Metamorphosen der Dinge. Sammeln-Zeigen-Forschen.

Eine Tagung der Volkskundlichen Kommission für Westfalen in Zusammenarbeit mit dem LWL-Textilmuseum Bocholt, 24. und 25. Oktober 2014

Das Museum gilt gemeinhin als Ort des Bewahrens einer materiellen Hinterlassenschaft. Objekte, die der Institution einmal übergeben worden sind, bewahrt diese für lange Zeit, scheinbar geschützt vor Veränderung. Mag dies auch aus konservatorischer Sicht zutreffen, sind es doch gerade Museen, die den Dingen auf unterschiedliche Weise Metamorphosen abverlangen, ganz gleich, ob es sich dabei um repräsentative oder patrimoniale Objekt handelt. In der Diskussion ist daher nicht mehr nur der "Schatten der Dinge", sondern die besondere Verantwortung der Institution und der ihr zugeordneten Wissenschaft vor der schon von Goethe zum theoretischen Prinzip erhobenen ewigen Umwandlung. Die Transformation der alltäglichen Dinge in Museumsobjekte und der sich daraus ableitende Umgang mit ihnen erhält im Fokus einer Gesellschaft, die zunehmend von der „Herrschaft des Virtuellen“ (Martin Scharfe) geprägt ist, eine besondere Virulenz. Denn das Museum wird im Zusammenklang mit anderen Vermarktern der Ware 'Geschichte' zum 'Gedächtnismacher', zum Anteilsgeber von Erinnerung. Es muss sich daher fragen lassen, inwieweit es im Sinne von Reinhart Koselleck durch Homogenisierung, Vereinfachung, Verschlichtung, Mediatisierung und schließlich durch den ihm eigenen Zwang zur Kollektivierung an Ideologie oder Mythos arbeitet, oder ob es die Dinge immer wieder neu "durch die Düse der historischen Kritik" befragt und einer differenzierten Erinnerungskultur zur Verfügung stellt. In jedem Fall spielt hier nicht nur das einzelne Objekt, sondern seine Existenz in einer Konstellation und im Raum mit anderen eine zentrale Rolle. Das Museum war jedoch nie allein der Hort der Schätze und der Dinge. Sammlungen, seien sie nun privat oder institutionell, gewinnen in einer Gesellschaft an Bedeutung, deren Tendenz zur Immaterialisierung nicht mehr zu leugnen ist. Sei es, dass sie ihre Relikte für Neues zur Verfügung stellen oder nur als Grabkammer (Friedhof der Dinge) funktionieren. In diesem Spannungsfeld von Erinnerungskulturen muss über die Dinge und die ihnen innewohnende Fähigkeit zur Veränderung ebenso nachgedacht werden wie über den Anspruch von 'Museum' als Institution zur Schaffung von Bedeutung, Perspektive und Relevanz.
 

Programm


Freitag, 24. Oktober 2014

14.00 Uhr: Eröffnung 

Grußwort: Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann (Münster)

14.15 Uhr: Zwei Führungen durch das Textilmuseum 

15.45–16.00 Uhr: Kaffeepause

16.00–16.45 Uhr: Claudia Gottfried M.A. (Ratingen): Vieldimensionale Bezüge. Neue Zugänge zur textilen Sammlung des LVR-Industriemuseums 

16.45–17.30 Uhr: Prof. Dr. Dorothee Haffner (Berlin) und Katharina Hornscheidt M.A. (Berlin): Stoffmuster im Fokus – Renaissance und Rezeption

Moderation: Prof. Dr. Elisabeth Timm (Münster)

18:00 Uhr: Abendessen in der Sky Lounge des Textilmuseums

20.00–21.30 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag

Begrüßung: Dr. Hermann-Josef Stenkamp (Bocholt)

Prof. Dr. Gudrun M. König (Dortmund): Metamorphosen der Dinge. Anmerkungen zu Begriff und Sache 

Moderation: Prof. Dr. Ruth-E. Mohrmann
 

Samstag, 25. Oktober 2014

10.00–10.45 Uhr: Prof. Dr. Dr. Markus Walz (Leipzig): Metamorphopsie von Dingen. Fragmentierte Theorien des Sammelns und Dokumentierens als Unprobleme der Museumspraxis

10.45–11.30 Uhr: Dr. Silvia Glaser (Nürnberg): Das Bayerische Gewerbemuseum in Nürnberg. Funktionswandel einer Lehr- und Weiterbildungsanstalt des 19. Jahrhunderts

11.30–12.00 Uhr: Kaffeepause

12.00–12.45 Uhr: Dr. Lioba Keller-Drescher (Tübingen): Sammlung als Verlaufsform

12.45–13.30 Uhr: Silke Wawro Dipl. Des. a. M. A. (Dortmund): Volksware, 1–7. Künstlerische Interventionen in Produktstrategien

Moderation: Dr. Wolfgang Rumpf (Bremen)

14.00 Uhr: Ende der Tagung

Veranstaltungsort: LWL-Textilmuseum Bocholt, Uhlandstraße 60, 46397 Bocholt.

Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. Bei Rückfragen oder zur Anmeldung wenden Sie sich an: katharina.klapdor@lwl.org oder Tel. (0251) 8324406.
Anmeldeschluss: 14. Oktober 2014.

Forschungsprojekte

An dieser Stelle möchten wir Sie über unsere laufenden und abgeschlossenen Dokumentationen und Forschungsprojekte informieren.

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