Ein Löffel Honig und du bleibst gesund! Honig galt als besonders bedeutungsvoll für die Blutbildung und wurde daher gerne Kindern verabreicht. Foto: Oskar Pos
Bild des Monats: Oktober 2004
Ein Löffel Natur
„Um Michaeli (29. September) verschmiert man die Fluglöcher der auszubeutenden Bienen, macht dann eine Grube in der Erde, stellt den (Bienen-)Korb darüber und steckt sodann eine Schwefellunte unter den Korb, worauf in kurzer Zeit alle Bienen ersticken und in die Grube fallen. Der Wachs- und Honigvorrat wird nun aus den Körben genommen und zu 2 ½ Silbergroschen pro Pfund verkauft.“ Als Amtmann Bünting 1844 die Honigernte der Korbbienenhalter im Raum Heiden/Renken im Kreis Borken beschrieb, war es das übliche Verfahren, die Bienen abzutöten, um an den Honig zu gelangen. Erst nach der Entwicklung von Bienenkästen mit herausnehmbaren Wabenrahmen Mitte des 19. Jahrhunderts mussten Bienen in der Honigproduktion nicht mehr ihr Leben lassen.
Honig ist eines der ältesten Nahrungs- und Heilmittel der Menschheit. Weil er schwer zu gewinnen war, galt er immer als kostbar. Bis zur Entdeckung des Rohr- und später des Rübenzuckers war er einziger erreichbarer Süßstoff. Es gab ihn bei festlichen Gelegenheiten oder man reservierte ihn für Kranke und Kinder.
Honig ist ein naturbelassenes Produkt, das nach der Ernte keiner weiteren Be- oder Verarbeitung bedarf. So, wie die Bienen ihn erzeugen, wird er vom Imker geerntet, wobei die Verfahren unterschiedlich sein können. So wird aus brutfreien Waben Presshonig durch Auspressen gewonnen; beim Seimhonig werden die Waben vorsichtig erwärmt und nachfolgend gepresst; Schleuderhonig, der heute die wichtigste Rolle spielt, wird mit der Honigschleuder aus den brutfreien Waben ausgeschleudert; Scheibenhonig befindet sich in frisch gebauten, unbebrüteten Waben, die mitgegessen werden können.
Nach der Honigverordnung ist Honig ein „flüssiges, dickflüssiges oder kristallines Lebensmittel, das von Bienen erzeugt wird, indem sie Blütennektar, andere Sekrete von lebenden Pflanzenteilen oder auf lebenden Pflanzen befindliche Sekrete von Insekten (Honigtau) aufnehmen, durch körpereigene Sekrete bereichern und verändern, in Waben speichern und dort reifen lassen.“ In der Vorstellung der Verbraucher ist Honig eine Allzweckwaffe im Kampf gegen Krankheiten – ein Löffel Honig am Tag und man bleibt gesund!
Honig ist ein schneller Energielieferant, der die Herztätigkeit anregen und die Durchblutung und Versorgung aller Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen fördern kann; bis zu einen gewissen Teil hat er auch bakterienhemmende oder -tötende Wirkung. Honig ist jedoch kein Allheilmittel, da die Inhaltsstoffe, die gesundheitsfördernd sind, in günstigen Kombinationen im Honig enthalten sein müssen. Aufgrund der Verschiedenheit der Honige ist eine exakte Einschätzung des jeweiligen Gesundheitswertes jedoch kaum möglich.
Gitta Böth