Imbissstand auf dem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum in Münster, Sommer 2002. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: März 2004
Fast Food
„Gehse inne Stadt
wat macht dich da satt
'ne Currywurst
Kommse vonne Schicht
wat schönret gibt et nich
als wie Currywurst"
So besingt Herbert Grönemeyer den Inbegriff des deutschen Fast Foods, die Currywurst. Zugleich spricht er damit zwei Entwicklungslinien des Schnellimbisses an: das schnelle Essen in der Mittagspause oder nach Schichtende und der Imbiss in der Freizeit, vor allem auf Jahrmärkten und anderen Großveranstaltungen bei dem alle Bevölkerungsgruppen gerne zugreifen. Charakteristisch ist die schnelle Zubereitung der Gerichte, das unkomplizierte, zügige Essen und der vergleichsweise günstige Preis.
Der Durchbruch des Fast Food begann mit der industriellen Revolution. Schichtarbeit ließ keine Zeit für eine umfangreiche Mittagspause. Frauen, die früher ihren männlichen Angehörigen das Essen zur Arbeit brachten, stiegen selbst verstärkt in das Berufsleben ein. Die schnelle Mahlzeit wurde zunehmend auf der Straße eingenommen. Geschäftleute erkannten die Marktlücke und boten Wurst, Bratkartoffeln, Fisch oder Eintopfgerichte aus mobilen Küchen an: Die Imbissbude war geboren.
Ihren Höhepunkt erlebte sie seit den 1950er Jahren. Die durchschnittliche Mittagspause verkürzte sich weiter. Zugleich gewann die Freizeit an Bedeutung, die man nicht durch aufwendiges Kochen verkürzen wollte. Die Einführung der Friteuse und das Angebot von Halbfertigprodukten verbesserte die Möglichkeiten der Fast Food-Anbieter. Zudem boten die durch Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg entstandenen Häuserlücken Platz für schnell errichtete Imbissbuden.
Seit den 1970er Jahren siedeln sich in den deutschen Innenstädten und an Autobahnen internationale Fast-Food- Ketten an. Sie bieten eine Mischung aus bürgerlichem Restaurant und Imbissbude. Der Kunde kann sich das schnelle Essen zum Mitnehmen einpacken lassen oder es vor Ort im Schnellrestaurant einnehmen.
Eine weitere Entwicklung ist das Loslösen von regionalen Speisen. Die Currywurst konkurriert mit Pizza, Crêpes, Gyros, Döner und Asia-Snacks, wobei viele Gerichte mit denen des vorgeblichen Herkunftslandes nur noch wenig gemeinsam haben und zwischen den Nationalitäten bunt gemischt werden. So ist der Döner kein Gericht aus der Türkei, sondern eine Erfindung von in Berlin lebenden Türken, der auch gerne mit „belgischen" Pommes Frites kombiniert wird.
Doch Fast Food braucht nicht außer Haus konsumiert zu werden. Inzwischen haben sich in den Supermarktregalen zahlreiche Schnellgerichte etabliert, so dass man dank des Mikrowellenherdes die Currywurst auch zu Hause in zwei Minuten zubereiten und genießen kann.
Stephanie Fredeweß-Wenstrup
Literatur:
Birgit Knop, Martin Schmitz, Martin: Currywurst mit Fritten. Von der Kultur der Imbissbude. Zürich 1983.
Jon von Wetzlar, Christoph Buckstegen: Urbane Anarchisten. Die Kultur der Imbissbude. Marburg 2003.