Glückwunschkarte zur Silbernen Hochzeit (um 1900). Archiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: August 2003
„Was lange währt“ - Glückwünsche zum Hochzeitstag
Neben der Silber- und der Goldhochzeit haben sich in den letzten Jahrzehnten weitere Ehejubiläen etabliert. Zu finden sind die Namen dieser Jahrestage – es werden bis zu 23 Jubiläen unterschieden - in christlichen Familienratgebern, in „Benimm-Büchern“ und auf der Homepage von Blumenversanddiensten. Es existiert zwar keine einheitliche Festlegung hinsichtlich der Bezeichnungen und der zeitlichen Abfolge der neuen Ehejubiläen, doch haben viele Namensinnovationen eins gemeinsam: je länger die Dauer der Ehe, umso mehr verweisen die Bezeichnungen der Ehejubiläen auf Haltbarkeit und Kostbarkeit.
Angefangen bei der Papierenen Hochzeit nach einem Ehejahr folgt schon nach fünf oder zehn Jahren die Hölzerne, daran reihen sich die Zinnerne, die Kupferne, die Silberne, die Perlen- die Rubinhochzeit usw. Den wahrlich „krönenden“ Abschluss einer lebenslangen Gemeinschaft bildet die Kronjuwelenhochzeit nach 75 Jahren. Die Zeit der gemeinsamen Ehe erscheint somit als eine segmentierte Strecke; gleich einem Hürdenlauf arbeitet sich das Paar von einem Jubiläum zum nächsten.
Und dennoch, eine lebenslange Ehe ist die Ausnahme geworden. Deshalb werden Hochzeitsjubiläen bedeutungsvoller, was sich dementsprechend bei der Berücksichtigung der unterschiedlichen Termine der Hochzeitstage und dem großen Aufwand bei den Jubelfeiern zeigt. Es ist nicht nur der gesteigerte Wohlstand, der allgemein zur Häufung von Festaktivitäten beiträgt, sondern es offenbart sich eine gewandelte Einstellung gegenüber der Ehe.
Hochzeitstagen wird auch im kirchlichen Rahmen eine große Bedeutung beigemessen. Dieses zeigte sich beispielsweise kürzlich in Münster, wo am 10. Mai 2003 zum ersten Mal vom Bistum Münster ein Ehejubiläumstag ausgerichtet wurde. Neben dem Gottesdienst, der die Hochzeitstage als Symbole der ehelichen Treue thematisierte, wurde auch ein Kultur- und Unterhaltungsprogramm angeboten.
Hohe Trennungsraten in Partnerschaften lassen eine lang andauernde Beziehung als ein nicht selbstverständliches Glück oder gar als eine persönliche Leistung erscheinen, die durch Gratulationen anerkannt und durch eine Feier belohnt wird.
Jutta Nunes Matias
Literatur:
Annette Remberg: Wandel des Hochzeitsbrauchtums im 20. Jahrhundert. Dargestellt am Beispiel einer Mittelstadt. Münster 1995. (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Band 90)