Denkmalpflege in Westfalen-Lippe. Aufsätze und Berichte der Jahre 2005 bis 2009 (= Zeitschrift Westfalen 88. Band 2010). Münster 2012. 600 Seiten 379 z.T. col. Abb. ISSN 0043-4337, 89,00€.
Traditionell erscheint der so genannte Denkmalpflegebericht in einem Turnus von fünf Jahren in der Zeitschrift Westfalen. Wie in der Vergangenheit beschränkt er sich auch dieses Mal nicht auf kurzes Berichten denkmalpflegerischer Aktionen an einzelnen Denkmälern während des Berichtszeitraumes 2005 bis 2009. Vielmehr finden sich ausführliche Beiträge zu insgesamt etwa 100 ausgewählten Objekten aus der westfälischen Denkmallandschaft, die in den zurückliegenden fünf Jahren in mancher Hinsicht beispielhaft die Arbeit unseres Amtes im Bereich der Denkmalpflege illustrieren können. Sie sind übersichtlich alphabetisch nach Orten gegliedert und werden ergänzt durch zwei Beiträge mit überregionalen Bezügen, wobei sich der eine auf den historischen Verlauf des Stichkanals des Dortmund-Ems-Kanals und der andere allgemeiner auf Parkpflegewerke von Parks und Gärten in Westfalen eingeht.
Ein Dokumentationsteil der Tätigkeiten unseres Amtes gibt dem Leser einen instruktiven Einblick in das Innenleben des (noch bis April 2009 so genannten) LWL-Amtes für Denkmalpflege und veröffentlicht die Aktivitäten seiner einzelnen Mitglieder im Berichtszeitraum.
Wissenschaftlich fundierte Aufsätze finden sich wie immer mit dem Schwerpunkt auf Bereiche der Inventarisation, Bauforschung und der praktischen Denkmalpflege mit den Themen: Bauten des ehemaligen freiweltlichen Damenstiftes Herdecke – Bauforschung im hochmittelalterlichen Domstift zu Paderborn – Der Ostturm von Schloss Rheda. Wehrturm, Wohnturm und geschichtliches Zeichen – Bis unters Dach. Neue Fragen an Burg Vischering – Denkmalschutz und Baudenkmäler in Offelten – Die statische Sanierung der mittelalterlichen Kirche St. Nikolai, Lemgo – Was geschah in den 1950er Jahren mit der Fromme-Orgel in Kloster Brunnen? Offene Fragen bei einer aktuellen Orgelrestaurierung.
Das stattliche Buch mit seinen 600 Seiten ist großzügig, z. T. farbig bebildert und mit seinem übersichtlichen Layout sehr ansprechend gestaltet. Eine breite Leserschaft sollte ihm damit sicher sein.
Fremde Impulse. Baudenkmale im Ruhrgebiet – 4. Westfälischer Tag für Denkmalpflege auf Schloss Cappenberg (= 10. Arbeitsheft der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen). Bönen 2011. 80 S., zahlr. col. Abb. ISBN 978-3-86206-138-9.
Mit dem neuen Arbeitsheft liegt die Dokumentation der Vorträge und Exkursionen des 4. Westfälischen Tag für Denkmalpflege, zu dem das LWL- Amt für Denkmalpflege in Westfalen das interessierte öffentliche Publikum zum 10./11. Juni 2010 auf Schloss Cappenberg bei Selm eingeladen hatte, vor. Die Veranstaltung war zugleich Bestandteil des Projekts "Fremde Impulse - Baudenkmale im Ruhrgebiet" - ein Beitrag der beiden Landschaftsverbände LWL und LVR zum Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010. Die Tagung wurde von rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv für Gespräche, Diskussionen und Weiterbildung genutzt.
