Einladungskarte zur Ausstellung / Gestaltung: Gaby Bonn

Anpassung - Überleben - Widerstand

Künstler im Nationalsozialismus

Eine Ausstellung des LWL-Museumsamtes in Kooperation mit verschiedenen Museen Westfalens

Die nationalsozialistischen Machthaber haben nach 1933 fast alle deutschen Künstler von Bedeutung verfolgt, ausgestoßen, ins Exil gejagt oder in den Freitod getrieben. Ihre Werke wurden aus den Museen verbannt, vernichtet oder ins Ausland verschoben.

Karl Schwesig: Und nun wurde mir, da ich nach Meinung der Nazis als Intellektueller ein ‚Kopfarbeiter’ war, der Kopf bearbeitet, mit zwei Peitschen (gespickt mit Messingknöpfen) und einem Ochsenziemer, Blatt 11 der Folge „Schlegelkeller“, 1935/36 (Foto: Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf)

All das, was die moderne Kunst in Deutschland ausmachte und ihr Weltgeltung verschaffte, wurde ausgerottet und durch einen engstirnigen, deutschtümelnden und kleinkarierten Nationalismus ersetzt - ein Nationalismus, der die geringste freiheitliche Regung unterdrückte und alle, die sich nicht beugten, mit Kerkerhaft, Folter oder Mord terrorisierte.

Die übergroße Mehrzahl der um 1890/1905 geborenen Künstler war 1933 zu jung, um einen Namen zu haben. Sofern sie sich nicht den ideologischen Vorstellungen der NS-Funktionäre anpassten, gerieten sie ins Abseits oder gingen ins Exil. Die in Deutschland verbliebenen Künstler wurden von den Strömungen der internationalen Kunst abgeschnitten und ihre eigenen Arbeiten als volksschädliche „Verfallskunst“ gebrandmarkt. Sie wurden mit Mal- oder Ausstellungsverbot bedroht, die ihre gesamte künstlerische und private Existenz gefährdete und vernichtete. Sie gerieten in Vergessenheit.

Reinhard Schmidhagen: Luftmord, aus der Holzschnittfolge „Die andere Front“, Blatt 2, 1937/38, 88,5 x 67 cm (Foto: Stadt Bochum, Presseamt)

Nach dem Ende der Naziherrschaft standen viele erneut vor dem Nichts. Den Bombardierungen der Städte waren auch zahlreiche Ateliers zum Opfer gefallen und unzählige Werke vernichtet. Jetzt nach Kriegsende gewann die abstrakte Kunst in Westdeutschland die Vorherrschaft, während in Ostdeutschland der Sozialistische Realismus als alleiniger Kunststil verordnet wurde. Wer sich nicht anpasste, geriet zum zweiten Mal ins Abseits und wurde erneut vergessen.

Den Künstlern dieser „verschollenen Generation“ gilt die Aufmerksamkeit dieser Ausstellung. Sie geht der Frage nach, wie Künstler während des Nationalsozialismus auf ideologische Beeinflussung, Kunstzensur, Überwachung bis hin zu Arbeits- und Ausstellungsverbot reagierten. Wie versuchten Künstler, ihre künstlerische Identität zu erhalten? Gingen sie in die innere Emigration, passten sie sich an, versuchten sie, so wenig wie möglich aufzufallen? Oder leisteten sie künstlerischen Widerstand durch „verbotene Bilder“, die sie malten? Sahen sie nur noch die Möglichkeit, das Land zu verlassen oder kämpften sie im Untergrund?

Alfons Lütkoff: Bedrohung, 1939, Tempera auf Karton, 65 x 55 cm (Foto: Städtische Galerie Iserlohn)

Die Schicksale der in der Ausstellung versammelten Künstler zeigen die gesamte Bandbreite der damals möglichen Reaktionen – also nicht nur die verfemten und verfolgten Künstler, die in die innere Emigration, ins Exil oder in den aktiven Widerstand gingen, sondern auch die Angepassten und Überzeugten, die sich der nationalsozialistischen Kunstdoktrin unterordneten.

Kurator der Ausstellung Klaus Kösters wählte ausschließlich Künstler aus, die in Westfalen geboren wurden oder längere Zeit ihres Lebens dort gewohnt haben.

Das von Klaus Kösters herausgegebene Begleitbuch zur Ausstellung stellt die verschiedenen Künstler mit ausgewählten Werken vor. Da es bisher eine solche Publikation in Nordrhein-Westfalen noch nicht gibt, ist dieses Begleitbuch nicht als wissenschaftlicher Katalog konzipiert, sondern eher für ein breites Publikum geschrieben, um die heute zumeist vergessenen Künstler wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Das Begleitbuch erscheint im Aschendorff-Verlag in Münster in Kooperation mit dem Lippischen und dem Westfälischen Heimatbund.

Stationen:

Stadtmuseum Münster
18. November 2012 bis 01. April 2013

Lippisches Landesmuseum Detmold
03. Mai bis 28. Juli 2013

Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945, Büren
15. September bis 24. November 2013

Städtische Galerie Iserlohn
29. November bis 02. Februar 2014

Museen der Stadt Lüdenscheid
28. Februar bis 18. Mai 2014

Wilhelm-Morgner-Haus und Stadtarchiv Soest
25. Mai bis 06. Juli 2014

Da die Ausstellung über mehrere Stationen laufen wird, ist es nicht möglich, den gleichen Bestand von Kunstwerken über diesen langen Zeitraum zu zeigen. An jedem Ausstellungsort wird ein repräsentativer Querschnitt von bestimmten Künstlern mit wechselnden Werken gezeigt werden. Ergänzungen durch die beteiligten Museen für ihren eigenen Standort sind eingeplant.

Ansprechpartner:
Klaus Kösters, Kurator der Ausstellung, Tel.: 0173/8117564, info@kkoesters.de

Verena Burhenne, LWL-Museumsamt für Westfalen, Tel.: 0251/591-4753, verena.burhenne@lwl.org
 

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