zur Aufbewahrung für die Zukunft zu übergeben. Die Aktion stieß auf große Resonanz; es gingen etwa 5.100 Beiträge ein.
Das Projekt schließt sich an frühere schriftliche oder mündliche Befragungen der Volkskundlichen Kommission an, insbesondere die umfangreichen Zeitzeugenbefragungen über das Leben der Zeit um 1900, die im Manuskriptarchiv aufbewahrt werden. Die Methodik unterscheidet sich allerdings deutlich: Damals hat die Volkskundliche Kommission die Themen durch so genannte Fragelisten vorgegeben, während jetzt ganz bewusst mit weniger engen inhaltlichen Vorgaben gearbeitet wurde. Die Idee, sich auf die Geschehnisse eines einzelnen Tages zu konzentrieren, rührt von vergleichbaren Projekten her, die in den 1990er Jahren in Schweden, Dänemark und den Niederlanden durchgeführt worden sind. Die dichte Dokumentation eines ganz normalen Alltags war ein geeignetes Thema, um alle 8,5 Millionen Westfalen und Lipper gleichermaßen anzusprechen und keine Sozialgruppe und keinen Aspekt alltäglichen Handelns von vornherein auszuschließen.
Das erhobene Material kann in einer Momentaufnahme Einblick in das Leben ganz unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen am 18. November 2005 geben und eine Grundlage für vielerlei Forschungsfragen bilden. Die besondere Aussagekraft der Quellen liegt im qualitativen Bereich und der persönlichen Sichtweise auf den Tag und seine Geschehnisse. Deutlich ablesbar sind Konventionen des alltäglichen Erzählens. In hohem Maß wird der Tag so geschildert, wie in alltäglichen Gesprächen über ihn gesprochen würde. Tabubereiche und sehr private Dinge werden nur in Ausnahmefällen berührt. Zeitmarken, die den Alltag strukturieren (etwa Aufstehen, Mahlzeiten und das Zu-Bett-gehen) fehlen nur selten.
Forschungsansätze, die verfolgt werden sollen, finden sich im Bereich von Bewusstseinsforschung und Bewusstseinsanalyse. Möglich sind Untersuchungen zur Wahrnehmung der politischen, sozialen und ökonomischen Umbauprozesse am Beginn des 21. Jahrhunderts, d.h. zur Frage, wie die „großen“ sozialen, ökonomischen und politischen Gegebenheiten von Einzelpersonen wahrgenommen werden. Weiterhin sind Forschungen zum aktuellen Stellenwert von Arbeits- und Freizeitwelt oder zur individuellen Wahrnehmung und Darstellung von Zeitstrukturen vorstellbar. Das Vergleichsmaterial aus den Niederlanden bietet die Möglichkeit für vergleichende Studien zwischen beiden Volksgruppen.
Das Projektteam unter Leitung von Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann hat ein Jahr nach dem Stichtag im November 2006 eine
Edition von ausgewählten Beiträgen veröffentlicht. Erste Ergebnisse des Projektes wurden auf der Jahrestagung der Volkskundlichen Kommission 2006 vorgestellt.
Weitere Informationen gibt es auf der
Webseite des Projekts.
Zehn
zufällig ausgewählte Berichte sind im Internet veröffentlicht.