Denkmal des Monats

Denkmal des Monats Oktober 2008

Das Grabdenkmal für die Opfer der Schlagwetterexplosion auf der Zeche Radbod in Hamm-Bockum-Hövel am 12. November 1908, Ermelinghofstr. / Fritz-von-Twickel-Weg

„Glück auf“ heißt auch „Komm gut zurück nach oben!“ Dieses Glück war nicht allen Bergleuten beschieden, Grubenunglücke waren und sind keine Seltenheit. Davon zeugt ein großes und anrührendes Denkmal in Hamm. Drei Trauernde wenden sich dort einem hohen Kreuz zu, auf dem zu lesen ist: „Dem Andenken der auf Zeche Radbod am 12.11.1908 verunglückten Bergleute. Gewidmet von der Bergwerksgesellschaft Trier."

Vor 100 Jahren kam es auf der Zeche Radbod zu einer der folgenschwersten Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen im deutschen Steinkohlenbergbau. Das Unglück ereignete sich am 12. November 1908 um 4:20 Uhr. Von 400 angefahrenen Bergleuten konnten nur 35 tot und 36 verletzt geborgen werden. Unglücksursache war die Entzündung des unter Tage häufig austretenden Methangases an einer benzinbetriebenen Grubenlampe. Anschließend brachen im Bergwerk verheerende Brände aus. Um die zu löschen, wusste man sich nicht anders zu helfen, als die Schächte mit dem Wasser des Flusses Lippe vollständig zu fluten. Es wurde später diskutiert, ob die Flutung nicht zu früh kam und eher auf die Erhaltung der Betriebsanlagen als auf die Rettung der Bergleute ausgerichtet war. Das Unglück löste überdies eine politische Diskussion über Arbeiterschutzmaßnahmen und Aufsichtspflichten aus. Es wurden Arbeitsschutzgesetz gefordert. Zur Unterstützung dieser Forderung streikten Arbeiter in vielen Orten. Als eine Konsequenz des Unglücks wurden im Deutschen Reich alle offenen Grubenlampen abgeschafft und durch neuartige elektrische Sicherheitslampen ersetzt. Man begann damit auf der Zeche Radbod.


Für die Witwen und Waisen der Radboder Katastrophe, die nicht sozial abgesichert waren, wurde in ganz Deutschland gespendet. Allerdings heißt es, dass die Gelder zunächst zweckentfremdet und dann durch die Inflation gänzlich wertlos wurden.

Am Gedenkort in Hamm thematisiert die Skulptur einer jungen Witwe mit ihrer halbwüchsigen Tochter die Verzweiflung der Hinterbliebenen. Ihnen gegenüber trauert ein kniender Knappe um seine toten Kameraden, er stützt sich auf seine Hacke. Er hält eine Grubenlampe, die die Kundigen auf Segen und Fluch der Bergbautechnik deutlich hinweist.

Die Figuren aus Bronze knien oder sitzen auf zwei hohen Postamenten aus Dolomit-Gestein. Eine breite Wand trägt Inschrifttafeln mit den Namen der Grubenopfer. Die Namen sind aktuell erneuert worden, denn die alten Schriften waren verwittert. Vor den Tafeln bieten steinerne Bänke Gelegenheit zur Besinnung. Das Denkmal schuf der Bildhauer Ernst Müller-Braunschweig (1860-1928). Er hatte durch Werke in Bremen, Magdeburg, Braunschweig und Worms auf sich aufmerksam gemacht. Einige Figuren auf dem Französischen Dom in Berlin stammen von ihm.

Dieses Ehrenmal für das Grubenunglück in Hamm ist eines von vielen Erinnerungen an die Gefahren, denen sich der Bergmann bis heute aussetzen muss. Es erinnert an die Toten. Das Denkmal veranschaulicht aber auch die Geschichte unseres Sozialstaates: Es war nicht die freie Wirtschaft, die sich für die Verbesserung der Arbeitverhältnisse eingesetzt hat. Es war die Solidarität der Benachteiligten und es war ein handlungsfähiger Staat, die nach und nach zur heutigen Sicherheit am Arbeitsplatz und im Sozialen führten.

Hans H. Hanke


Denkmal des Monats September 2008

Patenschaften für den wertvollen Flügelaltar in der evangelischen Pfarrkirche in Welver-Schwefe

Im Ortskern von Schwefe steht eine der zahlreichen alten Dorfkirchen der Soester Börde. Dem romanischen Turm schmiegt sich das 1706 in wesentlichen Teilen neu erbaute Kirchenschiff an. Der mächtige Altaraufsatz im Inneren stammt noch aus dem Vorgängerbau und ist um 1520/30 entstanden, wohl kurz vor Einführung der Reformation in Schwefe. Bemerkenswert harmonisch fügt sich die Bilderwand des Altars, stilistisch im Übergang von der Spätgotik zur Renaissance, in die ansonsten barocke Ausstattung ein. Seit damals hat sich der Raumeindruck kaum verändert, was ihn als historisches Zeugnis so überzeugend macht. Traditionsbewusstsein hindert die evangelische Kirchengemeinde aber nicht daran, mit der Zeit zu gehen. Angesichts beschränkter Mittel bediente sie sich bei der unlängst abgeschlossenen Altarrestaurierung alternativer Methoden zur Finanzierung des Vorhabens.

