Das Projekt

Die beide großen christlichen Kirchen in Deutschland befinden sich in einem Schrumpfungsprozess, die Zahl ihrer Mitglieder ist stark rückläufig. Die finanziellen Auswirkungen für die Institution Kirche sind dramatisch: Weniger Mitglieder bedeuten gleichzeitig weniger Kirchensteuer. Folge ist, dass die Amtskirchen einerseits immer weniger Geld zur Erhaltung und Sanierung von Kirchengebäuden haben und andererseits auch der Bedarf an Kirchenräumen zurückgeht. Die Institution Kirche ist deshalb gezwungen sich von zahlreichen Gebäuden zu trennen: Die erweiterte Nutzung, die Umnutzung durch Verkauf, Verpachtung oder auch ein Abriss sind praktizierte Lösungsansätze.


Theke statt Taufbecken Theke statt Taufbecken in der ehemaligen Martinikirche, Bielefeld

Kirchen sind aber mehr als architektonische Denkmäler und christliche Versammlungsstätten. Kirchen prägen mit ihren Kirchtürmen die Silhouette von Städten. Sie sind die weit hin sichtbaren Mittelpunkte von Städten und Dörfern und haben als historisches und künstlerisches Zeugnis vergangener Epochen gesellschaftliche Relevanz, die weit über den kirchlichen Raum hinaus weist.

Neben diesen profanen Funktionen erfüllen Kirchen ihre christlichen und sakralen Aufgaben: In ihnen werden Gottesdienste gefeiert, die heilige Kommunion oder das Abendmahl begangen, hier wird getauft, geheiratet, konfirmiert oder kommuniert und beerdigt. Auch Menschen, die in ihrem Alltag kaum Berührungspunkte mit der Kirche haben, besuchen an Weihnachten den Gottesdienst, lassen sich kirchlich trauen oder bestehen auf einer christlichen Bestattung. Mit all ihren Funktionen sind Kirchen somit nicht ausschließlich für aktive Gemeindemitglieder von zentraler Bedeutung für ihr Alltagsleben. Vielmehr sind sie gesamtgesellschaftlich wahrgenommene Gebäude, die das Alltagsleben der Menschen tangieren.


Restaurant "GlückundSeligkeit" in einer ehemaligen Kirche, Bielefeld Restaurant - Bar - Lounge: "GlückundSeligkeit", Bielefeld

 

 

Auch die Profanierung eines Kirchengebäudes berührt somit nicht nur die betroffenen Menschen in den Gemeinden. Vielmehr sind zahlreiche gesellschaftliche Gruppen und Akteure in den Prozess der Umnutzung involviert bzw. werden von diesem in unterschiedlicher Art und Weise tangiert.

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