. solche, die für sich allein oder mit anderen die Spezifik in der Entwicklung des jeweiligen Kulturlandschaftsraums besonders anschaulich werden lassen, bis hin zu jenen herausgehobenen Kulturlandschaftsbereichen, in denen sich einzelne Epochen oder Phasen des Umbruchs dieser Räume verdichten.
Vorangestellt sind fünf Übersichtsdarstellungen, die jeweils vom Mittelalter bis an die Gegenwart reichen. Behandelt werden allgemeinere Aspekte wie die Entwicklung der Territorien oder der Siedlungsstruktur. Beleuchtet werden die einzelnen Denkmalgattungen, die jede für sich und bisweilen über die einzelnen Kulturlandschaftsräume hinausgreifend in einzelnen Epochen spezifische Ausprägungen erfuhren, wie etwa – besonders deutlich ablesbar – die Schulen oder die Verkehrsbauten. Ein weiterer Aspekt ist der Niederschlag, den die allgemeinen Baustile in Westfalen-Lippe gefunden haben, verknüpft mit der Frage nach möglichen regionalen Sonderungen im Sinne einer landschaftstypischen Baukultur.
Durch den Anhang eines Orts- und eines nach Baugattungen sortierten Abbildungsregisters wird der Band erschlossen.
Bönen 2009, 103 S., 83 col. Abb., ISBN 978-3-86206-001-6
Häufig hat die Tagesarbeit einer Denkmalfachbehörde eine tiefergehende Beschäftigung mit einem bestimmten Thema oder einer bestimmten Fragestellung zur Folge.
Einen solchen konkreten Anlass bot die restauratorische Behandlung und Wiederherstellung des Fürstenzimmers des Detmolder Bahnhofs, also des exklusiven Warte- und Empfangsraumes des lippischen Fürsten, dessen durchgreifende Sanierung Ende 2007 abgeschlossenen werden konnte. Heute steht der Detmolder Bahnhof mit diesem Fürstenzimmer In Nordrhein-Westfalen in der baukulturellen Überlieferung einzigartig da. Ursprünglich jedoch war das Phänomen der Fürstenzimmer durchaus ein verbreitetes, eng verbunden einerseits mit der allgemeinen Entwicklung der Geschichte der Eisenbahn, mit der Sozialgeschichte des wilhelminischen Deutschen Kaiserreichs andererseits im Besonderen. Wenngleich die ursprünglichen Funktionen des Hochadels im späteren 19. und frühen 20. Jahrhunderts selbst bei regierenden Fürstenhäusern weitgehend durch Staatlichkeit abgelöst waren – die Regierungsgeschäfte übten Minister aus – und statt dem Hochadel eher der Geld- und Industrieadel die Geschicke der Bevölkerung bestimmte, wurde strikt auf die Aufrechterhaltung der ständischen gesellschaftlichen Differenzierung geachtet: Schon beim Warten auf den Zug zeigten sich Herkunft und Stand durch Wartesäle I. und II. Klasse auf der einen, sowie III. (in Preußen auch IV.) Klasse auf der anderen Seite, die direkt in die entsprechenden Wagenklassen führten. Persönlichkeiten von Rang und Adel hingegen konnten vom Fürstenzimmer aus direkt und deutlich separiert zu dem bereitgestellten Salonwagen gelangen. Die heutige Nutzung dieser Räumlichkeiten als Café im Bahnhof gewährt nun jedermann einen unmittelbaren Einblick in dieses spannende sozial- und kulturhistorische Denkmal.
Im September 2008 haben 20 Studierende der Fächer Architektur oder Kunstgeschichte mit großem Elan die Stadt und das Kloster Willebadessen erkundet: Sie haben Chancen, Qualitäten und auch Missstände analysiert und Vorschläge für künftige Nutzungen des Klosters erarbeitet.Die Ergebnisse dieses einwöchigen, interdisziplinären Workshops, der vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz DNK in Zusammenarbeit mit dem LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen, der Stadt Willebadessen und dem Kreis Höxter veranstaltet wurde, sind nun in einer Broschüre veröffentlicht worden.Der reich bebilderte, in der Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz als Nr. 75 erschienene Band enthält Informationen über die jährlich in wechselnden Bundesländern stattfindenden Workshops und einen Überblick über die Geschichte von Stadt und Kloster als Einführung in die Aufgabenstellung des Workshops In Willebadessen. Den Hauptteil des Bandes machen die Beiträge der Studierenden aus: Für die jungen Menschen ist dies die erste Veröffentlichung eines selbstverfassten Textes.
Bönen 2009. 210 Seiten, ca. 600 Abbildungen, ISBN 978-3939-745051
Mit dem Buch „Vom Nutzen des Umnutzens“ wollen die Landschaftsverbände Westfalen Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) sowie die Landesinitiative StadtBau-Kultur NRW Denkmaleigentümern Mut machen, ihre alten Gebäude neu zu nutzen. Das Buch stellt 80 besonders gelungene Umnutzungen aus den Bereichen Kultur, Wohnen, Gastronomie, Schule, Gewerbe und Karitatives vor.
„Die Umnutzung von Baudenkmälern, wenn sie nicht mehr ihrem ursprünglichen Zweck dienen können, ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll und notwendig. Denn langer Leerstand, Verfall und späterer Abriss von Gebäuden verursacht langfristig hohe Kosten, Ressourcen werden verschwendet und die Umwelt belastet. Es entsteht ein irreparabeler kultureller Schaden. Entwerfen im Bestand, denkmalgerechte Umnutzung von Gebäuden ist eine anspruchsvolle Aufgabe für alle Beteiligten“, fassen die LWL-DenkmalpflegerInnen die wichtigsten Ergebnisse der Reihe zusammen.
Das Buch „Vom Nutzen des Umnutzens“ zeigt an kleinen und großen gut gelungenen Beispielen, wie Baudenkmäler genutzt werden können, wenn sie ihre eigentliche Funktion verloren haben oder in der bisherigen Form den Ansprüchen ihrer Nutzer nicht mehr genügten. Auf anschauliche Weise will das Buch einer breiten Öffentlichkeit deutlich machen, wie wichtig der Erhalt unseres baukulturellen Erbes ist. Interessenten können das Buch kostenlos beziehen bei den GWN Gemeinnützige Werkstätten Neuss GmbH, Schriftenversand, Am Henselsgraben 3, 41470 Neuss, mbv@gwn-neuss.de
