Vortragsreihe

Die Ausstellung wird begleitet von einer 13-teiligen, interdisziplinären Vortragsreihe (25. Januar - 16. Mai 2012), bei der im Wochenrhythmus, jeweils mittwochs, die Kuratorinnen und Kuratoren der Ausstellung sowie ausgewiesenen Fachleute zu Themen des Projekts referieren. Die Reihe wurde in Kooperation mit dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, entwickelt.

 

 

ARCHIV:

Memoria und Stiftungswesen
Prof. Dr. Gerd Althoff (Münster)
Mittwoch, 25. Januar, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F1

Viele Eingangspforten mittelalterlicher Kathedralen konfrontieren den Eintretenden mit dem Jüngsten Gericht, bei dem zwischen ewigem Leben und ewiger Verdammnis entschieden wird. Die Sorge um das eigene Seelenheil war integraler Bestandteil mittelalterlicher Frömmigkeit. Man wusste, welche eigenen Anstrengungen geeignet waren, die Chancen auf die Aufnahme in den Himmel zu vergrößern. Zahllose Stiftungen an Kirchen und Klöster verdanken sich diesem Denken in Leistung und Gegenleistung ebenso wie das intensive Gedenken durch Messfeier und Gebet, das Kleriker, Mönche und Nonnen für ihre „Wohltäter“ leisteten.


Stifterbilder in der Goldschmiedekunst
Dr. Petra Marx (Münster)
Mittwoch, 1. Februar, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Sakrale Goldschmiedekunst des Mittelalters war in erster Linie Auftragskunst. Gläubige Geistliche und Laien stifteten prachtvolle Kreuze, Kelche oder Reliquienschreine, um sich der Fürsprache der Heiligen zu vergewissern. Mit frommen Stiftungen konnten auch die zu erwartenden Sündenstrafen der Menschen nach ihrem Tode abgegolten werden. Werke der Goldschmiedekunst waren daher auch besonders beliebte Orte der „Selbstdarstellung“ von Stiftern. Dabei musste u. a. das rechte Maß zwischen demütiger Haltung vor Gott und den Heiligen und repräsentativer Erscheinung gegenüber den Zeitgenossen gefunden werden.


Goldschmiedearbeiten für die Liturgie
Ihre Vielfalt und ihr Gebrauch bei Messfeiern und Prozessionen
Holger Kempkens M. A. (Münster)
Mittwoch, 8. Februar, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Der Großteil der bis heute erhaltenen Goldschmiedearbeiten des Mittelalters ist für eine sakrale Nutzung geschaffen worden, wobei sie in vielfältigster Form in die Liturgie eingebunden waren: Von der Messfeier und die Altarzier über den Krankenversehgang, die Verwahrung und Anbetung des eucharistischen Leibes bis zur Heiligenverehrung und das Mitführen bei Prozessionen. Diese vielfältigen Funktionsmöglichkeiten der Goldschmiedewerke, die auch in der Ausstellung thematisiert werden, werden in einem einführenden Überblick vorgestellt, der zugleich einen ersten Vorgeschmack auf die Ausstellung und einen ihrer wichtigsten Inhalte bietet.


Schatz und Schrein
Reliquien öffnen den Himmel
Prof. Dr. Dr. h. c. Arnold Angenendt (Münster)
Mittwoch, 29. Februar, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F1

Die Reliquien, die körperlichen Überbleibsel, wurden infolge des Psalmwortes, Gott lasse seine Heiligen die Verwesung nicht schauen, mit der im Himmel weilenden Seele in Verbindung gesehen. Das hatte zur Folge, dass Reliquien eine irdische Vergegenwärtigung der ihnen im Himmel zuteilgewordenen Heilskraft boten. Diese Wunderkraft veranlasste die großen Wallfahrten zu den Heiligengräbern. Für die Heiligenleiber wurden schließlich große, kostbare Schreine aus Edelmetall geschaffen, sie bildeten den wichtigsten Teil eines Kirchenschatzes. Doch waren nicht die kostbaren Schreine und Reliquiare, sondern die Reliquien der eigentliche Schatz, denn sie öffnen den Zugang zum Himmel.

 

Mythos Gold
Eine 6000-jährige Kulturgeschichte
Prof. Dr. Hans-Gert Bachmann (Hanau)
Mittwoch, 7. März, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Seit jeher fasziniert die Aura des Goldes die Menschen. Es ist unvergängliches Edelmetall und zugleich Symbol der Macht und des Göttlichen; ebenso Sinnbild für Schönes und Einmaliges. Nur ein Bruchteil dessen, was Menschen einst daraus gefertigt haben, ist erhalten geblieben. Doch die uns überlieferten Artefakte spiegeln viele Jahrtausende gestalteter Kulturgeschichte.



