
Unsere Dörfer bestehen nicht nur aus Gebäuden, Straßen und Plätzen. Sie werden auch durch ihre Gärten geprägt. Um die Vielfalt in den Gärten der Region geht es in einem Modellprojekt des LWL-Freilichtmuseums Detmold. Das Projekt, das vom Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem Büro für Vegetationskunde, Tierökologie und Naturschutz (BfVTN) betreut wird, ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) gefördert.
Der ländliche Garten ist traditioneller Bestandteil von Dörfern. Er diente vor allem der Selbstversorgung und beinhaltet deshalb von je her eine große Auswahl an Gemüse- und Obstsorten, Gewürz- und Zierpflanzen sowie Heilkräutern. Die Gärten sind historisch gewachsen und harmonisch in die Umgebung und das Ortsbild eingefügt.
Doch diese Gärten und ihre Vielfalt an Nutz- und Zierpflanzen sind zunehmend bedroht. Immer mehr Nutzgärten werden aufgegeben. Damit gehen auch ein Stück Geschichte, Tradition und Lebensweise und viele Pflanzen verloren. Die Dörfer verlieren ihr typisches Ortsbild. Wichtige Genreserven für die Ernährung und medizinische Versorgung drohen für immer in Vergessenheit zu geraten. Denn bei den kommerziell angebauten und im Handel befindlichen Nutz- und Zierpflanzen handelt es sich um wenige Arten und Sorten, die durch Züchtung stark verändert worden sind.
Das LWL-Freilichtmuseum in Detmold hat sich zur Aufgabe gesetzt, diesem Trend entgegenzuwirken. In dem dreijährigen Forschungs- und Entwicklungsprojekt soll bis Herbst 2014 modellartig untersucht werden, wie die Arten- und Sortenvielfalt von traditionellen Nutz- und Zierpflanzen in ländlichen Gärten der Region Westfalen-Lippe erhalten und verbessert werden kann.
Dazu soll in einem ersten Schritt eine Erfassung des aktuellen Bestands einzelner Gärten und ihrer Artenvielfalt in Beispielregionen Westfalens durchgeführt werden. Zudem sollen im Gespräch mit den Besitzern die traditionelle Verwendung der Kulturpflanzen in Erfahrung gebracht werden. Lokale Pflanzensorten mit bemerkenswerten Eigenschaften werden gesammelt und im LWL-Freilichtmuseum vermehrt, um sie später an Interessenten abzugeben.
Auf diese Weise soll das LWL-Freilichtmuseum zu einem Informationszentrum für biologische Vielfalt im ländlichen Gartenbau ausgebaut werden, in dem das Wissen über die Herkunft, Geschichte, regionale Verbreitung, Eigenschaften, historische Nutzung und aktuelle Verwendung der Kulturpflanzen gesammelt wird. Tauschbörsen, Ausstellungen, Vorträge, Führungen, Druck- und Internetveröffentlichungen sind Angebote, mit denen dieses Wissen Interessierten zugänglich gemacht werden soll.
Erstes Internationales Symposium zum Thema „Vielfalt ländlicher Gärten als kulturelles Erbe”
23. - 25. Mai 2013, LWL-Freilichtmuseum Detmold
Thema des Ersten Internationalen Symposiums ist der Erfahrungsaustausch über nationale Bemühungen und über die Gründung eines „Europäischen Netzwerkes Gartenerbe”.
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Einreichung von Vorträgen unter:
LWL-Freilichtmuseum Detmold
Krummes Haus
32760 Detmold
E-Mail
Sie haben traditionelle Nutz- und Zierpflanzen in Ihrem Garten? Oder möchten solche Pflanzensorten in Ihrem Garten kultivieren? Dann melden Sie sich unter:
Büro für Vegetationskunde, Tierökologie und Naturschutz (BfVTN)
Denz.Gartenvielfalt@t-online.de
oder beim LWL-Freilichtmuseum Detmold
lwl-freilichtmuseum-detmold@lwl.org
Tel. 05231/706-0.