Die "FilmGalerie" gründete sich 2005 mit dem Ziel, im LWL-Landesmuseum einen verlässlichen Ort für den Film als eigenständige Kunstgattung zu schaffen und die filmische Bildsprache in ihrer Vielfältigkeit und Qualität einem breiten Publikum näherzubringen.In enger Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Katholischen Filmkommission sowie dem LWL-Medienzentrum für Westfalen präsentiert das Landesmuseum zweimal jährlich Filmreihen, die thematisch die Sammlungs- und Ausstellungspolitik des Museums aufnehmen oder eigenständige thematische Schwerpunkte setzen.
Filme rund ums Gold
28. Februar – 27.März 2012, jeweils dienstags, 20 Uhr
Seit Jahrtausenden fasziniert das Gold die Menschen. Seine Aura von Wert, Göttlichkeit, Schönheit und Macht hat zu keiner Zeit gelitten. Dabei war und ist seine Rolle stets ambivalent: Einerseits wurde mittels Gold viel Gutes bewirkt und spornte im Gefolge von Frömmigkeit und Kunstfertigkeit zu großartigen kulturellen Leistungen an, wie die aktuelle Sonderausstellung „Goldene Pracht“ vor Augen führt; andererseits hat die Gier nach Gold oft genug die dunklen Seiten im Menschen aktiviert und Abermillionen Unbeteiligter ins Verderben gerissen.
Die Frühjahrsstaffel der FilmGalerie präsentiert eine kleine Auswahl filmischer Blicke auf das gelbe Metall, die rund um die Motivlagen Habsucht, Kreativität und Religiosität sein Einwirken auf Leben und Psyche der Menschen nachzeichnen.
Während des Museumsumbaus, gastiert die FilmGalerie im Plenarsaal des Landeshauses des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am Freiherr-von-Stein-Platz.
Die „FilmGalerie“ des LWL-Landesmuseums ist eine Kooperation der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Katholischen Filmkommission sowie des LWL–Medienzentrums für Westfalen und des LWL–Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte.
Idee + Konzept:
Prof. Dr. Reinhold Zwick, Otmar Schöffler, Andrea Meschede und Dr. Daniel Müller Hofstede
Dienstag, 28. Februar, 20 Uhr
Einführung: PD Dr. Johannes Schmitt (Erlangen)
Goldrausch ( The Gold Rush)
USA 1925, sw, 72 Min.
Regie: Charles Chaplin
Chaplins weltberühmter Stummfilm schildert das Goldfieber im Alaska der Jahrhundertwende mit all seinen Auswüchsen entlang einer Abenteuer- und Liebesgeschichte. Eine melodramatische Groteske, die zwei der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte versammelt und die Chaplin selbst für seinen besten Film hielt.
Buch: Charles Chaplin, Kamera: Jack Wilson, Roland Totheroh, Musik: Charles Chaplin, Darsteller: Charles Chaplin (Einsamer Goldgräber), Georgia Hale (Georgine), Mack Swain (Big Jim), Tom Murray (Black Larsen), Henry Bergman (Hank Curtis), Malcolm Waite (Jack) u. a.
Dienstag, 6. März, 20 Uhr
Einführung: Otmar Schöffler (Münster)
Die goldene Karosse (Le carrosse d'or)
F / GB 1953, Farbe, 103 Min., dt.
Regie: Jean Renoir
Parallel mit einer italienischen Schauspieltruppe trifft in einem südamerikanischen Vizekönigtum eine pompöse Staatskarosse ein. Als Prunkstück ohne Inhalt, prächtig und billig zugleich, das seine höchste Wirkung dort entfaltet, wo es begehrt, nicht aber gebraucht wird, ist sie die heimliche Hauptdarstellerin und zugleich Sinnbild des Theaters wie des Lebens.
Buch: Jean Renoir u.a., Kamera: Claude Renoir, Musik: Antonio Vivaldi, Darsteller: Anna Magnani (Camilla), Odoardo Spadaro (Don Antonio), Nada Fiorelli (Isabella), Duncan Lamont (Vizekönig) u. a.
