Johann Peter Voit: Faßliche Beschreibung der gemeinnützlichsten Künste und Handwerke für junge Leute. Dritte, verbesserte und vermehrte Auflage,
Bd. 1, Nürnberg 1804
Neben Maschinen, technischen Geräten und Werkzeugen sammelt das LWL-Freilichtmuseum Hagen auch kultur- und sozialgeschichtliche bedeutende Zeugnisse der Handwerks- und Technikgeschichte vom ausgehenden 18. Jahrhundert an. Dazu gehören auch historische Darstellungen von Handwerken in Literatur und Bild. Mit seiner jüngsten Erwerbung konnte das LWL-Freilichtmuseum Hagen hierbei eine wichtige Überlieferungslücke schließen.
In seiner »Beschreibung der gemeinnützlichsten Künste und Handwerke«, die 1788/90 erstmals in Nürnberg erschien, stellte der Pädagoge und Theologe Johann Peter Voit (1747–1811) insgesamt 86 Handwerksberufe dar, wie sie am Ende des 18. Jahrhunderts ausgeübt wurden. Beschrieben werden ihre Entstehung und Bedeutung sowie die für die Ausübung notwendigen Kenntnisse. Dazu schildert er Arbeitsgänge und Ausbildungswege. Seine Ausführungen richtete Voit speziell an bürgerliche Jugendliche, um sie für handwerkliche Berufe zu interessieren. Mit seinem pädagogischen Ansatz ist das Buch eine wichtige Quelle für die Entwicklung des gewerblichen Ausbildungswesens.
Die Handwerke sind jeweils mit Kupferstichen von Ambrosius Gabler (1762–1834) und Georg Vogel (1767–1810) bebildert. Sie sind durchgehend koloriert und geben einen idealtypischen Einblick in Werkstätten um 1800. Das Buch steht damit zeitlich zwischen dem üblicherweise zu handwerksgeschichtlichen Fragestellungen herangezogenen Werk »Abbildung und Beschreibung der gemein-nützlichen Hauptstände« von Christoph Weigel aus dem Jahre 1698 und den sogenannten Esslinger Blättern, die Handwerksberufe in der Zeit um 1835 illustrieren.
Voits »Beschreibung der gemeinnützlichsten Künste und Handwerke« ist ein überaus seltenes Werk, das nur sechs deutsche Bibliotheken in ihrem Bestand haben. Das Deutsche Museum in München zählt sein Exemplar zu den besonderen Kostbarkeiten der Sammlung.