der am häufigsten vertretenen Fotografen in unserem Archiv. Neben der Quantität seiner Aufnahmen, die überwiegend aus den 1950er bis 1970er Jahren stammen, ist die Spannbreite der Themen bemerkenswert: Von der die Milchkannen herausstellenden Bäuerin über die neue Kirchturmglocke bis hin zu Bestattungen, Porträtaufnahmen oder einzelnen Gebäuden und Gebäudeteilen hat Adolf Risse alles, was ihm in seiner näheren Umgebung – er lebte in Münster-Nienberge - bemerkenswert erschien, auf Zelluloid gebannt. Neben seinen Fotos hat Risse auch lokalhistorische Beiträge für die beiden Tageszeitungen und das Institut für religiöse Volkskunde geschrieben. Dabei ist es interessant, dass Adolf Risse weder Volkskundler noch Fotograf war. Beide Metiers hat sich der studierte Mediziner weitestgehend autodidaktisch erarbeitet, ohne sich allzu sehr mit Theorien aufzuhalten.
Wenn wir mit Bernd Stiegler davon ausgehen, dass „Fotografien nicht Geschichte (zeigen), sondern verschiedene Formen Geschichte zu visualisieren“ und dass diese „Visualisierung (...) nicht notwendig an bestimmte piktorale Formen gebunden“ ist, so ist in bezug auf den „Fotobestand Adolf Risse“ zu fragen, ob sich eine spezifische Form, Geschichte zu visualisieren, ausmachen lässt. Hier setze ich mit meiner Analyse des Bestandes an.
Nach einer ersten Sichtung von Risses Fotografien und Bildbeschreibungen bieten sich folgende Fragen an: Was und wie fotografierte Risse seine ländlich geprägte Umgebung? Welches Bild dieser Umgebung versuchte er dem Betrachter zu vermitteln? Was hielt er für abbildungswürdig? Welche Sujets hat er ausgespart? Worin sah er seine Aufgabe als Fotograf? Welche Bedeutung kommt den Fotografien im Rahmen seiner lokalhistorischen Forschungen zu? Sah Risse seine Umwelt (auch) mit volkskundlichem Blick? Welche Unterschiede lassen sich zu anderen Fotografen der „ländlichen Welt“ ausmachen? Kann man etwas zur Frage der Rezeption seiner Fotografien sagen?
Da ich erst am Anfang meiner Forschungen zum „Fotobestand Adolf Risse“ stehe, ist noch nicht abzusehen, ob ich alle oben aufgelisteten Fragen zufriedenstellend beantwortet kann oder ob im Laufe des Forschungsprozesses aufgeworfene neue Fragen sich nicht als dringlicher erweisen werden.
Bereits die Zusammenstellung eines Lebenslaufes von Adolf Risse stellt mich vor ungeahnte Fragen und Probleme. So konnte ich zwar herausfinden, dass Risse 1940 sein Studium der Medizin an der Universität München begonnen und im Wintersemester 1940/41 an der Uni Straßburg fortgesetzt hatte. Ob er jedoch vom Militärdienst befreit war (und wenn ja, aus welchen Gründen) oder ob er in den 1940er Jahren noch seinen Militärdienst abgeleistet hat, entzieht sich derzeit noch meiner Kenntnis. Auch bin ich mir nicht darüber im klaren, ob Risse sein Studium der Medizin, das er ab 1945 in Münster fortsetzte, abgeschlossen hat. Eine Famulatur konnte er jedenfalls nachweisen. Warum Risse sich letztlich von der Medizin abgewandt und gänzlich der Heimatforschung verschrieben hat, bleibt derzeit ebenso im Dunkeln wie die Quelle seiner fotografischen Kenntnisse.
Erste Erkenntnisse über Adolf Risse und sein fotografisches Schaffen möchte ich im Rahmen einer Arbeitstagung der Kommission Fotografieforschung im Oktober 2006 in Berlin veröffentlichen. Darüber hinaus intendiere ich, meine Forschungsergebnisse in geeigneter Form zu publizieren.
Für Informationen, die mir bei meinen Forschungen weiterhelfen können, bin ich dankbar.