40 Jahre nach der letzten Restaurierung des Passionsaltars zeigten sich insbesondere am geschnitzten Mittelschrein mit seinen zahlreichen, farbig bemalten (gefassten) Figurengruppen wieder umfangreiche Schäden. Durch Aufstehen oder Abplatzen der Farbschicht kündigte sich stellenweise der Verlust von Teilen der Farbfassung an oder war sogar schon eingetreten. Diplom-Restauratorin Brigitte Vöhringer vom LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen entwickelte das Konservierungskonzept und beriet die freischaffende Restauratorin Monika Voss-Raker aus Werl bei der Durchführung der Maßnahmen. Ausgeführt wurden im wesentlichen die Festigung der losen Malschicht, die Entfernung der teilweise hartnäckigen Oberflächenverschmutzungen und die Retusche der Fehlstellen.


Um die Gesamtkosten von ca. 20.000 Euro aufzubringen, vergab die Kirchengemeinde Patenschaften für einzelne Figuren oder kleinere Gruppen des Altarschreins an interessierte Spenderinnen und Spender, die dann den entsprechenden Teilbetrag an den Restaurierungskosten übernahmen. Auf diese Weise konnte weit mehr als die Hälfte des benötigten Geldes eingeworben werden. Einen größeren Betrag steuerte die Stiftung Kirchliche Baudenkmäler (KIBA) bei, andere Sponsoren übernahmen den Rest. Besser als durch den großen Erfolg der Patenschaftsaktion kann man die Wertschätzung des einzigartigen Schwefer Altaraufsatzes nicht nur unter Gemeindegliedern wohl kaum ausdrücken.

Als westfälische Antwort auf den Kunstimport aus Antwerpen ist der Schwefer Altaraufsatz auch kunsthistorisch von besonderem Interesse. In einer vermutlich sauerländischen Bildschnitzerwerkstatt hergestellt, lehnt er sich stark an den formalen Aufbau und die Gestaltungselemente der Antwerpener Schnitzaltäre an, die um 1520 in ganz Europa in Mode waren. Auch in Westfalen haben sich Exemplare unter anderem in Dortmund, Schwerte und Soest erhalten. Die fremden Impulse sind in Schwefe unverkennbar, werden aber in einer einfacheren, ungekünstelten, mitunter auch derben Bildsprache vorgetragen. Im Kreise der anderen Altäre aus dieser Werkstatt in Deilinghofen, Werdohl und Herscheid (heute im Burgmuseum Altena) ist der Schwefer Altar nicht nur der größte, sondern auch der am ursprünglichsten erhaltene. Durch die sorgfältige jüngste Konservierung bleibt gerade dieses Qualitätsmerkmal des Altars für die Zukunft bewahrt.

Dirk Strohmann


Denkmal des Monats August 2008

Das Marstor des Schlosses Nordkirchen

Scheinbar unberührt und liebevoll in Baubestand und Park gepflegt wirkt Schloss Nordkirchen auf die vielen Besucher und Hochzeitsgäste.

Seitdem der münstersche Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg 1703 die Schlossanlage durch seinen Baumeister Pictorius begonnen und sein Neffe mit dem Baumeister Johann Conrad Schlaun es 1734 vollendet hatte; ist als einzige Neuerung der Einzug der Landesfinanzschule zu spüren, die taktvoll die alten Bauten schon seit 50 Jahren nutzt.

Wie viel Instandsetzung und Pflege jedoch das Land NRW investiert, um diesen Stand zu wahren, zeigt das Marstor , welches mit drei anderen den großen Schlossplatz rahmt.

2003 waren die Schäden an Mauerwerk und Fundamenten nicht mehr zu reparieren. Hinter der Schutzschicht aus Steinersatz hatten sich nämlich die Steine weiter zersetzt und waren nicht mehr zu sanieren. So blieb als einzige Möglichkeit, die Pfosten vollständig zu erneuern. Sie wurden wieder aus Sandstein als originalgetreue Kopien gearbeitet. Die Figuren und der Schmuck aus Helmen, Rüstungen und Kriegsgerät konnten jedoch wieder verwendet werden. Sie weisen auf den Krieg, den auch ein Fürstbischof zu führen hatte und den römischen Kriegsgott Mars, dessen Namen das Tor führt.

Seit 2005 steht das Tor wieder. Dank der Sorgfalt der Arbeiten der Steinmetzen ist es nur

an den noch fehlenden Altersspuren als erneuert zu begreifen, das großartige Barockensemble des Schlosses blieb in seiner optischen und inhaltlichen Aussage dabei erhalten.

Ulrich Reinke


Denkmal des Monats Juli 2008

Gartenhäuser in Arnsberg

Zwei Gartenhäuser in Arnsberg (Hochsauerlandkreis) hat der Land-schaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zu Denkmälern des Monats Juli gewählt. Die Gartenhäuser (Twiete 1 und Königstr. 36) aus dem 19. Jahrhundert gehörten zu Wohnhäusern am Neumarkt und an der Königstraße und sind auf großen Garten-grundstücken an der Ruhr zu finden.

„Sie waren nicht zum Bewohnen gedacht, sondern dienten einst der privaten Erho-lung. Es sind kleine Bauten, in denen man auch schon an warmen Frühlingstagen zu Kaffee und Kuchen oder anderem zusammenkommen konnte“, so LWL-Denkmalpfleger Dr. Oliver Karnau.

