Die Cranger Kirmes. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: August 2001
Die Cranger Kirmes
Die Cranger Kirmes ist zweifellos die bekannteste Kirmes in NRW. Jährlich zieht es etwa 4 Mio. Kirmesbesucher auf das inzwischen rund 10 Tage andauernde Volksfest.
Crange, heute ein Stadtteil von Herne, war bis ins 19.Jahrhundert hinein Mittelpunkt der Wildpferdezucht im Emscherbruch. Ein jährlich abgehaltener Pferdemarkt, auf dem die eingefangenen Wildlinge verkauft wurden, erlangte schon früh überregionale Bedeutung. Die Existenz eines Jahrmarktes in Crange lässt sich definitiv für das 18.Jahrhundert belegen. Aus einem Beleg aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lässt sich aber schlussfolgern, dass seine Wurzeln mit Sicherheit bis ins 17.Jahrhundert, vielleicht sogar bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Cranger Jahrmarkt jedoch nicht mehr nur Pferdemarkt sondern auch Viehmarkt. Ein Krammarkt bzw. die Aufstellung von Verkaufsbuden begleiteten den Cranger Viehmarkt vermutlich von Anfang an. Affen- und Hundedressuren der Sinti und Roma sowie Musik und Tanz in den nahegelegenen Gaststätten bildeten lange Zeit das „Beiprogramm" des Vieh- und Krammarktes. Erst seit den 1880er Jahren war auch das Schaustellergewerbe auf der Cranger Kirmes in zunehmendem Maße präsent.
Während des Kaiserreichs, als viele Ruhrgebietskirmessen zeitweise verboten wurden, gab es auch gegen die Cranger Kirmes gerichtete Bemühungen, die Lustbarkeiten zu unterbinden oder zumindest zu verkürzen. Seitens der Provinzialverwaltung, die zweifellos auch die Interessen der großen örtlichen Arbeitgeber vertrat, wandte man sich gegen Unsittlichkeit und Völlerei, den übermäßigen Alkoholgenuss und die unzweckmäßigen Ausgaben, die den Haushalt der Arbeiterfamilien über die Maßen belasteten. In Wahrheit war es wohl in erster Linie die Sitte, für die Dauer der Kirmes (d.h. am Kirmestag und häufig auch am darauf folgenden Tag) nicht zu arbeiten, die die Arbeitgeber gegen diese Art von Lustbarkeiten aufbrachte. Den Behörden war überdies daran gelegen, das Entstehen sozialer Unruhen durch das Zusammenströmen vieler Menschen gleicher Interessenslage zu verhindern. Allerdings wurde der Festbetrieb nur während der beiden Weltkriege eingestellt.
Auf etwa 83.000 qm Fläche werden auch in diesem Jahr ca. 500 Schaustellerbetriebe ihre Fahrgeschäfte und Verkaufsbuden aufstellen. Nach dem Muster des Münchener Oktoberfestes erwartet die Kirmesbesucher am Freitagmorgen, den 03. August, eine offizielle Kirmeseröffnung im „Bavaria"-Zelt, wo es wieder einmal heißt: Piel op no Crange!
Christiane Cantauw