St. Martinszug in Bocholt, Kreis Borken, 1966. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: November 2000
St. Martin (11. November) - Martinsgans
St. Martinszug in Bocholt, Kreis Borken, 1966. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen - Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Der Martinstag war früher ein wichtiger Termin im bäuerlichen Jahreslauf. In manchen Gegenden erhielten Knechte und Mägde ihren Lohn und konnten, wie auch an Lichtmess (2. Februar), den Dienstherren wechseln. Der Bauer rechnete zudem mit den Tagelöhnern, Handwerkern und Kaufleuten ab.
Zu Martini wurde ein Teil des Viehs geschlachtet, da man es nicht mehr auf die Weide treiben konnte und das Futter zu teuer war. Dazu gehörten auch die ersten fetten Gänse. So ergab sich der Brauch am Martinstag, vor dem großen Adventsfasten, Gänsebraten zu essen.
In einer aus dem 4. Jahrhundert überlieferten Martinslegende kommt den Gänsen eine besondere Bedeutung zu: Der heilige Martin soll sich, als er im Jahr 371 zum Bischof von Tours gewählt werden sollte, bescheiden in einer Scheune versteckt haben. Aber die Gänse vor dem Scheunentor schnatterten so laut, dass die Boten des Papstes ihn fanden.
Im alpenländischen Raum hat der Heilige seit Ende des 15. Jahrhundert eine Gans als Attribut bei sich.
Christine Gottschalk