Erntedanktag, Bochum-Stiepel, 1962. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: September/Oktober 2000
Michaelistag (29. September) - Erntedank (1. Oktober)
Das Erntedankfest kennzeichnet den brauchtümlichen Abschluss der Erntearbeit. Ursprünglich wurde dieses Fest am Michaelistag (29. September) gefeiert. Im 18. Jahrhundert wurde es auf den darauffolgenden Sonntag verschoben. Seit dem 28. Januar 1773 war dieser Sonntagstermin in den preußischen Staaten verbindlich.
Der Michaelistag war früher in der Landwirtschaft ein wichtiger Termin im Herbst. Zu diesem Zeitpunkt endete das Wirtschaftsjahr, Zahlungen wurden fällig, Rechtsgeschäfte dringlich, das Gesinde erhielt seinen Lohn und wechselte seinen Dienstherrn.
Im Süden erhielt das traditionelle Erntefest die Bezeichnung "Harkemai", im Münsterland "Stoppelhalm" und im Mindener Raum "Erntebier".
Eine typisch westfälische Eigenart beim Erntebrauchtum war die Feier eines eigenen Festes auf jedem größeren Hof.
Nachdem die letzte Getreidefuder eingeholt war und die Erntearbeiter am Hof angekommen waren, drohten sie, das Gemüse im Garten abzumähen. Um sie zurückzuhalten, musste ihnen von der Bäuerin Schnaps gereicht werden.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzten sich Festumzüge zu Erntedank immer mehr durch. Mit dem aufkommenden Vereinswesen bürgerten sich zudem auch Erntedankbälle ein. Dabei beging man zusehends weniger den eigentlichen Ernteabschluss, sondern nahm ihn lediglich als Anlass zum Feiern.
Christine Gottschalk