Das in der Haushaltungs- und Landwirtschaftsschule erworbene Wissen über die Technik des Einkochens konnte zu Hause an Verwandte und Freundinnen weitergegeben werden. Telgte, um 1920. Bildarchiv Volkskundliche Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: August 2004
Vorratswirtschaft
Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war die Vorratshaltung eine wichtige Säule der Existenzsicherung. Wie viele Redensarten belegen, zeichneten sich ein guter Bauer und eine gute Bäuerin nicht zuletzt durch eine wohl durchdachte Vorratshaltung aus. Das Wissen über Vorratstechniken wurde in der Regel vom Vater an den Sohn und von der Mutter an die Tochter weitergegeben.
Zu den traditionellen Vorratstechniken Räuchern, Pökeln, Trocknen oder Lagern (in Speichern, Kellern oder Mieten) kamen zu Beginn des 20.Jahrhunderts das Einwecken/Einmachen und das Einfrieren (ab Ende der 1950er Jahre) hinzu. Die neuen Verfahren der Haltbarmachung von Lebensmitteln erforderten neue Wege der Wissensvermittlung. In diesem Zusammenhang spielten die Haushaltungs- und Landwirtschaftsschulen eine herausragende Rolle.
Das „Wecksche Verfahren“, auf das die weit verbreitete Bezeichnung „Einwecken“ für das Einkochen von Lebensmitteln in Gläsern zurückgeht, verdankt sich einer Patentierung des Einkochverfahrens von 1892. Dieses sogenannte „Rempelsche Patent“ wurde von der Firma Weck aufgekauft und seit der Wende zum 20. Jahrhundert mit großem Erfolg vermarktet. Aufgrund der jahrelangen Monopolstellung der Firma Weck hat sich die Bezeichnung „Weck-Gläser“ für die zum Einkochen benötigten Gläser mit dem Gummiring bis in die heutige Zeit erhalten, obwohl sich nach dem 1. Weltkrieg auch Konkurrenzfirmen Marktanteile erobern konnten. Obwohl die Handhabung der handelsüblichen Einkochtöpfe und -gläser, Gummiringe und Verschlüsse nicht sonderlich kompliziert war, mussten zahlreiche Grundregeln beachtet werden, um zu gewährleisten, dass keines der Gläser aufging. Dennoch konnte sich eine fleißige Hausfrau mit Hilfe des neuen Verfahrens einen großen Vorrat an Obst, Gemüse und sogar Fleisch anlegen, der den Speisezettel der Familie im Winter und Frühjahr bereicherte.
Beim Dörren, Einsalzen, Einsäuern, Einmachen und auch bei den vorbereitenden Arbeiten wurde jede Hand benötigt, zumal diese Tätigkeiten zeitgleich mit der Ernte (also ab Juli) stattfanden und deshalb nicht so viele Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Für die weniger kräfteraubenden Arbeiten im Rahmen der Vorratswirtschaft wurde deshalb auch gern auf die Arbeitskraft der Kinder und der alten Leute zurückgegriffen.
Christiane Cantauw
Literatur:
Thurnwald, Andrea K.: Krautfass & Schmalzhafen. Konservieren und Aufbewahren von Nahrungsmitteln im Spiegel lebensgeschichtlicher Erzählungen von Bäuerinnen, Bad Windsheim 1991