Das Veerhoffhaus in Gütersloh Am alten Kirchplatz 2
Zum Denkmal des Monats Dezember wählt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
das Veerhoffhaus in Gütersloh.
Das markante Fachwerkgebäude ist Teil der malerischen Kirchringbebauung an der Apostelkirche im Herzen der Stadt. Seinen Namen hat das Gebäude nicht von seinem Erbauer, sondern von einem späteren Eigentümer, dem Musikalienhändler Ludwig Arnold Veerhoff erhalten.
Im ersten Bauabschnitt 2009 wurde das Dach neu eingedeckt. Die schiefen Dachflächen wurden dabei bewusst vom Dachdecker nicht ausgeglichen, sondern beibehalten. Bei der Gelegenheit wurde das Gebäude besonders im Bereich des Dachstuhls eingehend durch den Bauforscher der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, Dr. Fred Kaspar, erforscht.
Das Gebäude besteht aus drei Teilen. Der älteste Teil wurde 1648 errichtet und ist ein zweistöckig verzimmerter Fachwerkbau zum Teil mit Zwischengeschoss. Er ist traufenständig zwischen Kirchplatz und Kirchstraße gestellt. Ihm wurde 1708 der Wirtschaftsteil mit Deelentor vorgelagert. Dieser wurde 1779 noch einmal aufgestockt. Das Obergeschoss kragt zur Kirchstraße vor. 1790 entstand der dritte Gebäudeteil: ein selbstständig verzimmerter, im rechten Winkel angeordneter Wohnanbau, der auf dem Kirchhof steht. Das altehrwürdige Gebäude ist mit schmuckvollen Inschriften, geschnitzten Konsölchen (Knaggen) und Fächerrosetten versehen.
In den 1970er Jahren, war das Fachwerk unsachgemäß, wie so oft in dieser Zeit, mit einem nicht atmungsaktiven Anstrich versehen worden, was über die Jahrzehnte zu erheblichen Schäden an den Hölzern geführt hatte. Zuvor hatte man Unebenheiten an den Hölzern zusätzlich mit Spachtelmasse begradigt. In einem zweiten Bauabschnitt wurde daher das Fachwerk zunächst von den sperrenden Anstrichschichten und Spachtelungen befreit durch vorsichtiges Strahlen, da ein manuelles Entfernen oder Abbeizen der dicken Farbschichten nicht mehr möglich war. Der zementhaltige Putz auf den Ausfachungen wurde entfernt. Das Fachwerk wurde zimmermannsmäßig repariert und die Schmuckmotive, wo nötig ergänzt. Die Gefache wurden bündig mit mineralischem Putz neu verputzt. Anschließend wurden die Hölzer mit einem diffusionsoffenen Anstrich versehen und die schönen Schnitzarbeiten und Inschriften nach Befund wieder farbig gefasst. Die historischen Fenster wurden erhalten, und soweit noch nicht vorhanden, zu Kastenfenstern ausgebaut.
Im Innern wurden Holzböden freigelegt, abgeschliffen und geölt. Die prächtige Rokokotreppe in der Eingangshalle und zugehörige Türen und Wandschränke wurden ebenfalls aufgearbeitet und neu gestrichen und bilden einen großartigen Blickfang für den eintretenden Besucher. Teile einer bemalten Holzdecke mit Rankenmalerei wurde im Obergeschss während der Bauphase gefunden und zum Teil sichtbar gemacht. Statt der herkömmlichen Heizkörper wurde eine Wandheizung in Form von Heizschlangen unter Lehmputz verlegt.
Der Kunstverein des Kreises Gütersloh, der seit 1973 in dem Gebäude beheimatet ist, hat die Räume inzwischen wieder bezogen. Für seine Zwecke sind sie schlicht weiß gestrichen, um die ganz verschiedenartigen Ausstellungen zur Geltung kommen zu lassen. Am 16.09.11 wurde das Gebäude nach gelungener Sanierung wieder eingeweiht.
Dr. Barbara Pankoke
Das Dreizehnlindenhaus in Höxter-Corvey
Die Errichtung des einzigartigen Gebäudes steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der heute weitgehend vergessenen letzten Epoche des tausendjährigen geistlichen Lebens von Corvey. Nach langen Überlegungen über die Zukunft hatte man 1792 die päpstliche Erlaubnis erhalten, die Benediktinerabtei in ein Fürstbistum umzuwandeln. Damit wurden der Abt 1794 zum Fürstbischof, die Mönche zu Domherren ernannt.
Verbunden mit dieser Umwandlung waren weitreichende Veränderungen bei der inneren Struktur des Klosters und der zugehörenden Wirtschaft. Fortan lebten die Domherren nicht mehr in einer abgeschlossenen Klausur, sondern erhielten eigene Wohnungen; der bislang umfangreiche landwirtschaftliche Eigenbetrieb des Klosters wurde insgesamt verpachtet. Als wichtigen Beitrag dieses Umwandlungsprozesses errichtete man auch einen einzigen größeren Neubau: Dieser wurde an das Ende der Zufahrt von Höxter nach Corvey südlich unmittelbar vor dem Tor des Klosterbezirkes gestellt, so dass ihm ein großes Gewicht im weit in die Landschaft wirkenden Gesamtgefüge des Klosters zukam. Der exponierten Lage entsprechend sollte der Neubau als „Neues Gasthaus“ viele wichtige Aufgaben übernehmen: Es sollte Hotel und Casino, aber auch Gasthaus und Weinhandelshaus sein.
