Plakat DKP Unbekannte(r) Entwerfer(in)für den Landesvorstand Hessen der Deutschen Kommunistischen Partei,Wähl mich – DKP, 1969,Farboffset, Foto: LWL

Visuelle Revolten. Schnitte durch die Plakatszene um 1968

Drei Präsentationen aus der Sammlung

 

Langzeitwirkung '68 - Der visuelle Umbruch: 15. Dezember 2011 – 11. März 2012 (Teil 3) ACHTUNG: VERLÄNGERT BIS 9. APRIL
Eröffnung: Donnerstag, 15. Dezember, 19 Uhr


1. und 2. Staffel: Münster - Mehr als ein Nebenschauplatz: 20. Januar  – 1. Mai 2011
Globale Protestkulturen: 19. Mai – 21. August 2011


Den Zeitgeist der späten 1960er Jahre widerspiegelnd, besitzt das LWL-Landesmuseum einen erstaunlich bunten, spontan und „wild" gewachsenen Plakatbestand zu den sogenannten „Studenten-Unruhen“ und ihrem kulturellen Umfeld. In der ersten Präsentation ab Januar 2011 wurden rund 100 Plakate, dazu Flugblätter und Zeitschriften-Cover zu den damals - wie heute - brennenden Themen wie „Bildungsnotstand“, „Schulmisere“ oder „Polizei-Gewalt“ vorgestellt.

Im Mittelpunkt dieser  Sequenz standen die Ereignisse an der Westfälischen Wilhelms- Universität, dem Hausnachbarn des LWL-Landesmuseums am Domplatz. Münster bildete1968/69 – das wird im Rückblick immer deutlicher - mehr als einen Nebenschauplatz der bundesweit aufflammenden Proteste gegen überlebte Hierarchien und für eine breite öffentliche Debatte darüber.


Ausgehend von Münster und den dortigen Protesten widmete sich der zweite Teil „Globale Protestkulturen“ (19. Mai bis 21. August 2011) den Blick über die Landesgrenzen hinaus. Für die linksalternative Szene wurde es immer bedeutsamer, gegen eine von der Supermacht USA gesteuerte Welt des Kapitals, der Krisen und Kriege Partei zu ergreifen. Auf Plakaten, Manifesten und Flugblättern lautete die Hauptforderung  nach „Antiimperialistischer Solidarität“ mit den Unterdrückten in Asien, Afrika und Lateinamerika.
Im Mittelpunkt stehen die Bildbotschaften, die sich den Befreiungsbewegungen in Vietnam, Lateinamerika und dem Nahost-Konflikt,  in dem die Parteinahme für die palästinensische PLO im Vordergrund stand, widmeten. Bemerkenswert ist dabei die erstmals (fast schon) globale Vernetzung der Protest-Bewegungen. Bereits Jahrzehnte vor dem World Wide Web schlossen sich lokale, nationale und globale Protestkampagnen zu einem wirksamen Informations-Netzwerk zusammen.

Die schwarze Bürgerrechts-Bewegung und die Studentenrevolte in den USA (z. B. Berkeley) entwickelten neue Protestformen: Die Demonstranten besetzten Universitäten bei „Go-Ins“ und „Teach-Ins“ oder riefen zum „Marsch auf Washington“ auf. In Deutschland dienten die amerikanischen Bewegungen als Vorbild: So planten deutsche Studierende u. a. den „Marsch auf Bonn“.

Neben den Themen dieser Zeit zeigen die rund 100 neu hinzugekommenen Exponate der Ausstellung, wie sich übernationale grafische Trends und Parallelen entwickelten, aber auch nationale und regionale Bildtraditionen fortlebten. Vor allem die Plakatmotive, die im „Atelier Populaire“ an der Pariser Universität entstanden und in der Satire-Zeitschrift „Enragé“ abgedruckt wurden, setzten Qualitätsmaßstäbe weit über das „Jahrzehnt der Revolte“ hinaus.

Die abschließende, dritte Bildsequenz "Langzeitwirkung "'68" - Der visuelle Umbruch" widmet sich ab Dezember  (15. Dezember 2011 bis 11. März 2012) der Langzeitwirkung, dem langen Schatten von „'68“, vor allem dem epochalen Einschnitt in den Seh- und Konsummentalitäten der Plakat-Adressaten seit „'68“. Die lockere Sprache der „‘68er“ und neue Muster der visuellen Kommunikation, die die Plakate prägten, beeinflussten die westdeutsche Gesellschaft nachhaltig. Mit zwei Jahrzehnten Verspätung - nach dem Ende der NS-Diktatur und dem politischen Umbruch 1945/1949 – hatte ein epochaler visueller Umbruch das westliche Teildeutschland erfasst. Alte Bildklischees und Mentalitäten der Kriegsgeneration zerbrachen, neue Bildmuster und Sprachcodes einer trendigen Jugendkultur traten seit „1968“an ihre Stelle.
Internationale Idole der Popkultur wie Andy Warhol und Jimi Hendrix beschleunigten diesen Durchbruch zu einer tendenziell offeneren Gesellschaft und ihre Widerspiegelung in der Plakatwelt enorm. Die Präsenz dieser Pop-Ikonen in der Welt der Plakate stellt einen besonders reizvollen Aspekt der Abschlussfolge der Visuellen Revolten dar.

Kuratorenführung mit Dr. Jürgen Krause am 5. Januar und 9. Februar (jeweils 12:30 Uhr)

Protestplakat Unbekannter Entwerfer / SDS: „...Der Reaktion eine harte Linke / SDS“, 1968/69, Farboffset, Foto: LWL

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