Die Gartenhäuser sind aus Fachwerk gebaut und mit Schiefer verkleidet, wie es in der Region typisch ist. Beide haben ihre Türöffnungen an der Ostseite und laden so den oberhalb im Garten stehenden Betrachter ein, die kleinen Häuser zu betreten.

Umgekehrt hat man auf der Türschwelle den Blick in den Garten hinauf und damit auf die gestaltete Natur.

Die beiden Arnsberger Gartenhäuschen sind vor einiger Zeit von der Stadt über-nommen worden. Karnau: “Eine Entscheidung mit Weitblick, denn damals war der Zustand der Gartenhäuschen noch bedauernswert. Aber nun können sie behutsam instandgesetzt und zu Schmuckstücken der aktuellen Gartenkultur von Arnsberg werden.“

Das Gartenhaus Twiete 1 hat einen, neobarocken Ziergiebel, dessen charakteristi-sche schiefe Stellung aber nicht, wie lange angenommen, Ausdruck von humanisti-scher Ruinenbegeisterung ist, sondern auf eine Schwächung der konstruktiven Ele-mente zurückgeht, die über die Jahrzehnte entstanden ist und nun auch nicht gerade gezogen werden soll. Das vermutlich etwas ältere Gartenhaus Königstraße 36 zeigt mit seinem Krüppelwalmdach etwas ruhigere, eher klassizistische Formen. Beide Häuser sind für uns sehr anschauliche Zeugen der bürgerlichen Freizeit- und Gar-tenkultur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die nach Arnsberg beorderten preussischen Beamten sich ihre Häuser und Gärten nach den damals modernen Vorstellungen einrichteten. Dazu gehören eben auch die Gartenhäuser, die von ihnen als idyllische Orte der Zerstreuung und biedermeierlichen Freude errichtet worden sind.

Die Arbeiten zur Erhaltung und Instandsetzung der beiden Gartenhäuschen werden von der Stadt Arnsberg vorbereitet und durchgeführt. Der LWL unterstützt die Stadt zusammen mit der Handwerkskammer Südwestfalen bei der Finanzierung der Kos-ten.

Oliver Karnau


Denkmal des Monats Juni 2008

Das Kurhaus Bad Oeynhausen

Zum Denkmal des Monats Juni hat das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen das Kurhaus von Bad Oeynhausen gewählt. Anlass ist der 100. Geburtstag des neubarocken Monumentalbaus. Nachdem man ihn bereits am 15. Mai 1908 in Betrieb genommen hatte, fanden erst am 10. und 11. Juni 1908 die Feierlichkeiten zur Einweihung statt. Da der Kaiser selbst verhindert war, nahmen sein Staatsminister Dr. Delbrück sowie der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Freiherr von der Recke teil. Am Abend des 10. Junis stand ein Konzert auf dem Programm. Leuchtfontänen, Scheinwerfer und ein Brillantfeuerwerk setzten den Neubau und den Park in Szene. Am 11. Juni folgten ein Festakt im großen Saal des neuen Kurhauses, ein Festmahl im Speisesaal und am Abend noch einmal ein Militärkonzert.

Nachdem das erste Kurhaus von 1851 um die Jahrhundertwende für den erheblich vergrößerten Kurbetrieb zu klein geworden war, hatte man sich zu einem Neubau entschlossen, mit dem 1905 begonnen wurde. Der Entwurf stammte von Bauinspektor Beck vom Oberbergamt Dortmund, die Ausführung lag in den Händen von Landbauinspektor Jakob Schrammen. Das prachtvolle Gebäude wurde am Südende des Kurparks auf dessen höchstem Punkt errichtet.

Der langgestreckte, wie ein Barockschloss anmutende Baukörper, wird durch einen erhöhten Mittelpavillon für die repräsentative Vorhalle akzentuiert. Dahinter liegt durch eine Wandelhalle mit farbigen Glaskuppeln verbunden der neobarocke Konzertsaal. Elegante Gesellschaftsräume wie Wintergarten, Herrenzimmer, Billardzimmer, Lesesaal, Damenzimmer, Rauchzimmer und ein Restaurant vervollständigten das Angebot für den Erholung und Zerstreuung suchenden Kurgast der wilhelminischen Zeit.

In der Chronik von Bad Oeynhausen vermerkt der damalige Verfasser denn auch selbstbewusst, dass das mit Goldschmuck überladene Wiesbadener Kurhaus, welches im Vorjahr (1907) eröffnet worden war, nicht mit dem „mit feinstem Geschmack“ ausgeführten Kurhaus von Bad Oeynhausen zu vergleichen sei.

Während der britischen Besatzungszeit diente das Kurhaus von Bad Oeynhausen als Magazin und Lager. Erst 1953 wurde es freigegeben und gelangte nach Renovierungsarbeiten wieder in seine alte Nutzung.

Den ursprünglich dem Kurhaus vorgelagerten 4400 qm großen, von Flügelbauten umgebenen Konzertgarten gab man in der Nachkriegszeit auf. Der Kurhausvorplatz wurde im Rahmen der modernen Umgestaltung des Kurparks in den 1950er und1960er Jahren durch den Kasseler Gartenarchitekten Hermann Mattern verändert. Die in die Jahre gekommene Platzgestaltung wurde 2007 mit dem Abbruch der nicht denkmalwerten Flachdachpavillons der 1960er Jahre vor dem Westflügel in einem ersten Schritt beseitigt. Die Neugestaltung des Platzes, für die das Büro WES& Partner/ Krafft-Wehberg aus Berlin nach Wettbewerb eine Planung vorgelegt hat, wird in nächster Zeit beginnen.

