Edvard Munch - Das graphische Werk aus dem Berliner Kupferstichkabinett

9. November 2003 – 1. Februar 2004

Der Norweger Edvard Munch gestaltete in seinen Werken die großen und zum Teil tabuisierten Grunderfahrungen des Lebens: Einsamkeit, Liebe, Eifersucht, Pubertät, Alter, Krankheit und Tod. In der Ergründung der menschlichen Seele lag für ihn die eigentliche Aufgabe der Kunst. Er wollte innere Vorgänge zum Ausdruck bringen und nicht, wie die Impressionisten, äußere, optische Phänomene beschreiben. In der Auseinandersetzung mit van Gogh, Gauguin, den Symbolisten und der Kunst des Jugendstils fand Munch zu höchst individuellen Lösungen für sein künstlerisches Anliegen.

In Münster werden etwa 200 graphische Arbeiten Munchs gezeigt – oft großformatige Holzschnitte, Lithographien und Radierungen, zahlreiche von ihnen farbig. Sie stammen aus dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, das nach dem Munch-Museum in Oslo weltweit die umfangreichste Sammlung von Druckgraphiken des Norwegers besitzt. In einer einmaligen Zusammenstellung werden zahlreiche seltene, mitunter sogar einzigartige Farb- und Zustandsdrucke der berühmten emotions- und symbolgeladenen Bilder präsentiert. In der Gegenüberstellung ähnlicher Motive wird nachvollziehbar, wie Munch durch gezielte Variationen in der Farbzusammenstellung und technischen Ausführung unterschiedliche Botschaften oder Stimmungen zum Ausdruck bringt, die so nur in der Graphik möglich sind.Figuren und Landschaft verschmelzen zu einer Einheit, die auf den inneren Ausdruck konzentriert ist. Mit gestalterischen Mitteln evoziert Munch emotionale Vorgänge – Liebe, Angst, Eifersucht, Einsamkeit, Sehnsucht, Trauer. In seinem graphischen Werk findet er dafür besonders prägnante und anschaulich verdichtete Formulierungen.

Seit 1894 entstehen erste Lithographien und Radierungen, seit 1896 Farblithographien und Holzschnitte. In seinen graphischen Arbeiten variiert Munch oftmals die Motive seiner Gemälde. Dabei geht er außerordentlich innovativ und experimentierfreudig mit den graphischen Techniken, Materialien und Bildträgern um. Auch der enorme Umfang von Munchs graphischem Werk macht deutlich, wie sehr ihn die besonderen Qualitäten und Möglichkeiten der Graphik als Ausdrucksmittel faszinierten.

Mit sensiblem Gespür lenkt Munch den Blick des Betrachters, der unausweichlich in den Sog der Darstellung gerät. Dabei nutzt Munch die spezifischen Eigenschaften der graphischen Techniken, das Markante des Holzschnitts, den weichen Linienfluss der Lithographie und die dämmrige Licht- und Raumhaltigkeit der Radierung, um jedem Thema seine einprägsame Gestaltung zu geben.

Werke wie „Madonna“, „Die Sünde“, „Eifersucht“ und „Der Kuss“ werden ebenso zu sehen sein wie Munchs Arbeiterbilder und Porträts von Strindberg, Ibsen, Nietzsche und anderen Zeitgenossen. Witzige Tierbilder und die satirisch-ernste Lithographiefolge „Alpha und Omega“ stellen überraschende Seiten aus seinem Oeuvre vor.

Die Ausstellung wird begleitet von der Katalogpublikation „Edvard Munch – Die Graphik im Berliner Kupferstichkabinett“, bearbeitet von Sigrid Achenbach, Staatliche Museen zu Berlin und G+H Verlag, Berlin 2003, Verkaufspreis € 25,50

Junge Frau am Strand ( Die Einsame), 1896, Schabkunst