Plakat des Frauenbüros der Stadt Unna zum Internationalen Frauentag 1986. Abgebildet ist Clara Zetkin, die den ersten Internationalen Frauentag (1911) als Kampftag für die politischen Rechte der Frauen initiierte; 75 Jahre später wird hauptsächlich das Kulturprogramm beworben.
Bild des Monats: März 2003
Glückwunsch zum Internationalen Frauentag?
Selbst gebastelte Geschenke und Glückwünsche von den Kindern, einen Nelkenstrauß und die Einladung zum Ausgehen vom Mann – das klingt ganz nach Muttertag! Umschrieben ist hier jedoch der 6. März, der „Internationale Frauentag“, und seine festliche Ausgestaltung in den letzten Jahrzehnten der DDR. Der Tag wurde dort in der Familie mit den „klassischen“ Brauchelementen des Muttertags begangen. Wichtiger war in der DDR allerdings die außerhäusige Feier: Gefördert und organisiert vom FDGB oder von der Nationalen Front wurden in den Betrieben verdiente Aktivistinnen und Frauenkollektive ausgezeichnet, von Kollegen für Kolleginnen Kaffeetrinken ausgerichtet und umfangreiche Kulturprogramme, zum Beispiel Konzerte, Theater usw., abgespult. Der Kampf um die Gleichberechtigung der Frau – ursprünglich zentraler Inhalt des Internationalen Frauentages – hatte keine große Bedeutung, da nach der offiziellen Lesart des Staates seine Bürgerinnen gleichberechtigt waren.
In der Bundesrepublik Deutschland galt der „Kampf- und Gedenktag“ mit sozialistischen Wurzeln vielen als „links“ und daher nicht unbedingt als feierwürdig. Tatsächlich wurde auf wesentliche Initiative der Sozialdemokratin und späteren Kommunistin Clara Zetkin (1857-1933) auf der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen die Einführung des Internationalen Frauentages, an dem die politischen Rechte der Frau eingefordert werden sollten, beschlossen. Anlässlich des ersten Internationalen Frauentags demonstrierten Frauen am 19. März 1911 in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz für ihr Recht auf volle politische Mündigkeit, für das Frauenwahlrecht sowie für soziale Gleichberechtigung, allein in Deutschland mehr als eine Million Frauen. Stets spiegelten die Internationalen Frauentagen die reale politische Lage wider: So protestierten in Deutschland am 18. März 1915 erstmals Frauen gegen den Krieg und Anfang der 1930er Jahre bis zum Verbot des Frauentages durch die Nationalsozialisten 1933 wendeten sie sich gegen Faschismus und Kriegsgefahr.
Gitta Böth
Literatur:
Der Internationale Frauentag. Hg. von der Parlamentarischen Staatssekretärin für die Gleichstellung von Frau und Mann beim Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf o. J. (1988) (Dokumente und Berichte 8)