Dienstag, 13. März, 20 Uhr
Einführung: Prof. Dr. Reinhold Zwick (Münster)
Herz aus Glas
Deutschland 1976, Farbe, 94 Min., dt.
Regie: Werner Herzog
In einer Glashütte im finsteren Bayern des 19. Jahrhunderts ist das Geheimnis der Rubinglasherstellung abhanden gekommen. Das Dorf, von der Produktion jenes goldhaltigen Glases ökonomisch, aber auch quasireligiös abhängig, verfällt in tiefe Depressionen und sucht Rat beim Hellseher Mühlhias. Ein Film von suggestiver Schönheit mit stimmungsvoller Bildmalerei.
Buch: Herbert Achternbusch, Werner Herzog, Kamera: Jörg Schmidt-Reitwein, Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus, Musik: Popol Vuh, Darsteller: Josef Bierbichler (Hias), Stefan Güttler (Hüttenbesitzer), Clemens Scheitz (Diener Adalbert), Sonja Skiba (Ludmilla) u. a.
Dienstag, 20. März, 20 Uhr
Einführung: Dr. Daniel Müller Hofstede (Münster)
Perceval (Perceval le Gallois)
F / I / D 1978, Farbe, 138 Min., dt.
Regie: Éric Rohmer
Rohmers verfilmt das hochmittelalterliche Versepos als Entwicklungsroman über den reinen Tor, der zum Ritter der Tafelrunde reift und sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral macht, dem Prototyp allen liturgischen Geräts. Eine skurrile Literaturverfilmung, die die Darsteller in artifizielle Studio-Dekorationen schickt, aber auf der Sprache des Urtextes beharrt.
Buch: Éric Rohmer nach Chrétien de Troyes, Kamera: Néstor Almendros, Schnitt: Cécile Decugis, Musik: Guy Robert, Darsteller: Fabrice Luchini (Parzival), André Dussollier (Gawein), Arielle Dombasle (Blanchefleur) u. a.
Dienstag, 27. März, 20 Uhr
Einführung: Prof. Dr. Marion Bönninghausen
Cardillac
D 1968/1969, Farbe, 97 Min., dt.
Regie: Edgar Reitz
In seinem zweiten Spielfilm reflektiert Reitz das Thema des künstlerischen Selbstverständnisses. Er verwendet die literarische Figur des Goldschmieds Cardillac aus E.T.A. Hoffmanns Novelle „Das Fräulein von Scuderi“, der sich nicht von seinen Schöpfungen trennen kann und nachts zum Räuber und Mörder seiner Kunden wird und nebenbei der Psychologie den Begriff des „Cardillac-Syndroms“ beschert hat.
Transportiert vom Paris des 17. Jahrhunderts in das Berlin der 1960er Jahre wird Hoffmanns Kriminalstück zu avantgardistisch gebrochenem Erzählkino, das den frischen Geist des Neuen Deutschen Films atmet. Das zentrale Thema wird in Nebenhandlungen variiert, das Geschehen durch eine Reihe virtuos gehandhabter Kunstmittel verfremdet und in bester Brecht‘scher Manier äußern sich die Schauspieler in Einschüben immer wieder über ihre Rollen, diskutieren über ihre Auffassungen und über das Verhältnis der einzelnen Figuren zu Cardillac.
Buch: Edgar Reitz; Kamera: Dietrich Lohmann; Schnitt: Maximiliane Mainka, Jessy von Sternberg; Musik: Johann Sebastian Bach; Darsteller: Hans Christian Blech (Cardillac), Catana Cayetano (Madelon), Rolf Becker (Olivier) u. a.
Eintritt: 5.- Euro
Veranstaltungsort:
Plenarsaal des Landeshauses des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Freiherr-vom-Stein-Platz 1, 48147 Münster
Bushaltestelle Eisenbahnstraße / Eingang durch das Hauptportal an der Stirnseite