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Neues aus der Reihe
Er war einfach und treu wie ein Pferd, treu sich selbst, seinen wenigen Freunden, seinen einmal gefaßten Überzeugungen, die keine braune Tunke vertrugen, und auch den Pinten, die er regelmäßig nach der Schule frequentierte. Ein prächtiger Brauner, schwer in Trab zu bringen, langsam denkend, immerhin denkend. In einer Großstadtschule hätte man ihn vielleicht das Roß genannt oder den Gaul oder Buzephalos. In Warendorf fiel er nicht auf. Da waren manche so.

So schrieb Paul Schallück 1966 in der Satire „Warendorfer Pferde“ über die Bewohner seiner Heimatstadt. Sicher nicht jeder Warendorfer wollte sich damals wiedererkennen und sicher nicht jeder blickte mit Stolz auf den heimischen Autor. Und obwohl Paul Schallück heute bereits weitgehend vergessen ist, zählte er zu den wichtigsten Schriftstellerpersönlichkeiten der 1950er und 1960er Jahre.

Sein Name wurde oft in einem Atemzug mit dem seines Freundes und langjährigen Wegbereiters Heinrich Böll genannt, sein Werk mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (1955) und dem Nelly-Sachs-Preis (1973).

Mit seinen Romanen und Kurzgeschichten traf Schallück den Nerv des Zeitgeschmacks und viele seiner Hörspiele und Fernsehspiel wurden vorwiegend vom WDR realisiert. Er war darüber hinaus ein profilierter Kritiker, dessen gesellschaftskritischen Essays, Leitartikel und Statements im Rundfunk, in Zeitschriften und Zeitungen erschienen. Für viele seiner Leser überraschend, debütierte er in seiner letzten Lebensphase auch als Lyriker.

Im Rahmen seines gesellschaftspolitischen Engagements zeigte sich Schallück als unbe-stechlicher Moralist, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg ging. In der Anti-Atomkraft-Bewegung und bei den Ostermärschen war er an vorderster Stelle dabei und er baute das Kölner Dokumentationszentrum „Germania Judaica“ maßgeblich mit auf. Die 1959 mit privater Initiative gegründete Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums ist heute die größte Sammlung ihrer Art in der Bundesrepublik.

Paul Schallück, 1922-1976, hätte am 17. Juni 2002 seinen 80. Geburtstag gefeiert. Die Literaturkommission für Westfalen nutzte diesen Anlass, um im Juni mit einem Literaturworkshop und einer Ausstellung im Literaturmuseum Haus Nottbeck (Oelde-Stromberg) das Werk Schallücks zu würdigen und auch die Stadt Warendorf erinnert zwischen dem 6. Oktober und dem 11. November in mehreren Veranstaltungen an den Schriftsteller.

Als Koproduktion der Literaturkommission für Westfalen und des Westfälischen Landesmedienzentrums erschien im September 2002 ein Porträt des Autors Paul Schallück mit dem Titel „Daran glaube ich“ in der Reihe „Tonzeugnisse zur Westfälischen Literatur“. Die Doppel-CD beinhaltet einen Dokumentarbeitrag zu den unterschiedlichen Stationen seines Schaffens sowie eine Auswahl seiner wichtigsten Texte.

Die CD ist zu einem Preis von 14,95 Euro zuzüglich 2,60 Euro Versandkosten beim Westfälischen Landesmedienzentrum zu beziehen.