Plakat zur Ausstellung / Gestaltung: Szeno_Art, München (Ovis Wende und Lukas Kretschmer); Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif, LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster

"200 Jahre Westfalen. Jetzt!"

Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen, des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund und des Westfälischen Heimatbundes

 

Westfalen trinken Korn, essen Pumpernickel und Schinken, sind eher stur, arbeitsam und reden nicht viel? Gibt es etwas, was die Menschen im Sauer- und Siegerland, in Wittgenstein, in Ostwestfalen, in Minden-Ravensberg, im Münsterland und im östlichen Ruhrgebiet miteinander verbindet – ein westfälisches Heimatgefühl?

Das LWL-Museumsamt für Westfalen, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund und der Westfälische Heimatbund gehen dieser Frage nach und gratulieren Westfalen zum runden Geburtstag. 

Westfälisches Bauernmädchen mit Pumpernickelbroten, um 1919 / Foto: Heinrich Genau © LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster

1815, während des Wiener Kongresses, wurden die Voraussetzungen zur Gründung Westfalens in seinen heutigen Grenzen und als preußische Provinz geschaffen. Gefeiert wird das Jubiläum nach Dortmund als erster Station mit einer Wanderausstellung, die Geschichte inszeniert und Geschichten erzählt. Es geht um technische Wunderwerke, Hidden Champions und Global Player, um Visionäre und erfolgreiche Unternehmer, um Fremde und Heimat. „200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ ist Spurensuche und Tiefenbohrung zugleich.

 

Alfred Rethel, Die Harkortsche Fabrik auf Burg Wetter, um 1834, Foto: Madeleine-Annette Albrecht, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund

Und Westfalen hat einiges zu bieten: Es hat Wald- und Ackerlandschaften, Bodenschätze über und unter Tage, Verwaltungsstandorte und Industriemetropolen. Es ist Aus- und Zuwanderungsland, Naherholungsgebiet und Innovationsstandort und das nicht erst seit gestern.

 

Westfalen bauten in Rekordzeit die Köln-Mindener Eisenbahn. Sie schickten per Bahn, Schiff und auf der Straße Erze und Kohle, Salz aus der Hellwegregion, feines Leinen aus dem Münsterland und Wacholderschnaps aus Ostwestfalen, Schrauben, Nägel und Nadeln aus den südlichen Teilen Westfalens in die ganze Welt. Aluminiumknöpfe gingen nach China, Sensen nach Südamerika. Heute ist Westfalen eine Region mit einer ungewöhnlich hohen Dichte an Weltmarktführern.

 

„200 Jahre Westfalen. Jetzt!“ umfasst drei Abteilungen: den Gang durch die Geschichte, die Wirtschaft der Regionen und das Musée sentimental. Ausgangspunkt ist der Wiener Kongress: 1815 wurden Westfalen und die Rheinlande in ihren heutigen Grenzen zu preußischen Provinzen und bildeten später, ergänzt um das Land Lippe, die Landesteile des Landes Nordrhein-Westfalen, das die britische Besatzungsmacht 1946 schuf. Die Chronologie reicht vom Wiener Kongress 1815 über die Revolution 1848/49, das deutsche Kaiserreich, die beiden Weltkriege, die Gründung von NRW über den Strukturwandel im 20. Jahrhundert bis heute.

Köhlerei im Siegerland. In einem Kohlemeiler wird Holzkohle hergestellt. Für 10 kg Holzkohle muss man 50 kg Holz brennen. Das Holz benötigt acht bis zehn Tage bis es verkohlt ist. Während dieser Zeit muss der Köhler vor Ort bleiben, um das Feuer zu bewachen. In Walpersdorf kann man heute auf dem Rundwanderweg „Köhlerpfad“ alles über die Köhlerei und den Hauberg erfahren. Foto: Hans Hild © LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster

In der Abteilung „Wirtschaft der Regionen“ präsentieren das Sauerland, das Siegerland, die Hellwegregion, das Münsterland, Ostwestfalen-Lippe als auch das Ruhrgebiet ihre vielfältige Industrie und stellen sich vor. Dokumentiert werden die Metallverarbeitung und Beleuchtungsindustrie im Sauerland, die Forstwirtschaft und Köhlerei im Siegerland ebenso wie die Zementindustrie der Hellwegregion, der Eisenbahn- und Maschinenbau in Ostwestfalen-Lippe oder die Pferdezucht im Münsterland sowie die Stahlindustrie im Ruhrgebiet.

