Edition der Tagebücher Ludwig Freiherr Vinckes

Der erste Oberpräsident Westfalens, Ludwig Freiherr Vincke, hat eine große Anzahl von Tagebüchern hinterlassen, deren überwiegender Teil im Staatsarchiv Münster aufbewahrt wird. In seinen Tagebüchern gewährt Vincke Einblicke in sein Leben (Studium, Beruf, Privates, Reisen). Die Tagebücher haben jedoch keineswegs nur autobiographischen Wert, sondern sind für die politische und kulturelle Geschichte Westfalens von großer Bedeutung.

Bislang sind nur wenige Tagebücher Vinckes ediert (Die Tagebücher des Oberpräsidenten Ludwig Freiherrn Vincke 1813 – 1818, bearbeitet von Ludger Graf von Westphalen, Münster 1980), weshalb der Verein sich dieser Aufgabe angenommen hat. In Kooperation mit der Historischen Kommission für Westfalen und dem Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen ist die Edition sämtlicher Tagebücher geplant.


Band 1: 1789-1792

Der erste Band der Editionsreihe ist erschienen. Der von Prof. Dr. Wilfried Reininghaus und Dr. Hertha Sagebiel bearbeitete Band umfasst die Tagebücher von 1789 bis 1792 und wird durch ältere Reiseberichte und Vinckes Abituraufsatz ergänzt. Vincke war zu der Zeit Schüler des Pädagogiums in Halle, wo er 1792 das Abitur absolvierte. Die Tagebücher dokumentieren u. a. Vinckes Reisen nach Göttingen und Kassel, seinen Aufenthalt in den Franke'schen Anstalten in Halle sowie Besuche in Potsdam und Berlin. Die Tagebucheinträge vermitteln ein lebendiges Bild des jugendlichen Vincke, den sie als politisch, wirtschaftlich und kulturell höchst interessierten jungen Menschen zeigen. Der Band ist über den Buchhandel zu beziehen.

Die Tagebücher des Ludwig Freiherrn Vincke 1789-1844, hg. v. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, Historische Kommission für Westfalen und Landesarchiv NRW, Bd. 1: 1789-1792, bearb. v. Wilfried Reininghaus und Hertha Sagebiel, Münster 2009,

ISBN 978-3-402-15740-4, 29,80 €.


Band 2: 1792-1793

Freiherr Ludwig Vincke (1774–1844) war ein fleißiger Mann, nicht nur beruflich, sondern auch beim Schreiben seiner Tagebücher. In seiner Jugend begann er mit den täglichen Aufzeichnungen, die er bis zu seinem Tod fortführte. Überliefert sind 24 Tagebücher, die in einem gemeinschaftlichen Projekt vom Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, der Historischen Kommission für Westfalen und dem Landesarchiv NRW ediert werden. Soeben ist Band 2 erschienen, der die Studienzeit Vinckes in Marburg (1792–1793) beinhaltet. Der Student Vincke nahm am Marburger Universitäts- und Gesellschaftsleben teil. Eng waren seine Beziehungen zu seinem akademischen Lehrer Jung-Stilling und zu den vielen Kommilitonen. Seinem Tagebuch vertraute er seine – letztlich unglückliche – Liebe zu Marianne an, einem Mädchen aus einem Marburger Hause, in dem er verkehrte. Vinckes Aufzeichnungen spiegeln zudem aktuelles Zeitgeschehen wider, etwa die Feldzüge der französischen Revolutionstruppen im mittleren Deutschland und die Belagerung der von Franzosen besetzten Stadt Mainz. Er modifizierte in dieser Zeit seine Haltung zur Französischen Revolution. Vinckes zahlreiche Reisen machen das Tagebuch auch zu einer kulturgeschichtlichen Quelle von einigem Rang. Durch die vorliegende Edition, die hauptverantwortlich von Wilfried Reininghaus bearbeitet wurde, sind die Tagebücher erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. In der Reihe sind bereits Band 1 (1789–1792) und Band 5 (1804–1810) erschienen.

Die Tagebücher des Ludwig Freiherrn Vincke 1789–1844, Band 2: 1792–1793, bearbeitet von Wilfried Reininghaus unter Mitarbeit von Herta Sagebiel, Tobias Meyer-Zurwelle und Tobias Schenk, Aschendorff Verlag Münster 2011, 471 Seiten, 44,00 Euro.
 


Band 5: 1804-1810

Die Jahre zwischen 1804 und 1810 zählen wohl zu den unruhigsten und unsichersten im Leben des Freiherrn Ludwig Vincke. Im November 1804 als Nachfolger des Freiherrn vom Stein mit der Leitung der Kammerdepartements Hamm und Münster betraut, war er ehrlich und aufrichtig bemüht, die Bevölkerung des ehemaligen Fürstbistums mit den neuen Verhältnissen auszusöhnen. Nach der Entlassung durch die französische Besatzungsmacht im März 1807 reiste er eigenmächtig nach England und warb dort vergeblich um militärische Hilfe für Preußen. Im Auftrage Steins arbeitete er dann an mehreren Denkschriften für das Reformwerk. Zögernd nur übernahm Vincke im Februar 1809 das Präsidium der kurmärkischen Kammer. Immer noch hoffte er, auf seinen Posten in Westfalen zurückzukehren, bis der Friede von Schönbrunn die letzte Aussicht darauf vernichtete. Dieses und der Wunsch nach einem Familienleben mit Eleonore v. Syberg, veranlaßten ihn, im April 1810 aus dem preußischen Staatsdienst auszuscheiden.
In den Tagebüchern schlagen sich Stimmungen und Enttäuschungen nieder. Es wird deutlich, nach welch strengen Maßstäben Vincke das eigene Wirken beurteilte. Die Aufzeichnungen zeigen aber auch, wie sehr ihn neben den eigentlichen Verwaltungsaufgaben soziale Einrichtungen, die allgemeine Ökonomie und Technik und vor allem Fragen der modernen Landwirtschaft beschäftigten.

Die Tagebücher des Ludwig Freiherrn Vincke 1789-1844, hg. v. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster, Historische Kommission für Westfalen und Landesarchiv NRW, Bd. 5: 1804-1810, bearb. v. Hans-Joachim Behr, Münster 2009.

ISBN 978-3-402-15744-2, 39,80 EUR