Auch das Kurhaus hat im Laufe der Zeit durch neue Nutzungen Veränderungen erfahren. 1978-80 wurde im Ostflügel durch den kürzlich verstorbenen Münsteraner Architekten Prof. Harald Deilmann (1920-2008) ein hochmodernes Spielcasino eingerichtet. Nachdem diese Nutzung 2002 aufgegeben wurde, wird das ehemals königliche Kurhaus als „Kaiserpalais“ durch das Varieté GOP weitergeführt. Ein Tanzlokal und ein Restaurantbetrieb ergänzen das Angebot.

Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals, am 14.09.08, wird Dr. Barbara Pankoke auf Einladung des Arbeitskreises für Heimatpflege der Stadt Bad Oeynhausen e.V. im Kurhaus einen Vortrag zum Thema „100 Jahre Kurhaus Bad Oeynhausen“ halten.

Barbara Pankoke


Denkmal des Monats Mai 2008

Der Städtische Friedhof in Bocholt

In der seit Mitte des 19. Jahrhunderts infolge der Industrialisierung der Textilfabrikation rasch wachsenden und an Bevölkerung zunehmenden Stadt Bocholt entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Bedarf nach einem neuen Friedhof.

Hermann Kraatz, der damalige Stadtbaumeister, legte 1904 einen Plan für einen neuen Friedhof an der Blücherstraße in Bocholt vor. Sein ausgeführter Entwurf einer nahezu quadratischen Friedhofsanlage mit Mittelrondell und Wegestern hat seine unverwechselbare Gestalt bis heute bewahrt.

Der von Hermann Kraatz konzipierte Friedhof ist ein herausragendes und frühes Beispiel für die geometrisch-architektonischen Gestaltungsprinzipien, die Anfang des 20. Jahrhunderts durch die sogenannte „Reformgartenbewegung“ in der Gartenkunst wiederbelebt wurden und sich bewusst absetzten von der bis dahin verbreiteten landschaftlichen Gestaltung von Gärten, Parks und Friedhöfen.

In den ersten Jahren nach seiner Anlage war vor allem wegen des kargen Sandbodens, der sich für Anpflanzungen als denkbar ungeeignet erwies, die Gestaltung und Bepflanzung des Bocholter Friedhofs sehr schlicht. Erst ab Anfang der 1920er Jahre wurde die Planung von Hermann Kraatz aus dem Jahr 1904 verstärkt umgesetzt, indem man den Boden verbesserte, entlang der Hauptwege Alleen aus Platanen, Linden und Birken pflanzte und mit Hecken aus Eiben, Hain- und Rotbuchen die einzelnen Begräbnisfelder untergliederte.


Das im Schnittpunkt der Hauptwege gelegene Rondell erhebt sich heute in drei kreisförmigen Terrassenstufen aus dem sonst ebenen Gelände des Friedhofs und ist mit einem Ring aus Linden umgeben. Exakt geschnittene konzentrische Eibenhecken prägen das Rondell, in dem sich neben Familiengrabstätten auch eine Ehrenanlage für die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs befindet.

Aufwändig gestaltete Familiengrabstätten an den Hauptwegen erinnern u.a. an die Begründer der Bocholter Textilindustrie. Darüber hinaus dokumentieren beispielsweise die am Rondell gelegenen Grabmale der Familien Johann Borgers, Heinrich Beckmann oder Max Herding die kunst- und baugeschichtlichen Stilrichtungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind zudem eine Kreuzigungsgruppe am Ende der Hauptallee und die im Jahr 1936 errichtete Friedhofskapelle. In dem Gebäude sind Elemente des Expressionismus in der Ornamentverglasung sowie Art Déco- Motive in der Portalgestaltung zu sehen. Die Kapelle dient als Aussegnungs- und Leichenhalle sowie als Sitz der Friedhofsverwaltung.

Als Denkmal des Monats dokumentiert der Hauptfriedhof in Bocholt einerseits die Entwicklung in der Gestaltung der Friedhöfe in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts und zeigt andererseits, dass die Überlieferung und Erhaltung dieses herausragenden Gartendenkmals vor allem der konsequenten, aufwändigen und sorgfältigen gartenpflegerischen Arbeit der Bocholter Friedhofsgärtner zu verdanken ist.

Uwe Siekmann


Denkmal des Monats April 2008

Das Rommenhöller-Ehrenmal in Bad Driburg-Herste

"Für Herste war der Sonntag, der Tag der Einweihung des Ehrenmals für Herrn Generalkonsul Dr. C. G. Rommenhöller, ein Tag von besonderer Art. Aus den fahnengeschmückten Häusern, den vielen Ehrenbogen mit Inschriften sprach die hohe Verehrung und innige Liebe der Einwohner zum Hingeschiedenen." (Driburger Zeitung, 24.05.1932, Einweihung des Ehrenmals in Herste).

Wer war dieser Mann, dem eine solche Ehre zuteil wurde?

