Weihnachtsfeier mit Weihnachtsbaum. Marl-Polsum, Kreis Recklinghausen, 1908. Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen (LWL)
Bild des Monats: Dezember 2000
Der Weihnachtsbaum
Den Weihnachtsbaum, das Hauptsymbol des Weihnachtsfestes, in seiner heutigen Gestalt gibt es erst seit rund 100 Jahren in allen Bevölkerungsschichten.
Es gab zwar bereits im 15. und 16. Jahrhundert in einigen Städten Mitteleuropas gabentragende Bäume, diese waren jedoch in das Zunftbrauchtum eingebunden, und waren nicht mit Lichtern geschmückt.
Erst aus dem 18. Jahrhundert finden sich Hinweise, dass vereinzelt beim Adel und beim Bildungsbürgertum ein geschmückter und lichtertragender Baum Teil der weihnachtlichen Feier war. Am Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird der Weihnachtsbaum im zunehmenden Maße allgemein von Bürger- und Handwerkerfamilien aufgegriffen.
Durch den Kontakt zu anderen Soldaten aus den verschiedensten Gebieten Deutschlands trugen sowohl der Krieg von 1870/71 als auch der Erste Weltkrieg zur Verbreitung des Weihnachtsbaumes bei.
In Westfalen war er zunächst nur in evangelischen Familien zu finden. Jedoch blieb die Aufstellung eines Baumes noch bis zum Anfang des 20. Jahrhundert ein Luxus, den sich nur die reicheren Familien leisten konnten. Der früheste Beleg, der im Archiv für Westfälische Volkskunde zu finden ist, berichtet aus dem Jahr 1780 von einem Weihnachtsbaum in einem evangelischem Pfarrhaus in Wengern.
In der katholischen Bevölkerung hielt der Weihnachtsbaum erst in der Zeit um den Ersten Weltkrieg Einzug in die Wohnstuben.
Christine Gottschalk