Prachtentfaltung und Reliquienkult
PD Dr. Gia Toussaint (Hamburg)
Mittwoch, 21. März, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Heiligenverehrung und Reliquienkult spielen bis heute in der katholischen Kirche eine zentrale Rolle. Die Vorstellung, dass in den sterblichen Überresten von christlichen Märtyrern deren virtus (Heilskraft) erhalten bleibt, reicht bis in das frühe Mittelalter zurück. Dabei gebührt diesen kostbarsten Schätzen der Kirche der prächtigste Schmuck: Gold, Silber, Edelsteine und Perlen, farbige Emails und zarte Steinschnitte zieren die Reliquiare. Sie versinnbildlichen die „Gewänder“ der Heiligen auf Erden und verweisen mit ihrem Glanz und ihrer Leuchtkraft auf das von den Heiligen bevölkerte „Himmlische Jerusalem“.



Schönheit – Wert – Bedeutung
Zu Materialität und Symbolik von Gold und Edelsteinen im Mittelalter
Prof. Dr. Christel Meier-Staubach (Münster)
Mittwoch, 28. März, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Gold und Edelsteine wurden im Mittelalter nicht nur aufgrund ihres materiellen Wertes und ihrer ästhetischen Qualitäten hoch geschätzt. Ebenso wurden ihnen magisch-medizinische Kräfte zugeschrieben und ihre vielfältige Symbolik reichte sowohl in geistliche wie auch in weltliche Sinn- und Funktionszusammenhänge hinein. Zahlreiche Quellen des Mittelalters beschreiben ihre spezifischen Eigenschaften und Kräfte, erklären ihre Bedeutungen, schildern die Verfahren ihrer Gewinnung und Bearbeitung und bilden sie in den Miniaturen wertvoller Handschriften ab.



 „... schütze und rette die Stifter dieses Kunstwerks.“
Der Beckumer Prudentia-Schrein, Hauptwerk der Osnabrücker Goldschmiedekunst des 13. Jahrhunderts
Prof. Dr. Hartmut Krohm (Berlin)
Mittwoch,18. April, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Der Reliquienschrein in der Propsteikirche von Beckum, eine Stiftung der Bürgergemeinde, zählt zu den künstlerisch herausragenden Zeugnissen der europäischen Schreinkunst im Übergang von der Romanik zur Gotik. Seine Schöpfer, Renfridus, Hermannus und Sifridus, waren wahrscheinlich in Osnabrück, damals Zentrum der Goldschmiedekunst in Westfalen, tätig. Der bedeutendste Goldschmied unter ihnen hatte eine Ausbildung in Nordfrankreich, in Lothringen oder im Maasgebiet erfahren. Die dort erlernten künstlerisch-technischen Fertigkeiten führte er auch am Beckumer Schrein auf höchstem Niveau weiter.


Die Reliquienschreine des Maasgebietes
Prof. Dr. Albert Lemeunier (Liège)
Mittwoch, 25. April, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Die großen Reliquienschreine bilden die wichtigsten und monumentalsten Werke, die sich aus der Goldschmiedekunst des Maasgebietes zwischen der Mitte des 11. und der Mitte des 13. Jahrhunderts erhalten haben. Dank dieser langen, kontinuierlichen Periode ist es möglich, die typologische, stilistische und technische Entwicklung dieser besonderen Reliquiare nachzuzeichnen. Das Qualitätsniveau dieser Kirchenschätze geht mit einer kulturellen und politischen Blütezeit für die Maasregion einher, was den z.T. rüden Umgang der Nachwelt mit den Objekten nicht verhindert hat.
 

Der Domschatz von Münster in der Frühen Neuzeit im Spiegel seiner schriftlichen Überlieferung
Bernadette Burchard M.A. (Münster)
Mittwoch, 9. Mai, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Der Vortrag wird sich mit dem Münsteraner Domschatz und seiner schriftlichen Überlieferung beschäftigen. Der Zeitraum zwischen den Bilderstürmen der Täuferherrschaft 1534/35 und 1620er Jahren steht im Mittelpunkt des Interesses, da für diesen Zeitraum Schatzverzeichnisse Auskunft über die Gestalt und Unterbringung des Domschatzes geben. Dabei wird sich zeigen, dass mit der Erschaffung des neuen Hochaltarretabels 1219–1620 durch Gerhard Gröninger (um 1582–1652) auch der Domschatz eine Neuordnung erfuhr.

