St. Michael, Gelsenkirchen St. Michael, Gelsenkirchen

Gelsenkirchen-Hassel: St. Michael

Die St. Michael-Kirche ist eng mit der Entwicklung des Stadtteils Hassel verbunden. Gelsenkirchen war bis ins 19. Jahrhundert hinein stark agrarisch geprägt. 1903 wurde im Zuge der Industrialisierung die Doppelschachtanlage Bergmannsglück der Zeche Westerholt im Norden Gelsenkirchens abgeteuft.
Zuziehende Bergleute ließen den im Norden Gelsenkirchens gelegenen Stadtteil Hassel stark anwachsen - zwischen 1903 und 1913 wuchs die Bevölkerung von 237 auf knapp 10.000 Einwohner. Mit der Zahl der Bewohner stieg auch die Anzahl der Gemeindemitglieder - viele der Zugezogenen waren, auch bedingt durch ihre polnische Herkunft, katholisch.


Nachdem die Gottesdienste zunächst provisorisch in einer Schulbaracke stattfanden, errichtete man 1911 auf einem zentral gelegenen Grundstück eine Notkirche unmittelbar neben dem heutigen Gotteshaus. --- War die Gemeinde zunächst eine Tochtergemeinde von St. Urbanus, wurde sie 1913 zur eigenständigen Pfarrei. Die Grundsteinlegung für den heutigen Bau mit neoklassizistischen und neobarocken Formen erfolgte 1915. Johannes Poggenburg, Bischof von Münster weihte St. Michael am 25.09.1917.


St. Pius, Gelsenkirchen St. Pius, Gelsenkirchen

Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl Hassels durch den Neubau von neuen Siedlungsgebieten im Norden und Süden der Stadt weiter an. In den 1950er Jahren entstand so im Süden eine neue Pfarrei mit der St. Theresia Kirche sowie 1962 im Norden die Kirche "St. Pius" mit Gemeindezentrum in der neu gebauten Eppmanssiedlung. Mit der Gründung des Bistums Essen 1958 gehörte Gelsenkirchen-Hassel zum neuen Ruhrbistum.


St. Michael, Gelsenkirchen St. Michael, Gelsenkirchen

Der industrielle Strukturwandel traf Gelsenkirchen spätestens in den 1990er Jahren als 1998 das Bergwerk Westerholt geschlossen wurde. Folge war ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, der Wegzug viele jüngerer Arbeitnehmer und eine Überalterung der Gemeinden - eine wesentliche Ursache für die Rückläufigkeit der Kirchensteuereinnahmen. Aufgrund gesunkener Gemeindemitgliedszahlen wurde in St. Michael zwischen 1990 und 1992 der Kirchenraum im Inneren durch eine Glasabtrennung und die Verlängerung der Orgelempore bereits stark verkleinert. Im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen im Bistum Essen wurde die Gemeinde St. Michael an die neu entstandene Groß-Pfarrei St. Urbanus angegliedert und zählt damit zu den Kirchen, für die keine Kirchensteuermittel mehr zur Verfügung gestellt und die profaniert werden. Am 10. September 2007 fand der letzte Gottesdienst in St. Michael statt - allerdings ist die Kirche bis heute noch nicht entweiht. Seit diesem Zeitpunkt versucht ein Förderverein die zukünftige Umnutzung zu gestalten und neue Nutzungsmöglichkeiten zu finden. Seit März 2009 ist die "Gelsenkirchener Tafel" Mitnutzer der Kirche und gibt hier jeden Mittwoch Essensspenden an Bedürftige aus. Außerdem finden temporäre Ausstellungen und Kulturveranstaltungen statt. Die weitere, längerfristige Nutzung von St. Michael ist bis heute offen.