Vorrangige Aufgabe der Inventarisation ist die Auffindung, Erfassung und Erforschung der Denkmäler. Sie vermittelt allen Beteiligten, Eigentümern, Behörden, der Fachwelt und der Öffentlichkeit den ideellen und substanziellen Wert dieser Objekte. Bei den Auswahlkriterien stützen sich die Inventarisatoren und Inventarisatorinnen auf eine bald 200 jährige Tradition, die im Laufe der Zeit inhaltlich ständig verfeinert und für uns in Westfalen im § 2 des Denkmalschutzgesetzes NW festgelegt wurde: Benannt ist dort ein breites Spektrum von Gründen, aus denen sich für Erhaltung und Nutzung von Denkmälern ein öffentlichen Interesse ergibt. Vorrangig sind es historische Gründe aber auch gestalterische Merkmale, die im Zusammenspiel von ideellen Werten mit an die materielle Substanz der Sachen gebundenen Merkmalen den Schutz ausgewählter Bauten, Anlagen und ihrer Ausstattung bedingen.
Je nach Zielrichtung der Erforschung können die Denkmäler z. B. listenmäßig, als Einzelobjekte, nach Gattungen, in ihrem topographischen Zusammenhang und schließlich umfassend im regional gegliederten großen Denkmalinventar, das hohen wissenschaftlichen Ansprüchen Genüge tut, dargestellt werden. Zur Anwendung kommt dabei das Werkzeug des Historikers wie das Studium der Schriftquellen, Urkunden, Akten und Literatur, kunsthistorische, volkskundliche und Methoden der historischen Geographie ebenso wie naturwissenschaftliche der Vermessung und Materialanalyse. In Theorie und Praxis werden die Untersuchungsmethoden laufend verfeinert und neuen Erkenntnissen angepasst. In vielen Fällen wird die Denkmälerinventarisation dabei von der Bauforschung unterstützt und vertieft. Die Analyse der Baudenkmäler und die Veröffentlichung der Ergebnisse (Denkmalpflege in Westfalen-Lippe und Veröffentlichungen) dienen den Denkmaleigentümern, die selbstverständlich zusätzlich direkt von den Denkmalbehörden und unserem Amt beraten werden, der Öffentlichkeit und der weiterführenden Forschung gleichermaßen. Nicht zuletzt sind sie ein Beitrag zur westfälisch-lippischen Geschichtsschreibung insgesamt, bzw. seiner Regionen und Gemeinden ausgehend von den materiellen Hinterlassenschaften, die die Umwelt prägen. Sie verständlich zu machen, für unser kulturelles Erbe zu werben ist ein wichtiges Anliegen der Denkmalpflege, das die Akzeptanz und somit die dauerhafte Erhaltung dieser Werte zum Ziel hat. Die Inventarisation, also die Erfassung und Erforschung der Denkmäler, bildet die Grundlage und Voraussetzung für die sich anschließende Arbeit der praktischen Denkmalpflege und der Restaurierung. Neben der wissenschaftlichen Untersuchung und Erforschung der Denkmäler nimmt sie die fachliche Beratung und Erstattung von Gutachten in allen Angelegenheiten des Denkmalschutzes wahr und unterstützt die unteren und oberen Denkmalbehörden bei den ihnen übertragenen Unterschutzstellungsverfahren. (Eintragung in die Denkmalliste). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Inventarisation sind in jeweils fest zugewiesenen Regionen zuständig. Kirchenausstattungen, Siedlungen, Gärten, gestaltete Landschaftsteile (Gartendenkmalpflege) und auch Technische Kulturdenkmäler werden gebietsübergreifend für ganz Westfalen-Lippe betreut.
Bauforschung widmet sich der genauen Darstellung einzelner Gebäude und ihrer baugeschichtlichen Genese. Zu diesen Forschungen am Einzelobjekt gehören die Analyse der Baustruktur und -substanz, ihre zeichnerische und fotografische Erfassung sowie das Heranziehen überlieferter archivarischer Quellen und die wissenschaftliche Einordnung der Befunde. Ihr Einsatz steht häufig in Zusammenhang mit Maßnahmen der Praktischen Denkmalpflege, die die Ergebnisse als Grundlage für ihre Entscheidungen benötigt oder während des Bauvorgangs auf verdeckte Bauspuren stößt, die Anlass zu weiteren Untersuchungen geben. Die Dokumentation und Auswertung von Zuständen und Befunden vor, während und nach einer denkmalpflegerischen Maßnahme kann von grundlegender Bedeutung für kurzfristige Entscheidungen, aber auch künftige Forschungen und Restaurierungen sein. Bauforschung ist bedeutsam für Erkenntnisse über den jeweiligen Stand der Bauentwicklung, Bautechnik und des Handwerks, aber auch über die Lebensumstände im jeweiligen Objekt.