 

Alte Schätze bewahren und inszenieren – Überlegungen zu heterogenen Goldschmiedewerken des Mittelalters
Prof. Dr. Susanne Wittekind
Mittwoch, 16. Mai, 19 Uhr
Fürstenberghaus, Hörsaal F5

Mittelalterliche Goldschmiedewerke wirken oftmals stilistisch heterogen. Sei es, dass ältere Teile wiederverwendet werden, oder sei es, dass spätere Ergänzungen das Kernstück neu einfassen – es handelt sich jeweils um eine künstlerische Gestaltungsweise, die das Augenmerk auf die Geschichtlichkeit des Objekts lenkt. Indem man ein Werk umarbeitet, statt es einzuschmelzen und ein neues zu schaffen,zeigt man seine besondere Wertschät zung. Doch auf welche Weisen werden die alten Goldschmiede stücke neu inszeniert? Zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Interessen geschieht dies? Der Vortrag geht diesen Fragen ausgehend von Werken der Ausstellung nach.

Konzerte

 

ARCHIV:

„Alta Capella – Bläsermusik der Gotik“
Donnerstag, 8. März, 20 Uhr

Überwasserkirche

Konzert mit dem Freiburger Ensemble "Les haulz et les bas"

Das Konzert des Bläserensembles "Les haulz et les bas" präsentiert einen vielfarbigen Streifzug durch 300 Jahre kunstvoller, mehrstimmiger Bläsermusik des Hoch- und Spätmittelalters. Wie bereits der Name des Ensembles andeutet, werden bei dieser Wiedererweckung einer fast vergessenen Musikkultur die unterschiedlichsten Lebensbereiche angeschnitten, quer durch die Alltagskultur und die sozialen Sphären: Turmbläsermusik, Tafelmusik, Tanzmusik und Chansons. Dargeboten werden Kompositionen von Dufay, Binchois, Oswald von Wolkenstein, G. Ebreo da Pesaro, Loyset, u. a.

Unter der Leitung von Gesine Bänfer und Ian Harrison hat sich das Ensemble seit 1993 auf die Aufführung historischer Bläsermusik aus Mittelalter und Renaissance spezialisiert. In musikgeschichtlicher Rekonstruktionsarbeit hat es die volkstümliche wie auch die Musik der mittelalterlichen Höfe für Schalmei, Pommer und Zugtrompete wiederbelebt. Die Ergebnisse seiner Arbeit haben sich in renommierten Auszeichnungen, Festivaleinladungen, auf Vortragsreisen und durch hochgelobte CDs niedergeschlagen.

Die Karten kosten 15 Euro (ermäßigt 10 Euro) und sind an der Museumskasse (ab 7. Februar) und an der Abendkasse erhältlich.

 

Musica Sacra 2012
31. März – 9. April 2012
Ein Festival sakraler Musik


Symphonische und chorsymphonische Konzerte, Kammer-,  Meister- und Jazzkonzerte, Rezitals mit dem Sinfonieorchester Münster, international renommierten Solisten und Ensembles werden in Kirchen der Stadt und in den Städtischen Bühnen aufgeführt.


Plechelmus-Offizium
Samstag, 21. April, 20 Uhr
Petrikirche


Eine Abendvesper mit Konzert mit dem Chor der Basilika St. Plechelmus (Oldensaal, Niederlande)

Der angelsächsiche Benediktinerpater Plechelmus wirkte im 8. Jahrhundert als Missionar in der Maasregion (heutiges Belgien) und in den heutigen Niederlanden. Seine Verehrung als Heiliger begann im Jahr 954, als seine Gebeine nach Oldenzaal überführt wurden, um in der dortigen Kirche – fortan Plechelmus-Basilika – ihre letzte Ruhe zu finden. An seinem Todestag am 17. Juli wird seit Mitte des 15. Jahrhunderts sein Patronatstag begangen. Neben Gottesdiensten und einer Prozession, die das in der Aus stellung präsentierte Büstenreliquiar des Heiligen mitführt, ist das Plechelmus-Offizium ein wesentlicher Bestandteil des Oldenzaaler Patronatsfestes. Erst im Jahre 2004 gelang durch die Entdeckung und Zusammenführung spätmittelalterlicher Handschriften die Rekonstruktion dieser besonderen Art von Messfeier mit Stundengebeten, den sog. Horen. Die Gesänge in der Tradition der Gregorianik werden vom Kirchenchor der Basilika St. Plechelmus vorgetragen, die einrahmende Vesper wird vom Pfarrer der Gemeinde zelebriert.

Der Eintritt ist frei.

