Lehrer im Kreise seiner Schüler bei einer Wanderung, Siegen-Wittgenstein, um 1920. Bildrechte: Sauerländischer Gebirgsverein
Bild des Monats: Juni 2001
Schulwandern - Wandertag
Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts läßt sich eine zunehmende Begeisterung des gehobenen Bürgertums für die Idee des Wanderns feststellen. Auch einige Reformpädagogen erkannten die gewinnbringende Wirkung des Wanderns und begannen, zusammen mit ihren Zöglingen kleinere und größere Wanderungen zu unternehmen. In den Philanthropinen in Dessau und Schnepfenthal gehörte das Schulwandern seit den 1780er Jahren ebenso zum Unterrichtsplan wie in den ähnlich ausgerichteten Internaten in Berlin, Hamburg, Gotha, Nürnberg und Lübeck. Lehrer wie Christian Gotthilf Salzmann, Friedrich Meisner oder Ludwig Voigt hatten schnell erkannt, dass sich den Schülern innerhalb der näheren räumlichen Umgebung mannigfache Anregungen zur Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Wissensgebieten boten. Beim Wandern verbanden sich Lernen und Körperertüchtigung auf geradezu ideale Weise.
Zunächst waren es jedoch nur wenige elitäre Erziehungsanstalten, die Spaziergängen oder Wanderungen einen institutionalisierten Platz im Unterrichtsplan einräumten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts machten vermehrt auch Volksschullehrer auf die Vorzüge des Wanderns aufmerksam.
Heute sind Schulwanderungen ein fester "Bestandteil der Bildungs- und Erziehungsarbeit der Schulen" (Wanderrichtlinien des Ministeriums für Schule und Weiterbildung v. 19.3.1997). Ebenso wie vor mehr als 200 Jahren zielen die Wanderfahrten darauf ab, den Schülern "das Erleben, Erfahren und Erwandern der Heimat und benachbarter Landschaften" zu ermöglichen, "um deren Natur, Kulturgeschichte, Wirtschaft, Umwelt und soziale Verhältnisse kennenzulernen". Auch der Aspekt der Körperertüchtigung/Körpererfahrung wird dabei nicht vergessen, denn laut Verwaltungsvorschrift des Kultusministeriums vom 12.12.1990 könne "das Schulwandern durch die körperliche Bewegung in der freien Natur einen Beitrag zu einer gesunden Lebensführung leisten".
Christiane Cantauw