 

Im Musée sentimental präsentieren sich die Kreise und kreisfreien Städte jeweils mit einem ausgewählten Exponat. Überwiegend Alltagsgegenstände dokumentieren Aspekte der spannenden Geschichte. Das reicht von Orden- und Abzeichen der Bundesrepublik Deutschland bis hin zum Pressluft-Abbauhammer der Glückauf GmbH, von der für Westfalen bekannten Pumpernickelbackform bis hin zu Löwenspuren in Bottrop. Auch ein Bühnenbildmodell von den Ruhrfestspielen in Recklinghausen ist dabei.

 

Viele Exponate aus westfälischen Museen und Heimatvereinen stellen die historischen Ereignisse und prägenden Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, wie den Freiherrn vom Stein, vor; aber auch die Aspekte der Massenkultur des 20. Jahrhunderts in der Region, wie zum Beispiel der westfälische Fußball, dürfen nicht fehlen. Zu den westfälischen Besonderheiten gehören auch die ausgeprägten Gegensätze in der Region: ländliche gegenüber stark industrialisierten Regionen.

Knöpfe mit chinesischen Schriftzeichen, um 1890, Museen der Stadt Lüdenscheid, Foto: Jürgen Spiler

Erstaunliches und Bedeutsames, Kurioses und Lehrreiches haben die Westfälischen Heimatvereine beigesteuert. Sie leihen Exponate, von denen jedes einzelne

eine besondere Geschichte erzählen kann. Der Westfälische Heimatbund ist Partner der Ausstellung und feiert mit ihr sein 100jähriges Bestehen. 1915 schlossen sich die Heimatvereine Westfalens im Westfälischen Heimatbund zusammen. Hier engagieren sich hunderte von Ortsheimatpflegern ehrenamtlich.

 

Zur Ausstellung in Dortmund ist ein umfangreicher Katalog mit wissenschaftlichen Beiträgen und zahlreichen Bildern von 528 Seiten Umfang im Aschendorff Verlag erschienen. Er kostet 19,90 €.

 

Zur Ausstellung sind zwei museumspädagogische Programme erschienen, es gibt ein Begleitprogramm für die Primarstufe („Westfalen. Die Region mit dem weißen Pferd“) und eine für die Sekundarstufe I („200 Jahre Westfalen. Jetzt! – Entdecken“). In beiden Programmen sollen die Schüler und Schülerinnen die Ausstellung mit Hilfe von Suchkarten bzw. Arbeitsblättern möglichst selbstständig erkunden. Außerdem findet in jedem Museum eine Führung für Gehörlose statt.

 

Ersteröffnung der Wanderausstellung:

 

2. Mai 2016, um 18.00 Uhr,

im Museum Abtei Liesborn, Abteiring 8, 59329 Wadersloh

Laufzeit in Wadersloh: 1. Mai bis 26. Juni 2016

Öffnungszeiten: Di-Fr 9.00-12.00 Uhr und 14.00-17.00 Uhr, Sa und So 14.00-17.00 Uhr, feiertags geschlossen

 

Weitere Stationen:

 

Haus Hövener – Stadtmuseum Brilon, Brilon

03.07.2016 - 28.08.2016

 

Museum Schloß Corvey, Höxter

02.09.2016 - 30.10.2016

 

Museen der Stadt Lüdenscheid

06.11.2016 - 08.01.2017

 

Museum Burg Vischering, Lüdinghausen

15.01.2017 - 12.03.2017

 

Museum Bünde

19.03.2017 - 14.05.2017

 

Altes Kutschenmuseum Gescher

21.05.2017 - 16.07.2017

 

Mindener Museum, Minden

22.07.2017 - 17.09.2017

 

Ansprechpartnerinnen: Verena Burhenne, M.A., Tel.: 0251 / 591-4753, verena.burhenne@lwl.org und Dr. Ute Christina Koch, Tel.: 0251 591-4695, ute.koch@lwl.org