Nachbarinnen in Raesfeld überbringen einen Kramstuten. Raesfeld 1978 (Foto: I. Böckenhoff)
Bild des Monats: Oktober 2003
Ein freudiges Ereignis – Glückwünsche zu Geburt und Taufe
„Verehrte Frau M., lieber Herr M.! Daß nun zu ihren beiden netten Mädchen auch der Stammhalter eingetroffen ist, hat uns herzlich gefreut!“ So oder ähnlich konnte ein Glückwunschschreiben zur Geburt eines Kindes in den 1950er Jahren aussehen. In einschlägigen Ratgebern wurde empfohlen, darauf zu achten, dass das, was man „den glücklichen Eltern zu Geburt und Taufe“ schreibt, „für das winzige Geschöpfchen ein gutes Omen“ bedeute. So wurde neuen Erdenbürgern dann auch „alles nur denkbar Schöne“, Glück, Gesundheit und gutes Gedeihen gewünscht.
Vorläufer der schriftlichen Glückwünsche zu Geburt oder Taufe sind Patenbriefe, die sich in begüterten Kreisen bereits für das 17. Jahrhundert nachweisen lassen. Sie wurden dem kleinen Täufling von seinem Paten überreicht und enthielten Glück- und Segenswünsche für den neuen Erdenbürger. Der Brauch einen Patenbrief zu überreichen, hielt sich übrigens bis ins 20. Jahrhundert hinein.
Vorgedruckte Glückwunschpostkarten zur Geburt wurden eher selten versandt. „Diese persönlichen, im Leben einmaligen Feste empfand man als zu herausragend, als dass man eine für diese Zwecke als zu billig, zu wenig individuell und unpersönlich angesehene Postkarte verwenden mochte“ (Kaufmann 1978, S.22)
Nachbarn und Freunde der Familie überbrachten ihre Glückwünsche meist persönlich. Bis in die 1960er Jahre war es – vor allem auf dem Land – üblich, dass die Nachbarinnen einer Wöchnerin wenige Tage nach der Geburt mit dem so genannten Kroamstuten, einem großen Korinthenbrot, einen Besuch abstatteten. Dieser Brauch wird in manchen funktionierenden Nachbarschaften auch heute noch gepflegt.
Christiane Cantauw