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Verlorene Paradiese.
Der Fotograf Joaeph Schäfer und das Vest Recklinghausen zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Volker Jakob / Matthias Kordes (Hg.): Verlorene Paradiese. Der Fotograf Joaeph Schäfer und das Vest Recklinghausen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Recklinghausen 2007, ISBN: 978-3-9811911-1-0, 13,80 €
Der 1867 im thüringischen Eichsfeld geborene Dr. Joseph Schäfer war ein widersprüchlicher Charakter, wahrhaft ein Mann mit zwei Gesichtern. Da war einerseits der gestrenge preußische Beamte, der kaisertreu und von unbedingter Pflichterfüllung geleitet sein Amt als Direktor der städtischen Oberrealschule in Recklinghausen wahrnahm. Daneben aber gab es den anderen Schäfer, einen leidenschaftlichen Heimatforscher, der in romantisch verklärten Hymnen die landschaftlichen Schönheiten seiner unmittelbaren Heimat, des Vestes Recklinghausen, immer aufs Neue besang. Ein früher und treuer Anhänger der zu Beginn des 20. Jahrhunderts populären Heimatschutzbewegung, durchstreifte Schäfer mit seiner Plattenkamera zwischen 1910 und 1922 immer wieder die Orte und Landschaften zwischen Emscher und Lippe, um die melancholische Schönheit der Burgen und Schlösser, der Kirchen und Kapellen, der Höfe und Dörfer im Bild festzuhalten. Im Gefolge seiner Wanderungen entstand im Laufe der Zeit ein Fotoarchiv von hohem dokumentarischem Wert, das nach dem Tode des alten Schulmannes 1938 viele Jahrzehnte lang vergessen auf dem Dachboden seines Hauses in Münster lag.
Glück und Zufall ermöglichten dem Bild-, Film- und Tonarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen im Jahr 1996 den Ankauf dieser in Vergessenheit geratenen Bildsammlung, die durch Kriegs- und Nachkriegsfolgen bereits einige Verluste aufwies. Eine erste Bestandsaufnahme ergab, dass rund 1.300 der ursprünglich vorhandenen 2.000 Bildmotive auf Negativplatten und Abzügen erhalten geblieben waren. Daraus wurden in Kooperation mit dem Vestischen Museum in Recklinghausen 75 Aufnahmen ausgewählt, die wenig bekannte bzw. heute nicht mehr vorhandene architektonische und landschaftliche Schönheiten quer durch das Vest zeigen – stille Landstriche und verträumte Ortschaften unmittelbar vor ihrer Verwandlung in eine von Kohle und Stahl geprägte Industrielandschaft. Schäfers fotografisches Werk, das jetzt im Buch wiederzuentdecken ist, will im letzten Moment diesen vergänglichen historischen Moment festhalten und zeigen „wie es jetzt noch ist und wie es bald nicht mehr sein wird.“
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