Die "FilmGalerie" gründete sich 2005 mit dem Ziel, im LWL-Landesmuseum einen verlässlichen Ort für den Film als eigenständige Kunstgattung zu schaffen und die filmische Bildsprache in ihrer Vielfältigkeit und Qualität einem breiten Publikum näherzubringen.
In enger Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Katholischen Filmkommission sowie dem LWL-Medienzentrum für Westfalen präsentiert das Landesmuseum zweimal jährlich Filmreihen, die thematisch die Sammlungs- und Ausstellungspolitik des Museums aufnehmen oder eigenständige thematische Schwerpunkte setzen.
12. Oktober - 9. November 2010
Die FilmGalerie widmet ihre Herbststaffel dem Œuvre des im Januar dieses Jahres verstorbenen französischen Filmregisseurs Éric Rohmer. Zusammen mit Truffaut, Godard und Chabrol gehörte er zu den Gründungsvätern der Nouvelle Vague, die sich in den sechziger Jahren gegen die Konventionen des erstarrten französischen Films auflehnte.
Rohmers knapp 30, zumeist in verschiedenen Zyklen angelegten Spielfilme kreisen stets um die Bedingungen und Umstände, unter denen Glück möglich ist. Als Verehrer des klassischen Theaters hielt er gleichwohl dem filmischen Neorealismus die Treue und schickte seine jungen Helden auf die Bühne des modernen Alltags. Hier entrollte Rohmer den Stoff seiner feinsinnigen Dramen: Die Beziehung von Mann und Frau, die erotische Anziehung, Liebe, Eifersucht, Rivalitäten und nicht zuletzt moralische Skrupel. Wie bei keinem anderen Vertreter der Nouvelle Vague liegt bei ihm der Schwerpunkt auf der Sprache, wobei sie ihm aber weniger dazu dient, Informationen zu transportieren, denn als Mittel, um die Gesellschaft und die Charaktere offenzulegen. Immer wieder neu enttarnte er damit die Fragilität und Abgründigkeit der Sprache der Liebe, hinter der eben stets auch das Nichtgesagte, Verschwiegene lauert, und legte die Widersprüche im gesellschaftlichen Umgang mit ihr bloß. So kommen Rohmers Filme nur vermeintlich leicht und verspielt einher: Tatsächlich sind sie Meisterwerke der Doppelbödigkeit und der Unaufrichtigkeit, wobei sie nichts anderes tun, als lauter wahrhaftige Begebenheiten zu schildern, die unsere aus Mut und Schwäche, Gelingen und Scheitern, Lebenslügen und Selbsterkenntnis zusammengesetzte Existenz ausmachen.
In eigener Sache:
Wegen der Umbauarbeiten des Museums zieht die FilmGalerie im Herbst in den Plenarsaal des Landeshauses des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Freiherr-vom-Stein-Platz 1 48147 Münster)
Termine:
Dienstag, 12. Oktober 2010
Im Zeichen des Löwen (Le signe du Lion)
Frankreich, 1959, sw, 98 Min., OT m. dt. UT
Regie: Eric Rohmer
Einführung: Dr. Daniel Müller Hofstede
Dienstag, 19. Oktober 2010
Meine Nacht bei Maud (Ma nuit chez Maud)
Frankreich, 1969, sw, 98 Min., dt.
Regie: Eric Rohmer
Einführung: Prof. Dr. Dr. Klaus Müller (Münster)
Dienstag, 26. Oktober 2010
Die Marquise von O. (La Marquise d’O)
Deutschland/Frankreich, 1976, Farbe, 102 Min., dt.
Regie: Eric Rohmer
Einführung: Thomas Warnecke (Duisburg)
Dienstag, 2. November 2010
Das grüne Leuchten (Le rayon vert)
Frankreich, 1986, farbe, 98 Min., dt.
Regie: Eric Rohmer
Einführung: Dr. Dalia Klippenstein (Münster)
Dienstag, 9. November 2010
Wintermärchen (Conte d’hiver)
Frankreich, 1992, Farbe, 109 Min., dt.
Regie: Eric Rohmer
Einführung: Prof. Dr. Reinhold Zwick (Münster)
Unkostenbeitrag: 5.- Euro pro Film
Karten im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sowie an der Abendkasse
