Rundgang durch die Ausstellung
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster
Raum 1: „Die Farbe Gold“
Zur Symbolik kostbarer MaterialienGold, Silber und Edelsteine hatten im Mittelalter sowohl im kirchlichen wie im weltlichen Bereich vielschichtige Bedeutungen. Mühsam der Erde entrungen und von überwältigender Schönheit, waren sie Sinnbilder für das Ewige, Heilige, Göttliche, Ausdruck von Macht und Reichtum. Zugleich standen diese Materialien und die aus ihnen gefertigten Werke wiederholt im Zentrum von Auseinandersetzungen, die ihren Wert und Unwert abwogen. Dem materiellen Wert stand das christliche Armutsideal entgegen; der ästhetische Wert lenkte von der Versenkung ins Gebet ab; die Liebe zum Gold beschwor Sünden wie Gier, Geiz, Neid und Eitelkeit.
Die in Kirche und Gesellschaft jedoch auch als Tugend geltende Prachtentfaltung diente der Bildung von Identität und zur Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung. Im Glanz von Gold und Edelsteinen ehrten die Gläubigen die Heiligen. Materielle Eigenschaften wie Beständigkeit und ihre Fähigkeit zur Aufnahme und Abgabe von Licht vermittelten die höheren Wahrheiten des Heilsplans.
Die prächtigen Reliquiare bekleideten die irdischen Überreste (Reliquien) der verehrten Heiligen. Diese hatten bereits am himmlischen Licht teil, was auch durch ihre Heiligenscheine (Nimben) anschaulich wird. Ihre Wirkmacht erstrahlt in den edlen Werkstoffen. Das Himmlische Jerusalem, Wohnsitz Gottes und der Heiligen, war nach biblischer Schilderung gleichfalls aus Gold, Edelsteinen und Perlen erbaut, die für die makellose Vollkommenheit der göttlichen Wahrheit standen.
