"Heut' laden wir uns Gäste ein." Kulturgeschichte der privaten Feiern nach 1945

Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen

Ansprechpartnerin: Verena Burhenne, Tel. 0251-5914753

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Wer hat nicht gerne Freunde um sich, verbringt mit ihnen einen schönen Tag oder Abend? Den Gedanken, Gäste zu sich nach Hause einzuladen, verbinden die meisten von uns mit der Vorstellung an das Beisammensein mit Freunden, das gemeinsame Essen und Trinken, die Unterhaltungen, Tanzen oder Musik hören. Für die Vorbereitung der Feier sind aber auch viele Fragen zu klären: wen läd man ein,was gibt es zu essen und zu trinken oder welche Musik kann man spielen? Der Blick auf die letzten sechzig Jahre des privaten Feierns zeigt, dass sich die Fragen zwar nicht geändert haben, die Antworten darauf aber schon. Diese Veränderungen über die Jahrzehnte hinweg veranschaulichen die Ausstellung und die begleitende Publikation.

Im Mittelpunkt stehen die privaten Feste, nicht die immer wiederkehrenden Festereignisse eines Jahres, denn „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“. Geholfen haben uns viele Menschen in Westfalen, die nach einem Aufruf ihre Schränke, Dachböden und Keller durchstöberten und neben vielen Festutensilien auch Fotos und eigene Geschichten öffentlich machten. Ihre privaten Archive gewähren den intimen „Blick durchs Schlüsselloch“ auf ganz individuelle Lebensgeschichten und erhellen schlaglichtartig die Geschichte des privaten Feierns in Westfalen.

Die Ausstellung startet in der zweiten Hälfte der Vierzigerjahre und endet in der heutigen Zeit. Jedem Abschnitt werden dabei zeittypische Phänomene zugewiesen. Nach einem kurzen Einblick in die Lebensumstände der unmittelbaren Nachkriegszeit, der späten Vierzigerjahre, gilt für die frühen Fünfziger: „Man benimmt sich wieder!“ Eine Fülle von Ratgebern zeugt von dieser gesellschaftlich weit verbreiteten Einstellung. Doch auch die wirtschaftlichen Fortschritte im großen wie kleinen Rahmen wirken sich auf die Feierkultur aus. Eine schier unglaubliche Menge von Gebrauchsgegenständen für Partys kommt auf den Markt: Salzstangenhalter, Serviettenhalter, Anbietschalen oder Gläsersets, Cocktailspieße in bunten Farben und Formen.

Das Essen und Trinken rückt für die Sechzigerjahre ins Zentrum der Betrachtung. Das kalte Büffet wird dem Gastgeber in der zeittypischen Kochbuchliteratur besonders empfohlen – und das hat sich bis in die heutige Zeit nicht verändert. Es gilt zu zeigen, was man hat. Neben Hilfsmitteln zum Garnieren und Gestalten der Speisen geht es auch um Sonderformen der Bewirtung, wie dem Fondue oder Raclette und natürlich auch um das richtige Angebot an Getränken.

In den Siebzigerjahren geht es dann zum Feiern in den Keller. Was in den Fünfzigerjahren mit der kleinen Hausbar im Wohnzimmer beginnt, nimmt nun einen eignen Raum in Anspruch. Schon seit den Sechzigerjahren ist bei vielen neugebauten Häusern eine Kellerbar obligatorisch. Die Vorteile liegen auf der Hand: Lärm, Rauch und die „Reste des Feierns“ werden dem alltäglichen Blick entzogen. In diesem Trend liegt auch die Entwicklung einer Fülle von Einrichtungsgegenständen für die Bar, etwa die passende Tapete oder Erdnussspender für den Tresen.

Die Achtzigerjahre stehen dann ganz im Zeichen der Musik. „Ein bisschen Spaß muss sein!“ Ob auf Singles, LP oder später auf CD gepresst, ohne die Musik ist eine richtige Feier nicht denkbar. Stimmungslieder, Party-Sound und Fetenhits sind dabei besonders beliebt und laden zum Mitsingen und -tanzen ein. Eine kleine Auswahl des riesigen Angebots wird in der Ausstellung gezeigt.

Nicht nur in den Neunzigerjahren lässt „Der Morgen danach“ manch einen Gastgeber mit schwerem Kopf aufwachen. Verschiedene Mittelchen sollen helfen, dem Kater im Kopf die Krallen zu ziehen. „Der Tag danach“ kann aber auch weitere unschöne Dinge ans Licht bringen, zum Beispiel wenn einige Tage später Post vom Ordnungsamt eintrifft, die ankündigt, dass die Nachbarn mit der Party nicht ganz einverstanden waren. Einige Anzeigen geben Auskunft über das behördliche Prozedere.

Was wird zu sehen sein? Neben einer Fülle von Gebrauchsgeschirr und Party-Utensilien finden sich in der Ausstellung Tonträger und Abspielgeräte, wie der Kofferplattenspieler von Philips aus den sechziger Jahren, Einrichtungsgegenstände für die Kellerbar sowie Hilfsmittel für die Zubereitung eines kalten Büffets. Kochbücher und eine große Anzahl von Ratgeberliteratur, die Anleitung für die richtige Gestaltung einer Feier geben und Privatfotos von Feiern ergänzen die Sammlung.

Neben der Ausstellung und dem reich bebilderten Katalog wird ein durch das LWL-Museumsamt entwickeltes museumspädagogisches Programm angeboten, und zwar für Kindergeburtstage, wie für Eltern und andere Erwachsene.

Das 144 Seiten starke Begleitbuch zur Ausstellung ist an der Museumskasse oder beim LWL-Museumsamt unter der E-Mail-Adresse: Mail:wma.info@lwl.org erhältlich. Preis 12,00 € + 2,00 € Porto

Ansprechpartnerinnen: Verena Burhenne M. A., LWL-Museumsamt für Westfalen, Münster, Tel: 0251-5914753, Mail:verena.burhenne@lwl.org

Weitere Stationen:

Stadtmuseum Gütersloh vom 17.06.2007 bis 02.09.2007

Museum Rhede vom 09.09.2007 bis 04.11.2007

Schieferbergbaumuseum Schmallenberg-Holthausen vom 11.11.2007 bis 06.01.2008

Mindener Museum vom 12.01.2008 bis 09.03.2008

Bauernhaus Museum Bielefeld vom 16.03.2008 bis 11.05.2008

Hermann-Grochtmann-Museum Datteln vom 18.05.2008 bis 13.07.2008

Stadtmuseum Brakel vom 20.07.2008 bis 14.09.2008

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