Hausschlachtung in Schmallenberg-Fredeburg, 1933. Bildrechte: Postkartenverlag Joseph Grobbel, Schmallenberg
Bild des Monats: November 2001
Hausschlachtung
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war es auf westfälischen Bauernhöfen allgemein üblich, im Spätherbst zu schlachten.
Das ausgewählte Schwein wurde früh am Morgen durch einen gezielten Schnitt in die Kehle getötet. Das ausfließende Blut wurde sofort in einem Gefäß aufgefangen und entweder zu Blutsuppe verkocht oder mit Getreide und Gewürzen vermengt und zu Blutwurst, dem sogenannten Möppkenbrot, verarbeitet.
Nachdem die Borsten des Tieres entfernt worden waren, band man es mit dem Kopf nach unten auf eine Leiter und schnitt es auf. Die Innereien wurden sofort entnommen. Aus ihnen wurde überwiegend Leberwurst hergestellt. Im Übrigen ließ man den Körper des Tieres tagsüber auskühlen und zerlegte es erst am Abend.
In der Zwischenzeit wurden die Därme gründlich gereinigt und vorsichtig von ihrer Fettschicht befreit, da sie zur Wurstherstellung Verwendung fanden.
Am Abend wurden die großen Fleisch- und Speckstücke eingesalzen, später geräuchert oder getrocknet und dann eingekocht. Das übrige Fleisch wurde sehr klein geschnitten und zu einer Mettmasse mit Gewürzen vermengt. Diese Masse wurde mit Hilfe einer Wurstmaschine in die gereinigten Därme gefüllt. Die fertigen Mettwürste wie auch die Leber- und Blutwürste wurden zunächst zum Trocknen aufgehängt und später ebenfalls geräuchert.
Das gesamte Schwein wurde verwertet und weitgehend für den Winter haltbar gemacht. Die Knochen und der Kopf wurden zu einer kräftigen Suppe eingekocht. Die verbliebenen Fleischreste wurden mit Grütze und Gewürzen vermengt, ebenfalls eingekocht und nach und nach Portionsweise frisch angebraten zum Frühstück serviert.
Ein kleiner Teil wurde gleich als Frischfleisch in den nächsten Tagen verzehrt. Das war immer ein besonderer Genuss, der in einer Zeit, als es noch keine Tiefkühltruhen gab, nur auf wenige Tage im Jahr beschränkt war.
Stephanie Fredeweß-Wenstrup