Muttertagspräsent in Form eines selbst gemalten Bildes. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: Mai 2003
Muttertag
Was haben Coca Cola und Muttertag gemeinsam? Beides sind amerikanische „Errungenschaften“, die ihren Weg nach Europa fanden.
In Amerika wurde der „mother’s day“ durch Anna Jarvis (1864-1948) bekannt. Zum Andenken an ihre 1905 verstorbene Mutter, die sich für bessere Lebensverhältnisse der Landbevölkerung engagiert hatte, wollte Anna Jarvis durch den „mother’s day“ an die schlechte humanitäre Situation vieler Mütter erinnern. Diese Idee hatten Methodistengemeinden seit 1906 aufgenommen und nur drei Jahre später wurde der amerikanische Muttertag bereits in 45 Unionsstaaten begangen. Heute stellt er in den USA einen der populärsten Feiertage dar, bei dem auch der kommerzielle Aspekt von großer Bedeutung ist.
Über England, Norwegen und Schweden kam der „mother’s day“ in den 1920er Jahren nach Deutschland, wo sich verschiedene Organisationen aus Wirtschaft, Kirche und Politik mit Erfolg bemühten, den Muttertag auch in Deutschland zu etablieren. Aus finanzieller Sicht hatte vor allem der VDB (Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber) Interesse am Muttertag. Aber nicht nur wirtschaftliche Gründe sprachen für die Einführung dieses Tages. Die Integrierung des Muttertages in den jährlichen Festkalender entsprach auch den Vorstellungen der damaligen Bevölkerungspolitik, die durch die „Eugenik“ (Erbgesundheitslehre) beeinflusst war und dessen Frauenbild durch den Muttertag propagiert wurde.
Der Nationalsozialismus instrumentalisierte den Muttertag für seine Ziele und feierte diesen Tag mit großen propagandistischen Aufwand. Deshalb wird heute nicht selten die Auffassung vertreten, der Muttertag sei eine Schöpfung des Dritten Reiches.
Dass dieses Fest auch in Deutschland schon früher gefeiert wurde, belegt u.a. die Abbildung oben.
Jutta Nunes Matias
Literatur:
Produkt Muttertag. Zur rituellen Inszenierung eines Festtages. Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde. Wien 2001 (Kataloge des Österreichischen Museums für Volkskunde 78)