PALERMO - Who knows the beginning and who knows the end

27. Februar bis 15. Mai 2011

 

Eröffnung: 26. Februar, 19 Uhr

Kunstmuseum St. Gallen
27. Mai bis 25. September 2011

Der Künstler Palermo (1943–1977; bürgerlicher Name: Peter Heisterkamp) gilt als einer der rätselhaftesten Protagonisten der bildenden Kunst der 1960er und 1970er Jahre in Deutschland. Die Ausstellung, die das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster in Zusammenarbeit mit dem Palermo-Archiv in Amerika und dem Kunstmuseum St. Gallen zeigt, verfolgt einen ganz neuen Ansatz in der Interpretation und Präsentation seines Werkes. Thema ist der offene, durchlässige und flüchtige Farbauftrag, der seine sinnliche Intensität an der konkreten und objekthaften Fläche gewinnt. Es geht also um den Aspekt des Malerischen in Palermos Werk, jedoch eigentlich nicht um Bilder. Joseph Beuys hatte vom „Hauchartigen“ und „Porösen“ in der Kunst seines Schülers gesprochen und es mit der Anfälligkeit einer Kornblume gegenüber dem Licht verglichen.

Die Ausstellung umfasst rund 60 – teilweise mehrteilige – Bildobjekte und Zeichnungen (Aquarelle) aus allen Schaffensperioden, an denen diese offene, die Eingrenzungen überschreitende Farbwirkung spürbar ist. Insbesondere zeigen viele Werke aus Palermos letztem Schaffensjahr (1976/77) ein ungreifbares Aufleuchten der Farbe. Der Ausstellungstitel „Who knows the beginning and who knows the end“ ist ein Werktitel aus dieser Zeit.

Durch seine Jugendjahre und seine Familie ist Palermo eng mit Münster verbunden. Unter seinem bürgerlichen Namen Peter Heisterkamp wuchs der 1943 in Leipzig geborene Künstler seit 1952 in Münster auf und besuchte dort ab 1961 die Werkkunstschule. Schon ein Jahr später begann er sein Kunststudium an der Düsseldorfer Akademie und wechselte 1964 in die Klasse von Joseph Beuys. Er fängt an, den von einem Mitstudenten aufgebrachten Spitznamen „Palermo“ als Künstlernamen zu verwenden (aufgrund der Ähnlichkeit seiner Aufmachung mit Sonnenbrille und Lederjacke mit dem amerikanischen Mafioso Blinky Palermo). 1966, ein Jahr vor Ende seines Studiums, ernannte ihn Beuys zum Meisterschüler und seine erste Ausstellung fand in der Münchner Galerie Friedrich & Dahlem statt. Seit 1969 wohnte er dann in Mönchengladbach und teilte sich mit Ulrich Rückriem ein Atelier, bevor er 1973 nach New York übersiedelte. 1976 kehrte Palermo nach Düsseldorf zurück und verstarb im Februar 1977 während einer Ferienreise auf der Malediven-Insel Kurumba an Herzversagen. Die Urne wurde im elterlichen Grab auf dem Münsteraner Zentralfriedhof beigesetzt. Im Jahre 2008 wurde dieses Grab vom Rat der Stadt Münster zum Ehrengrab ernannt, und im folgenden Jahr stiftete der Bildhauer Ulrich Rückriem eine skulpturale Grabplatte.

Zahlreiche Einzelausstellungen in vielen großen Museen (genannt seien nur München, Winterthur, Barcelona, Leipzig, New York, Bonn, Basel und zuletzt  – 2007 – in der Kunsthalle Düsseldorf) sowie seine Beteiligungen an der Documenta 5 (1972), der 13. Biennale di São Paulo und der Biennale Venedig (1978) bezeugen den hohen künstlerischen Wert von Palermo. Zu seinem Umkreise gehörten Gerhard Richter, Ulrich Rückriem, Imi Knoebel und Sigmar Polke.
 

Kulturprogramm

Palermo - anders gesehen

Ein Gespräch zwischen Gislind Nabakowski und Erich Franz
Donnerstag, 12. Mai, 19 Uhr

Die Beuys-Schülerin und Kunsthistorikerin Dr. Gislind Nabakowski führte 1973 das einzige Interview, das Palermo jemals zu seiner Kunst gab. Das Gespräch mit Dr. Erich Franz, dem Kurator der Ausstellung, behandelt Palermos Aussagen von damals, sein Verhältnis zur Literatur und Musik, zur Kunstszene sowie zu Joseph Beuys und dessen Aussage, jeder Mensch sei ein Künstler.

Ort: Veranstaltungssaal innerhalb der Ausstellung
Eintritt: 5 €, erm. 3.50 € (inkl. Ausstellungseintritt)

 

Kuratorenführung mit Dr. Erich Franz

am Donnerstag, 12. Mai, 18 Uhr

 

Finissage

„MAL so MAL so“-Matinee
mit dem DiT- Studio für Tanzkunst von Ruth und Uli Trautmann
Sonntag, 15. Mai, 11 Uhr


Als bewegten Abschluss der Ausstellung nähern sich die Tänzer und Tänzerinnen des DiT-Studios den Arbeitstechniken und Ideen Palermos. Altersübergreifend und integrativ setzen sie den Zeitgeist der 1960er und 1970er in Szene.

Eintritt frei!

 

 

Pressestimmen

Zeit online, 24.2.2011:

"Sein früher, bis heute ungeklärter Tod während einer Reise auf die Malediven verschaffte Blinky Palermo den Ruf eines James Dean der deutschen Kunstszene."

www.zeit.de/news-022011/24/iptc-bdt-20110224-360-28917828xml?page=1

 

Scala, WDR 5, 25.2.2011:

"Es  ist die Verbindung von Farbe und Form, die bei Palermo immer stimmt."

 

Mosaik, WDR 3, 28.2.2011:

"Sicher ganz im Sinne des Künstlers hat der Kurator die Bilder inszeniert,
gibt den Arbeiten viel Raum, um eine optimale Wirkung zu erzielen. Ein umfassender Überblick über das sinnliche Werk eines Ausnahmekünstlers."

 

Spiegel online, 28.2.2011:

"Seine Kunst ist spröde, seine Persönlichkeit schillernd. So schillernd, dass er als späte Personifikation eines romantischen Künstlerideals durchgeht: zerrissen, um seine Kunst ringend, Frauen verführend, befreundet mit den wichtigsten Künstlern seiner Zeit."

www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,747769,00.html

 

 Neue Osnabrücker Zeitung, 10.3.2011:

"Wie August Macke, Eva Hesse oder Jean-Michel Basquiat gehört Blinky Palermo (1943–1977), der eigentlich nur Peter Heisterkamp hieß, zu den früh verloschenen Genies der modernen Kunst."

http://www.noz.de/deutschland-und-welt/kultur/52032380/mit-dem-namen-des-mafioso

 

 Kunstzeitung, 4/2011:

"Palermo zeigt, dass man die Malerei nicht einsperren darf. Sein Kurator Erich Franz respektiert dieses Freiheitsbedürfnis mit einer großzügigen, luftigen Hängung. Und plötzlich versteht man, woher diese Bewunderung für den Meister des Ephemeren kommt: Es ist die sinnliche Energie der Originale. Die flüchtig hingeworfene Farbigkeit, die sich mit dem Raum verbindet. Und die ihn in eine Erregung versetzt, die sich dem geduldigen Betrachter mitteilt. "