 

Legenda Aurea
Donnerstag, 3. Mai, 20 Uhr
Überwasserkirche


Lieder des Mittelalters für Maria und andere Heilige mit der Frauenschola Ars Choralis Coeln

Das Konzert der Kölner Frauenschola besingt in seinem Programm „Legenda Aurea“ die Heiligen der Ausstellung "Goldene Pracht" und wandelt zugleich auf den Spuren des gleichnamigen Buches. Die „Legenda Aurea“ – die „Goldene Legende“ – war das populärste religiöse Volksbuch des Mittelalters. Es entstand zwischen 1263 und 1273. Es war der Dominikanermönch Jacobus de Voragine, der die Sammlung mit den Lebensgeschichten und Legenden der Heiligen in volkstümlichem Latein verfasste. Gleich nach ihrem Erscheinen trat diese Legendensammlung einen einzigartigen Siegeszug durch das ganze Abendland an. Schon 1282 ist eine Abschrift in Deutschland nachweisbar. Die Sammlung wurde in viele Sprachen übersetzt und oft durch lokale Legenden erweitert. Die erste deutsche Übersetzung stammt von 1362 aus dem Elsass. 1490 entstand in der Kölner Druckerei des Johann Koelhoff eine erweiterte Sammlung mit weiteren hinzugefügten Heiligengeschichten, die neben den 177 Kapiteln des Originals weitere 197 Kapitel umfasste. Ein Exemplar dieser Ausgabe liegt heute in der Düsseldorfer Landesbibliothek. Musikalisch inszeniert werden die Heiligenviten mit Gesängen,die aus verschiedenen deutschen und italienischen Lieder sammlungen des Spätmittelalters stammen.

Die Karten kosten 15 € (ermäßigt 10 €) und sind an der
Museumskasse und an der Abendkasse erhältlich


 

Trailer "Musica Sacra"

Chaplin Charlie Chaplin in "Goldrush" (Foto: Association Chaplin, Paris)

FilmGalerie

Zwischen Gier, Kunst und Frömmigkeit - Filme rund ums Gold

28. Februar – 27.März 2012, jeweils dienstags, 20 Uhr

Seit Jahrtausenden fasziniert das Gold die Menschen. Seine Aura von Wert, Göttlichkeit, Schönheit und Macht hat zu keiner Zeit gelitten. Dabei war und ist seine Rolle stets ambivalent: Einerseits wurde mittels Gold viel Gutes bewirkt und spornte im Gefolge von Frömmigkeit und Kunstfertigkeit zu großartigen kulturellen Leistungen an, wie die aktuelle Sonderausstellung „Goldene Pracht“ vor Augen führt; andererseits hat die Gier nach Gold oft genug die dunklen Seiten im Menschen aktiviert und Abermillionen Unbeteiligter ins Verderben gerissen.
Die Frühjahrsstaffel der FilmGalerie präsentiert eine kleine Auswahl filmischer Blicke auf das gelbe Metall, die rund um die Motivlagen Habsucht, Kreativität und Religiosität sein Einwirken auf Leben und Psyche der Menschen nachzeichnen.

Während des Museumsumbaus gastiert die FilmGalerie im Plenarsaal des Landeshauses des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am Freiherr-vom-Stein-Platz.

Eintritt: 5 Euro

Veranstaltungsort:
Plenarsaal des Landeshauses des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
Freiherr-vom-Stein-Platz 1, 48147 Münster
Bushaltestelle Eisenbahnstraße / Eingang durch das Hauptportal an der Stirnseite

Die „FilmGalerie“ des LWL-Landesmuseums ist eine Kooperation der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Katholischen Filmkommission sowie des LWL–Medienzentrums für Westfalen und des LWL–Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte.

Idee + Konzept:
Prof. Dr. Reinhold Zwick, Otmar Schöffler, Andrea Meschede und Dr. Daniel Müller Hofstede

Dienstag, 28. Februar, 20 Uhr
Goldrausch ( The Gold Rush)
USA 1925, sw, 72 Min.
Regie: Charles Chaplin

Einführung: PD Dr. Johannes Schmitt (Erlangen)

Chaplins weltberühmter Stummfilm schildert das Goldfieber im Alaska der Jahrhundertwende mit all seinen Auswüchsen entlang einer Abenteuer- und Liebesgeschichte. Eine melodramatische Groteske, die zwei der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte versammelt und die Chaplin selbst für seinen besten Film hielt.

Buch: Charles Chaplin, Kamera: Jack Wilson, Roland Totheroh, Musik: Charles Chaplin, Darsteller: Charles Chaplin (Einsamer Goldgräber), Georgia Hale (Georgine), Mack Swain (Big Jim), Tom Murray (Black Larsen), Henry Bergman (Hank Curtis),  Malcolm Waite (Jack) u. a.