Der Beitrag „Eine kleine Geschichte vorweg“ (Kay Bandermann) beleuchtet ganz konkret Journalismus und Denkmalpflege. Eine Zusammenarbeit ist für beiden Seiten unverzichtbar, um die Themen der Denkmalpflege auch der interessierten Öffentlichkeit gut zu vermitteln. Die vier Beiträge „Fremde Impulse. Das Denkmalprojekt zur Kulturhauptstadt“ (Barbara Seifen), „Reflexe: Das Ruhrgebiet und die Welt“ (Hans H. Hanke), „Männer aus Vreden pendeln ins Ruhrgebiet“ (Annette Menke) und „Milch in die Städte, Molkereien aufs Land. Landwirtschaft und Fremde Impulse. Das Beispiel Milchwirtschaft in Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert“ (Gisbert Strotdrees) beziehen sich ganz konkret auf das Denkmalprojekt zur Kulturhauptstadt. Weitere fünf Beiträge behandeln Denkmalobjekte im Ruhrgebiet und ihre verschiedenen Facetten: „Das ‚Goldene Wunder‘ in der Petrikirche in Dortmund“ (Dirk Strohmann), „Zur Konservierung und Restaurierung von Betonglasfenstern“ (Oliver Karnau), „Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Lünen“ (Ulrich Reinke), „Das Thorn-Prikker-Haus in Hagen“ (Danae Votteler) und „Kirchensanierungen im Ruhrgebiet“ (Hartmut Ochsmann). Die Exkursionsberichte „Schloss und ehem. Stiftskirche Cappenberg“ (Dirk Strohmann/Peter Barthold /David Gropp), „Lünen-Brambauer, Einwanderung von Polen“ (Ulrich Reinke), „Lünen, Bauten und Städtebau der 1950/60 Jahre“ (Sybille Haseley) und „Selm, Synagoge und Jüdischer Friedhof Bork“ (Saskia Schöfer/Barbara Seifen) runden den Blick in die Denkmalpflege vor Ort ab.
Zum ersten Mal war auch eine Preisverleihung Teil des Programms dieser Tagung. Die „Stiftung Kleines Bürgerhaus“ vergibt seit 2010 alle zwei Jahre den Preis „Scheinbar- unscheinbar“. Die Ansprache dazu wurde vom Stiftungsgründer Fred Kaspar gehalten und findet sich ebenfalls in diesem Arbeitsheft. Preisträger war im Jahr 2010 der „Förderverein Haus Kirchstr. 14“ aus Steinfurt, zwei Projekte wurden besonders ausgezeichnet: das „Schiefe Haus“ in Tecklenburg und die „Mendener Stiftung Denkmal und Kultur“ mit dem Haus An der Stadtmauer 5.
Gesamtdokumentation der Befunde im Jahr 2007, überarbeitet und ergänzt 2009 (= 9. Arbeitsheft des LWL-Amtes für Denkmalpflege in Westfalen). Münster 2011. ISBN 978-3-00-035019-1. 234 S. mit zahl. col. Abb.
Die Erfassung der noch vorhandenen historischen Landesgrenzsteine zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen wurde auf Initiative von ostwestfälischen Heimatpflegern und dem Eggegebirgsverein betrieben. In jahrelanger Kleinarbeit haben über 40 „Steinesucher“ geholfen, alle noch vorhandenen Steine aufzufinden und zu dokumentieren sowie auch die nicht mehr vorhandenen zumindest kartografisch zu erfassen. Die ältesten von ihnen stammen aus dem Jahr 1745, die jüngsten – als Ersatzsteine gesetzt – aus dem früheren 20. Jahrhundert. Konrad Waldeyer war an dem Unternehmen bereits seit der Mitte der 1980er Jahre maßgeblich beteiligt und hat nun in dem erschienenen Arbeitsheft die komplette Sammlung aller Grenzsteine im Gebiet vorgestellt. Historische Erläuterungen zur Territorialgeschichte betten sie in einen verständlichen historischen Zusammenhang. Historische Karten und übersichtliche Landschaftsfotografien verdeutlichen den damaligen markierten Grenzverlauf und bieten eine Vergleichsmöglichkeit mit der heutigen Grenzziehung. Sämtliche Steine sind farbig wiedergegeben und in einer exakten tabellarischen Beschreibung in einem Anhang festgehalten.
Für die Grenzsteinforschung nicht nur Nordrhein-Westfalens ist dieses Buch selber ein Meilenstein. Im denkmalpflegerischen Alltag zeigt es seinen großen Wert in seiner wertvollen Benutzbarkeit bei Fragen der Unterschutzstellung und findet Verwendung auch beim Verfassen von Denkmalwertbegründungen.