Bis 30. Juni 2012
„Verraten Sie uns Ihr Lieblingswerk im LWL-Landesmuseum?“ Diese Frage war Ausgangspunkt für die neue Sammlungspräsentation „Ausgewählt. Lieblingsstücke“, die ab 13. November im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster zu sehen ist. Vor der temporären Schließung im Sommer 2012 präsentiert das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit „Ausgewählt. Lieblingsstücke“ und einer weiteren Ausstellung „Kunst trifft Naturwissenschaft. Naturwissenschaft trifft Kunst.“ (jeweils bis 30. Juni 2012) Kunstwerke, die auf eine enge Beziehung zwischen Kunst und Menschen setzen und Impulse für einen interaktiven Museumsbesuch geben.
„Ausgewählt. Lieblingsstücke“ zeigt Lieblingsstücke von ganz verschiedenen Persönlichkeiten. Dieses Mal wurden die Bilder und Objekte nicht von den Kuratoren ausgewählt, sondern von Menschen, die mit dem Museum, der Stadt Münster und Westfalen verbunden waren oder auch noch sind.
Persönlichkeiten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens wie die Sängerin und Schauspielerin Ute Lemper, der Schriftsteller Jürgen Kehrer oder der CDU-Abgeordnete Thomas Sternberg und ehemalige Mitarbeiter des Museums wie die Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, Ulrike Groos, haben ihr Lieblingsbild oder ein Werk ausgewählt, das für sie eine besondere Bedeutung hat. Die Gründe sind ganz unterschiedlich und reichen von persönlichen Erfahrungen bis hin zu Erinnerungen und Assoziationen.
Durch eine solche Präsentation werden die Werke nicht nur in einem ungewöhnlichen Kontext gezeigt, sondern es wird auch ein neues Licht auf die Werke geworfen.
Prof. Dr. Götz Alsmann
Musiker, Moderator und Unterhaltungskünstler, lebt in Münster
Das ist m e i n Bild, denn ich war, bin und bleibe ein Verehrer jedweder Grazie.
Mein Verdacht: Das schelmische Büblein oben links bin ich – in einer früheren Inkarnation beim vorpubertären Studium des Grazien-Mysteriums.
Daniel Bahr, Bundesgesundheitsminister, lebt in Münster
„Das Gemälde erinnert mich an die vielen Radtouren im Münsterland, insbesondere an der Werse und zeigt die Ruhe, die nur die Natur so ausstrahlen kann."
Wolfgang Hölker
Coppenrath Verlag, Münster
Für mich ist diese Skulptur das schönste Objekt im Landesmuseum. Als Henry Moore 1967 in Münster war, habe ich ihn durch den damaligen Direktor Paul Pieper kennengelernt. Zu meiner Überraschung hat er mir die Augen über einen mir bis dahin nichts sagenden Bildhauer namens Heinrich Brabender geöffnet. Henry Moore hat mir die Schönheit des Sandsteins und der Skulptur eröffnet: „Man sieht nur, was man weiß.“
Titus Dittmann
Unternehmer, Gründer der Titus Dittmann Stiftung
skate-aid, lebt in Münster
Meine handwerklichen Fähigkeiten würden ausreichen, ein solches Nagelbrett in der gleichen Qualität herzustellen. Auch traue ich mir genügend Kreativität zu, auf solche oder ähnliche Ideen zu kommen. Wäre dieses Nagelbrett in absolut gleicher Qualität jedoch von mir erstellt worden, hätte sich das Museum sicherlich nicht dafür interessiert. Das zeigt doch, dass ein Kunstwerk nicht nur durch das eigentliche Werk zur Kunst wird, sondern insbesondere durch den Ruf und das Image des Künstlers. Ruf und Image eines Künstlers hängen stark von der Vermarktung des jeweiligen Künstlers ab. Ein- und dieselbe Arbeit bekommt also erst durch solche weichen Faktoren Werthaltigkeit und wird zum Kunstwerk. Ein Kunstwerk ist also kein Kunstwerk von sich aus, sondern wird erst durch die Akzeptanz des Kunstkonsumenten zum wertvollen Ausstellungsstück. Die Relativität der Kunst mit diesen ewig offenen Fragen – Was ist Kunst? Wo fängt Kunst an und wo hört sie auf? Was macht Kunst zur Kunst? – fasziniert mich.
Verstärkt wird diese Problematik bei diesem Nagelbrett durch die Tatsache, dass der Zuschauer mit Gummibändern das Kunstwerk manipulieren, verändern und beeinflussen kann. Es scheint also gar nicht mehr darauf anzukommen, dass das Kunstwerk vom Künstler für eine bestimmte Aussage bis ins Detail bestimmt wird, sondern der Zuschauer wird in die Gestaltung mit einbezogen.