Dienstag, 6. März, 20 Uhr
Die goldene Karosse (Le carrosse d'or)

F / GB 1953, Farbe, 103 Min., dt.
Regie: Jean Renoir

Einführung: Otmar Schöffler (Münster)

Parallel mit einer italienischen Schauspieltruppe trifft in einem südamerikanischen Vizekönigtum eine pompöse Staatskarosse ein. Als Prunkstück ohne Inhalt, prächtig und billig zugleich, das seine höchste Wirkung dort entfaltet, wo es begehrt, nicht aber gebraucht wird, ist sie die heimliche Hauptdarstellerin und zugleich Sinnbild des Theaters wie des Lebens.

Buch: Jean Renoir u.a., Kamera: Claude Renoir, Musik: Antonio Vivaldi, Darsteller: Anna Magnani (Camilla), Odoardo Spadaro (Don Antonio), Nada Fiorelli (Isabella), Duncan Lamont (Vizekönig) u. a.


Dienstag, 13. März, 20 Uhr
Herz aus Glas

D 1976, Farbe, 94 Min., dt.
Regie: Werner Herzog

Einführung: Prof. Dr. Reinhold Zwick (Münster)

In einer Glashütte im finsteren Bayern des 19. Jahrhunderts ist das Geheimnis der Rubinglasherstellung abhanden gekommen. Das Dorf, von der Produktion jenes goldhaltigen Glases ökonomisch, aber auch quasireligiös abhängig, verfällt in tiefe Depressionen und sucht Rat beim Hellseher Mühlhias. Ein Film von suggestiver Schönheit mit stimmungsvoller Bildmalerei.

Buch: Herbert Achternbusch, Werner Herzog, Kamera: Jörg Schmidt-Reitwein, Schnitt: Beate Mainka-Jellinghaus, Musik: Popol Vuh, Darsteller: Josef Bierbichler (Hias), Stefan Güttler (Hüttenbesitzer), Clemens Scheitz (Diener Adalbert), Sonja Skiba (Ludmilla) u. a.


Dienstag, 20. März, 20 Uhr
Perceval (Perceval le Gallois)

F / I / D 1978, Farbe, 138 Min., dt.
Regie: Éric Rohmer

Einführung: Dr. Daniel Müller Hofstede (Münster)

Rohmers verfilmt das hochmittelalterliche Versepos als Entwicklungsroman über den reinen Tor, der zum Ritter der Tafelrunde reift und sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral macht, dem Prototyp allen liturgischen Geräts. Eine skurrile Literaturverfilmung, die die Darsteller in artifizielle Studio-Dekorationen schickt, aber auf der Sprache des Urtextes beharrt.
Buch: Éric Rohmer nach Chrétien de Troyes, Kamera: Néstor Almendros, Schnitt: Cécile Decugis, Musik: Guy Robert, Darsteller: Fabrice Luchini (Parzival), André Dussollier (Gawein), Arielle Dombasle (Blanchefleur) u. a.


Dienstag, 27. März, 20 Uhr
Cardillac

D 1968/1969, Farbe, 97 Min., dt.
Regie: Edgar Reitz

Einführung: Prof. Dr. Marion Bönninghausen

In seinem zweiten Spielfilm reflektiert Reitz das Thema des künstlerischen Selbstverständnisses. Er verwendet die literarische Figur des Goldschmieds Cardillac aus E.T.A. Hoffmanns Novelle „Das Fräulein von Scuderi“, der sich nicht von seinen Schöpfungen trennen kann und nachts zum Räuber und Mörder seiner Kunden wird und nebenbei der Psychologie den Begriff des „Cardillac-Syndroms“ beschert hat.
Transportiert vom Paris des 17. Jahrhunderts in das Berlin der 1960er Jahre wird Hoffmanns Kriminalstück zu avantgardistisch gebrochenem Erzählkino, das den frischen Geist des Neuen Deutschen Films atmet. Das zentrale Thema wird in Nebenhandlungen variiert, das Geschehen durch eine Reihe virtuos gehandhabter Kunstmittel verfremdet und in bester Brecht‘scher Manier äußern sich die Schauspieler in Einschüben immer wieder über ihre Rollen, diskutieren über ihre Auffassungen und über das Verhältnis der einzelnen Figuren zu Cardillac.

Buch: Edgar Reitz; Kamera: Dietrich Lohmann; Schnitt: Maximiliane Mainka, Jessy von Sternberg; Musik: Johann Sebastian Bach; Darsteller: Hans Christian Blech (Cardillac), Catana Cayetano (Madelon), Rolf Becker (Olivier) u. a.