Weihnachtskarte, verschickt 1917. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: Dezember 2003
Weihnachtsgrüße
Weihnachtswünsche wurden seit Mitte des 18. Jahrhundert gemeinsam mit sogenannten Neujahrsglückwünschen von Angehörigen der wohlhabenden Bevölkerungsteile als Briefe verschickt. Erst mit Einführung der Postkarte im Jahre 1870 durch die deutsche Postverwaltung erlebten die Weihnachtskarten einen rasanten Aufschwung. Die Postkarte befreite von festgelegten Regeln, die beim Briefe schreiben zu beachten waren und schuf für eine breite Masse die Möglichkeit, eine kurze Nachricht mit Hilfe einer Karte zu versenden. Aber nicht nur das machte die Postkarten so populär, sondern auch die Innovationen der Druckindustrie, die eine billige Massenproduktion von bebilderten Postkarten, zu denen auch die Weihnachtskarten gehörten, ermöglichte.
Die Palette der gewählten Weihnachtsdarstellungen um die Jahrhundertwende zeigt, dass sich zu dieser Zeit eine bürgerliche Festkultur durchgesetzt hat und somit als Familien und Konsumfest begangen wurde. Bei der Motivwahl wurden häufig Abbildungen von Engeln, romantische Winterlandschaften, bürgerliche Weihnachtsattribute wie Weihnachtsbaum und Geschenke, bis hin zu nationalen Darstellungen einer gerade in Kriegszeiten kaisertreuen Familie verwendet. Der christliche Charakter des Festes war um die Jahrhundertwende bei vielen Weihnachtskarten nur indirekt angedeutet; Krippendarstellungen wurden selten als Motiv gewählt. Die Weihnachtskarten sollten ein breites Publikum bedienen und zeigten eine populäre Bilderwelt, die in ihrer Thematik seit dem Beginn der Bildkartendrucke eine große Kontinuität bewiesen hat. Das heutige Angebot ist noch breiter und wird durch Cartoons und lustige Darstellungen ergänzt. Andererseits existieren noch viele alte Motive, die als Reprints wieder aufgelegt wurden und als „Nostalgie-Karten“ bezeichnet werden. Die zwei Raffael-Engelchen, die die sixtinische Madonna begleiten, sind nur eines von vielen Beispielen. Daran wird deutlich, dass die Bildsprache der Weihnachtskarten vom Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts immer noch aktuell ist und von jedem verstanden wird.
Obwohl man sich bewusst ist, dass Weihnachtskarten ein verklärtes Bild einer heilen Welt darstellen, scheint zu diesem Fest ein bisschen mehr Sentimentalität zugelassen zu sein, die man an den sehnsüchtigen Blicken in die Vergangenheit aufspüren kann. Kleine verschneite Dörfer wecken auch heute den Wunsch nach einem weißen, glitzernden Weihnachtsfest, welches leider in Westfalen häufig „ins Wasser fällt“.
Jutta Nunes Matias
Literatur:
Gerhard Kaufmann: Glückwünsche auf Postkarten. Ausstellungskatalog des Altonaer Museums in Hamburg. Hamburg 1977.
Christa Pieske (Hg.): Das ABC des Luxuspapiers. Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 bis 1930. (Schriften des Museums für Deutsche Volkskunde Berlin, 9) Berlin 1983.