Schornsteinfegermeister Ludger Roling und sein Geselle, Ennigerloh-Westkirchen, um 1935. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: Januar 2001
Glücksbringer Schornsteinfeger
"Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann ?" - "Niemand!" - "Und wenn er kommt?" - "Dann laufen wir." Von Kindern bewundert, teils auch gefürchtet - das ist (war) der Schornsteinfeger, auch Essenkehrer, Schlot- und Winkelfeger, Rauchfang- und Kaminkehrer genannt.
Die Erwachsenen haben ein eindeutigeres Verhältnis zu diesem Handwerk. Ihnen ist der Schornsteinfeger Glücksbringer. Ihm in voller Arbeitsausrüstung - schwarzer Kleidung, Zylinder oder Steigerkappe, Besen und Leiter - zu begegnen, ihn gar anzufassen und sich dabei die Finger mit Ruß zu bestreichen, gilt als glückverheißend. Woher der Ruf des Schornsteinfegers als Glücksbringer kommt, kann nur vermutet werden.
Der Beruf ist vergleichsweise jung. Erst die enge Bebauung in den Städten und die Blüte des Kachelofens im 16. Jahrhundert mit den bis dahin in Deutschland noch unüblichen geschlossenen Kaminen erfordern wirksame Feuerschutzbestimmungen. Die Reglementierungen über das Reinigen von Schornsteinen führten nun zur Herausbildung des Kaminkehrerhandwerks, das im 17./18. Jahrhundert Zünfte beziehungsweise Innungen bildet.
Im 18./19. Jahrhundert beträgt die Lehrzeit meist vier bis sechs Jahre. Das Durchschnittsalter der Lehrjungen liegt bei 13 bis 14 Jahren. Da die Schornsteinfeger überall Zutritt haben, ist ein guter Leumund unabdingbare Voraussetzung für den Beruf. Die Reinigung vom Dach aus ist in dieser Zeit noch die Ausnahme; vielmehr wird der Kamin innen von unten nach oben bestiegen und gereinigt - eine Arbeit, die man gern den Lehrjungen überträgt.
Das Kehrgeld wird - solange noch keine Rechnungen verschickt werden - vom Schornsteinfeger persönlich erhoben. In verschiedenen Regionen tat er dies am Neujahrstag. Von Haus zu Haus gehend wünscht er seinen Kunden ein glückseliges Neujahr. Beginn seiner Karriere als Glücksbringer?
Gitta Böth