Ute Lemper
Sängerin und Schauspielerin, geboren in Münster
Ein faszinierendes Bild. Zwei Welten stoßen aufeinander: Der Maler Willy Kriegel porträtiert seine Frau und wird gleichzeitig mit seinem Porträt von Otto Dix eingefangen. Dix malt derbe und expressionistisch, dunkel und desillusionierend den Maler, der mit Hingebung, fast Schmerz ein Sonnen durchströmtes und schmeichelndes Bild der Frau auf seiner Leinwand schafft. Doch selbst in dem golden durchfluteten Bildnis der Frau steckt die hagere und dekadente Frau, die Dix überall um sich herum erkennt. Wie eine harte Göttin aus dem grellen Himmel mit feinen Händen und Lippen erzählt sie von Blutvergießen, Armut und dekadentem Gesellschaftsspiel. Der Mann reflektiert als ihr Diener in gekrümmter malender Haltung die Stärke und Freiheit der Frau. Ein Bild, das raffiniert die Herausforderungen der Zeit einfängt.
Jürgen Kehrer
Krimiautor, lebt in Münster
Graf Johann von Rietberg war 1562 ehrlos in Haft gestorben. Doch die beiden heiratsfähigen Töchter, Ermengard und Walburg, mussten noch unter die Haube. Da beauftragte die Gräfin den münsterschen Maler Hermann tom Ring, ein Familienporträt zu malen, mitsamt dem verstorbenen Gatten. Das Gemälde sollte den Schein einer ehrbaren und wohlhabenden Familie erzeugen, so sind insbesondere die beiden Töchter aufs Prächtigste herausgeputzt. Und um an den Absichten keine Zweifel zu lassen, hält die jüngere Tochter eine Nelke in der Hand, ein Symbol, das sich häufig auf Verlöbnisbildern findet.
Hermann tom Ring gehörte einer Künstlerfamilie an, sein Vater Ludger und seine Brüder Ludger der Jüngere und Nicolaus malten ebenfalls. Gemeinsam stehen sie für die Kunst im Münster des 16. Jahrhunderts, eines von Reformation und Revolutionen geprägten Zeitalters.
Tom Ring‘sche Kirchenbilder und Porträts von privaten Auftraggebern ergeben ein umfangreiches Werk, aus dem das Familienbild der Rietbergs wegen seines Detailreichtums und seiner Farbenpracht herausragt. Wer sich auf das Bild einlässt, kann sich seinem Sog kaum entziehen.
Und das Bild erzählt nicht nur eine Geschichte, es hat auch selbst eine: Zerteilt und als Einzelstücke verkauft, fanden die Rietbergs erst Ende des 20. Jahrhunderts wieder zusammen.
Kunst trifft Naturwissenschaft. Naturwissenschaft trifft Kunst
Bis 30. Juni 2012
Auch die Ausstellung „Kunst trifft Naturwissenschaft. Naturwissenschaft trifft Kunst“ verspricht Überraschungen. Das LWL-Landesmuseum und der Verein Kindermuseum Münster e.V. haben Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen eingeladen, sich mit dem professionellen Blick z.B. einer Physikerin, eines Mediziners oder einer Geologin auf die Sammlungen des Museums einzulassen und passende Kunstwerke auszuwählen. Aus diesem Dialog entstanden Experimentierstationen und naturwissenschaftliche Modelle, an denen gerade die jungen Besucher neue, aufschlussreiche Zugänge zu den Werken und den Künstlern aus der Sicht der Naturwissenschaften gewinnen. So lädt die Ausstellung beispielsweise ein, die Welt der Schatten neu zu entdecken. Wie entstehen Schatten? Sind Schatten Wesen mit einem Eigenleben? Viele Kinder und auch Erwachsene werden durch Schattenphänomene emotional beeinflusst. Franz Oswald Schiffers bedient in seinem Plakat „Feind hört mit!“ archetypische Ängste, die durch den Schattenwurf einer nicht sichtbaren Person ausgelöst werden.
Naturwissenschaftler streben nach Objektivierbarkeit, Versachlichung und dem Verstehen von Naturphänomenen. Die Installationen zum Thema „Schatten“ geben Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit, Beobachtungen zu interessanten Schattenphänomenen zu hinterfragen, selbst Schattenwürfe zu erzeugen, zu verändern und im positiven Sinne die Betrachtung des Schattens zu objektivieren.
Auch die Experimentierstation zum Thema Herz lädt die Besucherinnen dazu ein, aktiver Bestandteil der Ausstellung zu werden. Es entstand die Idee, das sichtbar zu machen, was das Herz beim Anblick eines geliebten Menschen macht. Die Bilder zeigen berühmte Liebespaare unterschiedlicher Epochen und daneben wurde eine Station errichtet, die den Puls misst und somit anzeigt, wie schnell das Herz schlägt.