Geschichte und Entwicklung der Volkskundlichen Kommission

Gegründet wurde die Volkskundliche Kommission 1928 unter dem Dach der westfälischen Provinzialverwaltung. Einer der wesentlichsten Gründungsgedanken war damals, eine behauptete kulturelle Sonderstellung Westfalens durch wissenschaftliche Untersuchungen zu untermauern. Dementsprechend war in der Anfangszeit – besonders ab 1933 unter dem Vorsitzenden Jost Trier – die Erforschung von raumgeographischen Fragen und „Kulturströmungen“ eines der Hauptanliegen der Kommission. Teil dieses Forschungszweiges war auch die Mitarbeit am Atlas der deutschen Volkskunde. Methodisch waren die Anfangsjahre der Kommission aber auch durch die seinerzeit innovative funktionalistische Methode und soziologische Betrachtungsweise des ersten Kommissionsvorsitzenden Julius Schwietering geprägt. Daneben gab es Forschungsschwerpunkte sprachgeschichtlicher Natur: Man arbeitete an einem Westfälischen Wörterbuch und baute ein Volksliedarchiv auf.

In den 1930er Jahren entstand der sogenannte Münsteraner Arbeitskreis für Hausforschung, deren Mitglieder die regionalen Hausformen vor allem im Sinne der Kulturraumforschung deuteten. Außerdem gab es Projekte zur Trachtenforschung, zur religiösen Volkskunde, zur Volkserzählforschung und zur Flurnamenforschung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden seitens der Volkskundlichen Kommission erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Sachkultur Westfalens zu dokumentieren. Wichtigstes Ergebnis dieser Bemühungen war 1960 die Gründung des Westfälischen Freilichtmuseums in Detmold. Daneben entstanden in den 1950er und 1960er Jahren umfangreiche Fotodokumentationen zur Sachkultur. Niedergelegt wurde das Material im seit den 1950er Jahren aufgebauten Bildarchiv der Kommission.

Seit 1950 erfolgte unter Federführung von Martha Bringemeier der Aufbau eines Archivs für westfälische Volkskunde. Dazu wurden bis 1984 Berichte von Gewährspersonen zu 46 verschiedenen Themen der Alltagskultur aus der Zeit um 1900 archiviert. In Kooperation mit dem Volkskundlichen Seminar der Universität Bonn wurde ab 1954 die Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde herausgegeben.

Eine wichtige Zäsur erfolgte 1970/71. Kurz nach der Übernahme der Geschäftsführung durch Dietmar Sauermann wurde die sprachgeschichtliche Abteilung mit der Arbeitsstelle des Westfälischen Wörterbuchs ausgegliedert und einer neu geschaffenen Kommission für Mundart- und Namenforschung übertragen. Die Dokumentation, Sammlung und wissenschaftliche Aufbereitung der historischen Sachgüter konnte nun den inzwischen sehr leistungsfähigen Museen überlassen werden. Es war daher nur konsequent, dass sich die Kommission auf die Auswertung und Präsentation vor allem der nicht-materiellen Volkskultur konzentrierte. 1970 wurde die Buchreihe „Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland“ ins Leben gerufen, deren 107. Band 2004 erschienen ist.

1994 trat eine neue Satzung in Kraft, die als Aufgabe der Volkskundlichen Kommission die Förderung der volkskundlichen Erforschung Westfalens festhält. Das Instrument der jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen, das bereits 1970 eingeführt worden war, wurde beibehalten.

Als eine von sechs wissenschaftlichen Kommissionen für Landeskunde des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe hat sich die Volkskundliche Kommission mit ihrer Geschäftsstelle heute als Anlaufstelle für alle etabliert, die sich mit volkskundlichen Fragen beschäftigen.

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