Eine Frau holt Wasser von der Pumpe am Kirchplatz in Albachten bei Münster, 1961. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL). Foto: Risse, Nienberge
Bild des Monats: April 2002
Wasserversorgung
Wir brauchen Wasser zum Kaffeekochen, Zähneputzen, Autowaschen, Baden, Spülen, Blumengießen, Putzen. Wasser steht uns heute jederzeit in unbegrenzter Menge zur Verfügung und das Vorhandensein von Wasser stellt für uns die Grundlage einer hygienischen und gesunden Lebensweise dar. Tägliches Duschen oder Baden, jeden Morgen frische Unterwäsche, das Fortspülen von Schmutz und Fäkalien mit Hilfe von fließendem Wasser sind für uns selbstverständliche Bestandteile unseres Lebens geworden, über die wir kaum noch nachdenken. Aber noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser für viele Menschen mit anstrengender Arbeit verbunden. Nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten wurde das Wasser aus Flüssen und Bächen oder aus Brunnen und Pumpen entnommen, die meist außerhalb der Häuser lagen. Das Wasserholen war fester Bestandteil der täglichen Hausarbeit. Vor allem die Frauen mussten das Wasser für die unterschiedlichen Arbeiten Eimer für Eimer heranschleppen. An Schlacht-, Wasch- oder Putztagen konnte sich die Menge des benötigten Wassers leicht auf mehrere hundert Eimer summieren.
Die Qualität des Wasser war dabei oft sehr unzureichend. Häufig roch es moorig und muffig, war braun vom hohen Eisen- und Mangangehalt. Abfallgruben und Misthaufen lagen oft so nahe an den Brunnen, dass es zu Verunreinigungen kommen konnte. Cholera- und Typhus-Epidemien, die vor allem in großen Städten viele Todesopfer forderten, waren die Folge. Ende des 19. Jahrhunderts wurden daher von den städtischen Behörden regelmäßige Kontrollen der Wasserqualität vorgenommen. Immer wieder wurden Brunnen geschlossen, da im Wasser Krankheitserreger oder Schadstoffe nachgewiesen wurden. Für die umliegenden Bewohner bedeutete dies einen noch weiteren Weg zur nächsten Wasserstelle.
Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann man mit dem Bau von Wasserwerken und Kanalisation. Auf dem Land und in vielen Dörfern und Kleinstädten dauerte es jedoch oft noch bis in die 1950/60er Jahre, bis die einzelnen Haushalte an die zentralen Versorgungsnetze angeschlossen wurden. In Albachten war der Anschluss des Ortes an die zentrale Wasserversorgung erst im Mai 1962 abgeschlossen. Aber auch danach dauerte es oft noch mehrere Jahre, bis die einzelnen Haushalte mit fließendem Wasser und separaten Badezimmern ausgestattet wurden. Eine Szene, wie sie sich auf dem 1961 entstandenen Foto darstellt, gehörte somit noch längere Zeit zum alltäglichen Leben der Bewohner von Albachten.
Britta Spies