Carl Gustav Rommenhöller wurde am 16. März 1853 in Geldern geboren und hat sich für die Kohlensäureindustrie in Deutschland und darüber hinaus überaus verdient gemacht. Kohlensäure, die aus einer Reaktion von Wasser und Kohlendioxid entsteht, kommt in unserem Lebensumfeld eine vielfältige Bedeutung zu. Wir finden Kohlensäure bzw. das gasförmige Kohlendioxid, eine chemische Verbindung von Kohlenstoff und Sauerstoff, nicht nur in Erfrischungsgetränken, sondern u. a. auch in der Trinkwasseraufbereitung, Abwasserbehandlung, Feuerlöschtechnik, Schädlingsbekämpfung, Lebensmittelkühlung, in der Medizin und als Kältemittel in Kälteanlagen.

Bereits 1877 konnte in Deutschland Kohlendioxid verflüssigt und damit industriell genutzt werden. Anfangs wurden dabei natürliche Kohlensäurevorkommen, sogenannte Sprudel, genutzt, die angebohrt und deren freigesetztes Kohlendioxid aufgefangen wurde. Nur wenige Jahre später entwickelte man das Absorptionsverfahren, bei dem aus Abgasen der Koksverbrennung das Kohlendioxid abgespalten wird.

Carl Gustav Rommenhöller war maßgeblich an der Ausweitung der industriellen Produktion von Kohlensäure in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beteiligt. 1881 erwarb er in Oberlahnstein am Rhein den Victoria-Mineralbrunnen und legte damit den Grundstein für die späteren Rommenhöller-Kohlensäurewerke. Bis 1926 gründete er in Europa und Afrika insgesamt 40 Kohlensäurewerke. 1894 erschloss er in Bad Driburg-Herste den sog. Westfalia-Sprudel, dessen Kohlensäure in dem eigens hierfür errichteten Werk in Herste verarbeitet wurde. Weite Teile des damaligen Deutschen Reiches wurden von hier mit Kohlensäure versorgt. Zur Sicherung dieses Standortes brachte man später weitere Bohrungen in der Umgebung nieder, deren ergiebigste der 1925 aufgewältigte sog. Carl Gustav-Sprudel ist.

Bereits zu Lebzeiten wurden Rommenhöller für seine Verdienste zahlreiche Ehrungen zuteil: die Technische Hochschule Berlin ernannte ihn zum Dr.-Ing. ehrenhalber, in den Niederlanden beförderte man ihn zum „Officier in de Orde van Oranje Nassau“ und 1889 avancierte er zum königlich rumänischen Generalkonsul in Rotterdam. Carl Gustav Rommenhöller starb am 10. April 1931 in Den Haag. Ihm zu Ehren wurde in Herste über dem Carl Gustav-Sprudel ein Denkmal errichtet, das am 22. Mai 1932 feierlich im Beisein der Familie und zahlreicher Festgäste, darunter Vertreter der Kohlensäureindustrie aus Deutschland, Holland, Österreich, Luxemburg und England eingeweiht wurde.

Das Ehrenmal liegt in einem Hain am Fuße des Löwenbergs und ist über eine von Linden gesäumte Allee zu erreichen. Der Himmelsstrich der Allee, eine schmale Lichtfuge im Kronendach des Weges, lenkt den Blick direkt auf dieses Denkmal, einen kleinen Zentralbau aus hellem Sandstein, der auf einer zweistufigen Terrasse steht. Das quadratische Gebäude mit leicht vorspringendem Sockel hat ein Viergiebeldach gleich einem flachgeneigten Rautenhelm. Die Fassaden bestehen aus gespitztem Quadermauerwerk, das Dach ist mit Sandsteinplatten gedeckt, die im oberen Teil zusätzlich mit Kupfer belegt sind. Die Eingangsseite beherrscht ein schmales, überhohes Portal mit breiter Rahmung, die sich aus den leicht angeschrägten Außenwänden und einer giebelartigen Bekrönung aus großen, reliefartig vortretenden Sandsteinen ergibt. Das Portal erinnert ein wenig an altägyptische Architektursprache. Über der zweiflügeligen Eingangstür befindet sich eine Bronzetafel mit Namen und Lebensdaten des Geehrten sowie einem Medaillon mit seinem Porträt. Es ist signiert: Jac. J. van Goor. Jacob Jan van Goor (1874-1956) war ein holländischer Medailleur und Bildhauer. Über der Bronzetafel stehen in Stein gemeißelt die Worte: Dem Begründer der Kohlensäure-Industrie. Die übrigen drei Seiten des Gebäudes sind konsequent im Stil des Expressionismus gestaltet. Eine spannungsreiche Gliederung erzeugen hierbei die diagonal gestellten, bis zur Sockelzone geführten Mittelpfosten der Fenster in Verbindung mit deren gezackter Sprossenteilung. Im Innern des Gebäudes, drei Stufen tiefer, befinden sich die oberirdischen Gestänge des nach dem Firmengründer benannten Sprudels. Das durch Absperrventile gesicherte Druckrohr führt bis über das Dach hinaus.

Die Architektur des Ehrenmals zeugt von hoher künstlerischer Qualität. Neben Formen des Expressionismus greift sie Motive der Romanik auf, wie den Zentralbau und das Viergiebeldach, ein Dachtypus, der zu jener Zeit besonders am Mittelrhein als Turmabschluss verwendet wurde. Für Westfalen hat das Rommenhöller-Ehrenmal Seltenheitswert, Vergleichsbeispiele sind bisher nicht bekannt.

