Damals in Haaren

Alltagsleben im Paderborner Land 1939 – 1947

 VHS . ca. 30 Minuten

Jeder Ort, jede Region besitzt eine eigene, unverwechselbare Geschichte, und es sind immer wieder die Menschen, die diese Geschichte mit Leben erfüllen und ihr ein ganz eigenes, unverwechselbares Gesicht geben. Dies gilt gewiss auch für das Dorf Haaren im Paderborner Land. Haaren, einst ein kleiner, ganz von der Landwirtschaft geprägter Ort mit etwa 1.500 Einwohnern, steht im Mittelpunkt einer historischen Filmüberlieferung, in der der Stellmachermeister Josef Spenner das Alltagsleben in seinem Dorf in einem Zeitraum von annähernd 30 Jahren mit einer einfachen Handkamera im Bild festgehalten hat. Aus diesem umfangreichen und bisher über Haaren selbst hinaus kaum bekannt gewordenen Material wird hier eine Auswahl vorgestellt, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen, die Sitten und Bräuche des „flachen Landes“ vor und während des Zweiten Weltkrieges sowie in den ersten Nachkriegsjahren anschaulich thematisiert. Zu sehen ist zunächst einmal der einfache, weithin autarke Mikrokosmos eines einzelnen Dorfes, in dem Natur und Religion gleichermassen den Rhythmus vorgeben. Aussaat und Ernte bestimmen das Alltagsleben ebenso wie die vieles Feste des Kirchenjahres, das die tief gläubige katholische Landbevölkerung in einen festen Kanon religiöser Pflichten einband. Im Mittelpunkt dieser Filmbeobachtungen stehen immer wieder die Haarener selbst, die Jungen und die Alten, deren stille, bescheidene und vor allem unendlich arbeitsreiche Existenz trotz mancher Entbehrungen doch auch viel Ausgelassenheit, Spass und Freude kannte. Wer wissen will, wie unsere Gross- und Urgrosseltern in ihrer Zeit lebten und lachten – ohne Autos, Urlaub, Telefon und nennenswerten Konsum, der kann dies in der hier vorgelegten Filmdokumentation erfahren. Aber auch die zeitlichen Rahmenbedingungen spiegeln sich in diesen Aufnahmen anschaulich wieder: Da ist zunächst einmal der Krieg, dessen bedrohliche Schatten vor Haaren nicht Halt machen, und da sind die ersten Vorboten der allgemeinen Technisierung und Modernisierung, die die Lebensbedingungen in der folgenden Generation so nachhaltig verändern sollten. Der 1907 geborene Josef Spenner, der Mann „hinter der Kamera“, hat dies alles in Sequenzen von grosser Nähe und Unmittelbarkeit festgehalten, die uns heute, beinahe 60 Jahre danach, einen unverstellten und authentischen Blick in die Vergangenheit ermöglichen. Haaren war damals überall. Deshalb sind diese alten Bilder nicht nur fürs Paderborner Land bedeutsam, sondern für ganz Westfalen.