Nahrung und Genussmittel

Das Foto zeigt Zigarren.
Die westfälischen Spezialitäten, Schinken, Schwarzbrot, Bier und Schnaps sind berühmt. Die Küche ist bodenständig und nahrhaft. Der Bereich der Nahrungs- und Genussmittelproduktion ist ein bedeutender Teil der Handwerksgeschichte Westfalens, zu dem das LWL-Freilichtmuseum Hagen einen exemplarischen Überblick gibt.

Gleich zwei Standorte des Museums sind der Verarbeitung eines Grundnahrungsmittels des Menschen gewidmet: dem Getreide. In der Getreide- und Dampfmahlmühle werden traditionelle Techniken der Mehlgewinnung gezeigt. Die zwei Mühlen sind daneben aber auch Beispiele für die Entwicklung von Antriebstechniken, von der Nutzung der Windkraft bis zum Einsatz von Dampfmaschinen in Deutschland seit den 1820er Jahren.  

Die Weiterverarbeitung von Getreide zu Brot geschieht in der Museumsbäckerei. Gebacken wird in einem historischen Schanzenofen. Das Brot gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Erzeugnissen des Museums. Als Malz spielt Getreide aber auch in der Bierbrauerei eine zentrale Rolle. Die Museumsbrauerei entspricht der Größe und dem technischen Stand einer Hausbrauerei. Hier sind die Herstellungsprozesse des eigenen Museumsbieres, des Mäckingerbräus, zu sehen, das in der Gastronomie und im Museumsshop verkauft wird. Ebenso basierte die westfälische Branntweinerzeugung neben Kartoffeln und Obst im Wesentlichen auf Getreide. Denn bis ins 19. Jahrhundert wurde vorwiegend Kornbranntwein destilliert. In der Brennerei des Freilichtmuseums werden heute allerdings hauptsächlich Obstbranntweine hergestellt.

Dass Genussmittel-Gewerbe ganze westfälische Landstriche prägen konnten, zeigt das Beispiel der ostwestfälischen Kreise Minden-Lübbecke und Herford. Sie entwickelten sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu Zentren der Zigarrenproduktion. In der Tabakfabrik des LWL-Freilichtmuseums Hagen werden eine Ausstellung und Vorführungen zu diesem einstmals bedeutenden Gewerbezweig gezeigt.

Der Bereich Nahrung und Genussmittel umfasst darüber hinaus eine historische Kaffeerösterei, eine Essigbrauerei und Senfmühle sowie einen Kolonialwarenladen mit Fleischerei und angeschlossener Räucherei. Bis ins 20. Jahrhundert waren solche Betriebe häufig in Dörfern und Städten zu finden, heute sind sie fast vollständig verschwunden.