Christian Hoebel/Imme Wittkamp


Denkmal des Monats März 2008

Die Altstädter Kirche St. Nikolai in Lemgo

Seit einer Woche rankt sich für jeden Besucher sichtbar ein Außengerüst der Altstädter Kirche in Lemgo hinauf: St. Nikolai, die evangelisch-lutherische Pfarrkirche und gleichzeitig ockergelbes doppeltürmiges Wahrzeichen der altehrwürdigen Hansestadt wird umfassend restauriert. Das wertvolle Sakraldenkmal stammt aus dem beginnenden 13. Jahrhundert und verbirgt seine basilikale Vorgängergestalt seit 1280/1300 hinter dem westfälischen Typus einer dreischiffigen, vierjochigen Hallenkirche mit zweifach besetztem Turmjoch im Westen und 5/8 Chorapsis im Osten. Die jetzt in die Höhe greifende Phase der Sanierung der Kirche ist der zweite Bauabschnitt einer im vergangenen Jahr begonnenen, dringend notwendig gewordenen statischen Sicherung des 800 Jahre alten Bauwerks. Von deren Umfang und Schwierigkeitsgrad konnte sich die Kirchengemeinde noch vor ein paar Jahren keine Vorstellung machen. Geplant war im Jahr 2001 nur eine restauratorische Auffrischung der hochwertvollen spätmittelalterlichen Malereibefunde und der Raumschale der Kirche, aber neue Risse in Gewölbe und Mauerwerk beunruhigten den Küster Herrn Borchers. Daher wurden ab dem Jahr 2002 zunächst eine Messung und Überwachung mit Hilfe eines externen Ingenieurbüros durchgeführt. Nach etlichen Diskussionen mit vielen verantwortlich Beteiligten vor Ort erarbeiteten Spezialisten unterschiedlicher Disziplinen im Jahr 2006 ein intensiv mit dem LWL-Amt für Denkmalpflege abgestimmtes statisches Konzept. Das bedrohlich schiefgeneigte Bauwerk muss wegen des unzureichend tragfähigen Untergrund in Teilen saniert werden. Nördliche und südliche Langhauswand sind jeweils um einen halben Meter von Sohle bis zu den Quergiebelfirsten aus dem Lot gewichen. Die beiden Westtürme neigen sich wie die Blätter einer Tulpe nach außen. Aufgrund ihrer gewaltigen Masse war daher eine hochanspruchsvolle Teilunterfangung der Außenecken der Doppelturmfassade unvermeidlich. Wer im Dezember 2007 den Weg zwischen Rathaus und St. Nikolai einschlug, dem sind die dort gelagerten hunderte von betongefüllten, stahlrohrarmierten, eimergroßen Zylinder aufgefallen, die als Presspfähle zwischenzeitlich ihren Platz bis zu 6 m tief unter dem bauzeilichen Turmfundament gefunden haben und aktuell die Gründung stabilisieren. Mit Sorgen betrachtete nicht nur die zuständige LWL-Denkmalpflegerin Dr. Roswitha Kaiser die aufbrechenden Risse an der Nahtstelle von Turm zu Schiff und die aus zwei Gewölben herauskippenden Rippen während des Pressvorgangs. Das Denkmal erzählt seine Bau- und Schadensgeschichte. Jetzt, wo die größte Gründungsgefahr gebannt ist, kann endlich der nächste Sanierungsschritt im Dachboden durch horizontale Stahlankerverspannung der beiden nach außen geneigten Langhauswände erfolgen.

Der Dachraum enthält eine ungeahnte steinerne und hölzerne Fülle von historischen Befunden zur Geschichte St. Nikolais; davon konnte sich im Sommer 2007 bereits der neugewählte Landeskonservator Dr. Markus Harzenetter persönlich überzeugen. Unter dem Staub der Jahrhunderte haftet noch ein Stück romanischen Außenputzes der alten Basilika. Der im Dachraum verbliebene Rest des ursprünglichen, künstlerisch gearbeiteten Bogenfrieses an der Traufe ist vor Jahrzehnten vom Forscher Otto Gaul dokumentiert und von Dr. Ulf Dietrich Korn im 1983 erschienenen Bau- und Kunstdenkmälerband Lemgo beschrieben worden. Landeskonservator Dr. Harzenetter machte bereits 2007 im Gespräch mit der engagierten Vertretung der Kirchengemeinde deutlich, dass diese und andere Befunde unbedingt erhalten und mit Hilfe der LWL-Denkmalpfleger erforscht werden müssen. Die gesamte technische, bauliche und denkmalpflegerisch-restauratorische Herausforderung bedeutet für die Lemgoer Nikolaigemeinde zugleich eine finanzielle Belastung, die die Gemeinde nur durch umfangreiche Förderung von Seiten des Landes, einer evangelischen Kirchenbaustiftung sowie weiterer öffentlicher und privater Sponsoren wird schultern können. Auch die Stadt Lemgo, Untere Denkmalbehörde und beteiligte Ämter sind tatkräftig an der Sanierung beteiligt, gehört der Kommune doch der nördliche der beiden Türme. Pastor Andreas Lange entwickelte seit Beginn der Sanierung kreative Ideen zur Finanzierung dieses Mammutprojektes. So können Internetbesucher auf der Homepage St. Nikolai Pixelbesitzer auf dem Kirchenfoto werden und sich dort visualisiert als Sponsoren listen lassen. In Kürze wird der alte Opferstock an der Kirchentür durch eine innovative elektronische Spendenbox ersetzt. Bei Vorlage der Scheckkarte und Bestätigung des gewünschten Betrages wird der Automat prompt eine Spendenbescheinigung auswerfen. Von diesem breiten Engagement für das herausragende Kunstdenkmal St. Nikolai in Lemgo sichtlich angetan, haben die LWL-Denkmalpfleger aus aktuellem Anlass die Großbaustelle St. Nikolai zum Denkmal des Monats März gekürt und werden die anstehenden Arbeiten weiterhin mit Fachverstand begleiten.

