Kaffeewirtschaft: Gasthaus "Nobiskrug", Münster (1997). Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL). Foto: Dietmar Sauermann
Bild des Monats: Mai 2002
Kaffeewirtschaften
Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert begaben sich viele münsteraner Familien an den Sonntagen zu Fuß oder sogar auf dem Fahrrad in eine der in einem Umkreis von etwa 5 km um Münster herum liegenden Kaffeewirtschaften. Hier konnte man die wenigen freien Stunden genießen, die sonntags zur Verfügung standen. Beamtenfamilien, von denen es in der Provinzialhauptstadt Münster nicht eben wenige gab, nutzten auch gern die Mittwochnachmittage für derartige Ausflüge, weil sie mittwochs bereits in den Mittagsstunden Dienstschluss hatten.
Ein Ausflug zu einer Kaffeewirtschaft zählte nicht unbedingt zu den Freizeitvergnügungen, die sich nur wohlhabende Familien leisten konnten, da man hier auch Mitgebrachtes verzehren durfte und sich lediglich die Getränke dazubestellte. Abseits gelegene Wirtschaften (sogenannte Krüge), aber auch Bauernhöfe, die sich durch eine idyllische Lage auszeichneten, nutzen diese neue Einnahmequelle. Das nahe Münster gelegene Dorf Handorf war für seine Kaffeewirtschaften sogar derart berühmt, dass es den Beinamen „Dorf der Kaffeekannen“ erhielt.
Christiane Cantauw