Weihnachtsbescherung: Münster, Prinzipalmarkt, 1958. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: Dezember 2001
Weihnachten: Bescherung von Verkehrspolizisten
In den 1950er Jahren war in Münster einige Zeit der Brauch der Bescherung von Verkehrspolizisten anzutreffen. Mit dem zunehmenden Autoverkehr in der Innenstadt kam die Gepflogenheit auf, den Verkehrspolizisten in den Vormittagsstunden des Heiligen Abends kleine Präsente, wie z.B. eine Flasche Wein, einen Kasten Bier, eine Packung Zigaretten oder eine Schachtel Pralinen, zu überreichen. Dies taten allerdings weniger die Passanten, als vielmehr die Insassen bzw. Fahrer der vorbeifahrenden Pkws. Sie verlangsamten das Tempo und reichten die Gaben aus dem Fenster hinaus.
Wie dem auf der Fotografie abgebildeten Verkehrspolizisten auf der Kreuzung von Prinzipalmarkt und Michaelisplatz wurden auch den an der Kreuzung von Hafenstraße und Bahnhofsstraße diensthabenden Beamten Geschenke übereicht. Nicht selten waren diese Gaben für einen bestimmten Verkehrspolizisten gedacht, dem man tagein tagaus auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause begegnete.
Behalten durften die Polizeibeamten diese Präsente jedoch nicht. Vielmehr wurde alles zusammengesammelt und entweder einem Altersheim oder einer sonstigen sozialen Einrichtung übergeben.
Dieser Brauch existierte auch in anderen Teilen Westfalens. So z.B. bis in die Mitte der 1960er Jahre hinein in Hagen.
Christine Gottschalk