Roswitha Kaiser


Denkmal des Monats Februar 2008

Herrschaftlicher Wartesaal zeugt wieder von längst vergangenen Privilegien: Das restaurierte Fürstenzimmer im Detmolder Bahnhof

Die jüngst abgeschlossene Sanierung des 1880 errichteten Bahnhofsgebäudes in Detmold umfasste auch die Wiederherstellung des sogenannten Fürstenzimmers. Diese von den übrigen Wartesälen strikt getrennte Räumlichkeit diente den lippischen Fürsten, ihrer Familie und ihren Gästen bei Bahnreisen als exklusiver Warte- und Empfangsraum. Zur standesgemäßen Ausstattung gehört neben der üppigen hölzernen Kassettendecke auch die gemalte Dekoration der Wände. Die seit langem nicht mehr sichtbaren Malereien konnten jetzt von Tapetenüberklebungen befreit und restauriert werden. Zukünftig wird der Raum durch die Lebenshilfe Detmold als Café genutzt. Als letztes und noch dazu gut erhaltenes Beispiel seiner Art in Westfalen und Lippe zeichnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das Fürstenzimmer jetzt als Denkmal des Monats Februar aus


Detmold, die Residenzstadt des bis 1918 regierenden lippischen Fürstenhauses, wurde erst relativ spät an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Zur Eröffnung der Bahnlinie von Herford nach Detmold 1880 war auch das Bahnhofsgebäude aus roten Ziegelsteinen mit Zierelementen aus Naturstein im neugotischen Baustil fertiggestellt. Das Fürstenzimmer befindet sich in dem einstöckigen Anbau mit Satteldach am Westende des langgestreckten Baukörpers. Der Anbau ist mit seinen Giebelfassaden zur Stadt und zu den Gleisen hin ausgerichtet. Er wird durch zwei in der Längsachse angeordnete Portale, über denen jeweils das Wappen des Fürstentums Lippe angebracht ist, von beiden Seiten erschlossen. Von der Stadtseite aus gelangt man zunächst in einen Vorraum und von dort in das eigentliche Fürstenzimmer.

Den hohen, auf der Westseite durch drei Fenster belichteten Raum überspannt eine plastisch reich gegliederte Kassettendecke, die vorwiegend aus Eichenholz gearbeitet ist. Verschiedene Holzlasuren, farbige Absetzungen und florale Ornamentmalereien verstärken den prächtigen Eindruck. Direkt unterhalb der Decke verläuft auf den Wänden ein in Grautönen illusionistisch gemalter Architekturfries in Gestalt einer neugotischen Maßwerkbalustrade vor einem tiefblauen bzw. braunen Hintergrund. Oberhalb der Türen sind darin Stadtansichten Detmolds von 1530 und 1670 eingefügt. Kleinere Maßwerkfelder in den Raumecken nehmen die Wappen der Städte des Fürstentums Lippe auf. Die breiten Felder im Fries der Längswände sind heute ebenfalls blau, ursprünglich befanden sich hier gemalte Ranken.


Die von der Stadt Detmold als Eigentümerin des Bahnhofs beauftragte Diplomrestauratorin konnte den Architekturfries fast vollständig erhalten unter Tapetenschichten freilegen. Nach Festigung der Malschicht reichten Retuschen der Fehlstellen aus, um das Original wieder ablesbar zu machen. Die mit malerischen Mitteln imitierten textilen Wandbehänge unterhalb des Frieses wurden dagegen nur in ihrem Hintergrundsfarbton und mit ihrer gemalten Aufhängung rekonstruiert. Zwar waren die Befunde für die Rekonstruktion der zugehörigen schablonierten Teppichmalerei mit dem Motiv der Lippischen Rose ausreichend, wegen der kräftigen, eher dunklen Farben hat man jedoch darauf verzichtet, da der Raum hell und freundlich werden sollte. Lediglich ein kleines Musterfeld gibt einen Eindruck von der einstigen Wirkung der Wandteppiche. Ein Freilegungsfenster ermöglicht außerdem den Blick auf zwei ältere Wanddekorationssysteme, die vermutlich Anfang des vorigen Jahrhunderts von der jetzt wiederhergestellten dritten Raumgestaltung überdeckt wurden. An die Stelle des nicht erhaltenen hölzernen Sockelpaneels ist ein gemalter Sockel in einem braunen Holzton getreten.

Was uns heute exotisch anmutet und nur in anderem Zusammenhang als „V.I.P-Lounge“ überlebt hat, war im Deutschen Kaiserreich gang und gäbe. Neben den Wartesälen I. und II. sowie III. und IV. Klasse gab es in zahlreichen Bahnhöfen Fürstenzimmer, vorzugsweise in den Residenzorten der Fürstengeschlechter, Könige und Kaiser, aber auch in Großstädten, Kurorten und Umsteigebahnhöfen. Kaiser Wilhelm II. leistete sich gar im Park von Schloss Sanssouci bei Potsdam einen eigenen Bahnhof. Im Jahr seines Regierungsantritts 1888 besuchte er übrigens Detmold und wurde natürlich im Fürstenzimmer empfangen. Mit dem Untergang des Kaiserreichs 1918 lief auch die Zeit der hochherrschaftlichen Wartesäle ab. Die Räume wurden anderen, viel profaneren Zwecken zugeführt, ihre Ausstattung entfernt, überdeckt oder zerstört. So legen heute nur noch ganz wenige Fürstenzimmer in Deutschland, so z.B. im Schweriner Bahnhof und nun auch in Detmold, mit ihrer authentischen Ausstattung Zeugnis ab von der privilegierten Reisekultur der „Allerhöchsten Herrschaften“, und darüber hinaus von den Standesgrenzen innerhalb der fest gefügten Sozialstruktur in Deutschland vor 1918. Zukünftig steht dieses besondere Baudenkmal im Detmolder Bahnhof durch die Nutzung als Café allen Bevölkerungsschichten offen. Um so schöner, dass im gemeinnützigen Cafébetrieb auch Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung entstehen solle

Dirk Strohmann


Denkmal des Monats Januar 2008

Ein An-Baudenkmal: Am Baukey 1 in Hagen

Die Stadt Hagen, eigentlich eher bekannt für ihren Bestand an (groß-) städtischen Baudenkmalen, bewahrt in den Randbezirken eine überraschend hohe Zahl an Relikten auch der vorindustriellen ländlichen Baukultur. Die meisten von ihnen – Bauernhäuser, Kotten, Reidemeistersitze – sind Baudenkmale als Dokumente jeweils einer bestimmten Epoche vorindustrieller Zeit. Ganz anders das kleinbäuerliche Fachwerkgebäude, Am Baukey 1, nahe der Ruhr und dem Schloss Werdringen: Das ständige Bestreben nach einer Verbesserung der Wirtschafts- und Lebensverhältnisse lässt sich hier durch eine besonders klar erhaltene Um- und vor allem Anbaugeschichte ablesen.

Der kleine Kernbau von knapp 100qm Grundfläche entstand im Jahr 1705 als dreischiffiges Wohn-Wirtschaftsgebäude mit kleiner Wirtschaftsdiele, einem Stall im rechten und einer Stube im linken Seitenschiff, dahinter Kammer und Küche. Hier blieb über alle Zeiten hinweg die Herdwand des offenen Küchenfeuers erhalten. Bereits 1720-22 erfolgte nicht nur der Bau eines kleinen Getreidespeichers, sondern auch die Verlängerung des Ursprungsbaus mit der Vergrößerung von Wirtschaftsdiele und Stall auf fast das Doppelte der Grundfläche. Ebenso führte eine Verbreiterung in der Zeit um 1800 vor allem zu einer Vergrößerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche; in diesem Zusammenhang entstand auch der bauliche Vorsprung am Wirtschaftsgiebel, der bis heute das malerische Erscheinungsbild prägt.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts rückte mit der nächsten Erweiterung die Verbesserung der Wohnverhältnisse in den Vordergrund. Bauspuren an dem neuen Wohnteil mit seinem zeittypisch recht flach geneigten Dach belegen, dass zu dieser Zeit sogar ein kompletter Neubau des gesamten Hauses beabsichtigt war. Dazu kam es dann doch nicht – aus uns derzeit unbekannten Gründen.


Das vielphasige Gebäude blieb auch erhalten als 1924 die nahe Ruhr zum Harkortsee aufgestaut wurde. Diese attraktive Lage direkt am Seeufer und beim Areal des „Yachtclubs Harkortsee“ bestimmt die jüngste Geschichte und die Zukunft des Anwesens. Die gesamte Ruhrschleife wurde im Rahmen des EU-Projektes „Artery – Flusslandschaften der Zukunft“ zu einem Sport- und Freizeitbereich mit regionaler Bedeutung ausgebaut. Das Baudenkmal im Besitz des Yachtclubs wird - ergänzt um einen bereits fertig gestellten Neubautrakt - eine Fahrradverleihstation, ein Tourismusbüro und einen Gastronomiebetrieb aufnehmen. Dazu wurde von der „Wittener Gesellschaft für Arbeit und Beschäftigungsförderung mbH“ eine grundlegende Instandsetzung in Angriff genommen. Begleitet vom LWL-Amt für Denkmalpflege und wesentlich gefördert aus Denkmalmitteln der Stadt Hagen und des Landes sind die Zimmereiarbeiten abgeschlossen, die Fachwerkgefache mit Lehm geschlossen und die Dachflächen gedeckt. Wenn der Innenausbau voraussichtlich im Frühjahr 2009 abgeschlossen ist, wird die Ruhrschleife mit dem Wassersportangebot und dem bestehenden Museum Schloss Werdringen um eine weitere touristische Attraktion bereichert sein.

Thomas Spohn



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