Erst 1907 wurde der heutige Name „Dreizehnlinden-Haus“ in Erinnerung an das berühmte, im Raum Corvey spielende Versepos des Driburger Arztes Friedrich Wilhelm Weber (1813 – 1894) gewählt.
Das Erdgeschoss des Hauses wurde alltäglich genutzt: Rechts des breiten Eingangsflures richtete man eine Gastwirtschaft mit großer Küche und den anschließenden Wohnräumen des Pächters ein, wobei es von hier aus einen eigenen Zugang zu dem riesigen unter dem Bau befindlichen Gewölbekeller gab. Hierdurch konnte von der Gastwirtschaft aus auch der für das Bistum zentralisierte Weinhandel abgewickelt werden. Da das Haus als zweite Aufgabe auch der Versorgung des zum Domstift gehörenden Priesterseminars diente, schuf man im linken Teil des Erdgeschosses einen von der Außenwelt abschließbaren Klausur-Bereich mit einem zur Straße gelegenen Speisesaal für die Studenten. Zudem konnten sie hier mit den Domherren zusammen ihre Freizeit verbringen, weswegen es zur Hofseite auch einen eigenen Billardsaal gab. Als dritte Aufgabe sollte der Neubau sowohl der Übernachtung, der Verköstigung und dem gesellschaftlichen Leben hochstehender Personen dienen, die den Bischof als neuen „Landesherren“ besuchten. Hierzu richtete man die beiden über ein breites Treppenhaus erschlossenen Obergeschosse ein: Mittelpunkt wurde ein großer Tanz-Saal mit anschließenden Spiel- und weiteren Nebenzimmern. Beidseitig breiter Flure wurden darüber hinaus sechs mehrräumige Gästeappartements geschaffen.
Der Betrieb des Hauses wurde in modernster Weise einem Gastwirt als Unternehmer verpachtet. Ihm wurde die Versorgung der Priester pauschal erstattet, während er die Unterbringung von „Staatsgästen“ einzeln abrechnen konnte.
Bei der Errichtung ahnte allerdings niemand, dass das Fürstbistum Corvey schon wenige Jahre später - 1803 - im Zuge der Revolutionen wieder aufgelöst werden sollte. Damit verlor das Haus auch seine wirtschaftliche Grundlage. Zwar wurde es noch bis 1942 als Gasthaus und Hotel weiter betrieben, doch waren die Erträge fortan nur noch so gering, dass es nie im größeren Umfang verändert und modernisiert worden ist. So hat sich bis heute ein großer Teil der bauzeitlichen Innenstrukturen erhalten. Hierzu gehören die aufwändigen Türen ebenso wie die Feuerungsanlagen der Öfen, aber auch die ungewöhnlich luxuriöse Anlage von fünf innerhäusigen Toiletten.
Vor dem Hintergrund des großen Anspruchs und der vielen speziellen Aufgaben, den der Bau bei seiner Errichtung erfüllen sollte, ist das Gebäude zu einer einzigartigen Quelle für die Geschichte des Hotelbaus geworden. Es dürfte zu den wenigen Hotelbauten des 18. Jahrhunderts in Deutschland gehören, die auch in den inneren Strukturen noch weitgehend ablesbar überliefert geblieben sind.
Augenblicklich wird die dringend notwendige Sanierung des Gebäudes vorbereitet, das fortan wieder seine historische Aufgabe als Gästehaus übernehmen soll.
Dr. Fred Kaspar
Wandmalereien in der katholischen Pfarrkirche Mariä Geburt in Paderborn-Neuenbeken
Die kath. Pfarrkirche Mariä Geburt in Neuenbeken wurde 1210 zum ersten Mal urkundlich genannt. Die Kirche besteht aus einem regionalen Kalkstein, die Ecken und Fenstergewände sind aus rotem Eggesandstein gefertigt. Im Grundriss zeigt die Kirche die Form eines lateinischen Kreuzes. Der einschiffige, einjochige Zentralbau mit Querschiff und quadratischem Chor besitzt einen neuen und einen alten Sakristeianbau. In den Ostwänden der Querhausarme sind flachrechteckige Nischen angelegt.
Die Raumschale weist heute eine in den 1960er Jahren weitgehend rekonstruierte ornamentale Ausmalung nach mittelalterlichem Befund auf, mit einer seit der zweiten Hälfte des 12. Jhs. im Weserraum üblichen Gestaltung durch Quaderung und Ornamentbordüren. Hier zeigen die Gewölbesegel gemalte Lebensbäume, die mit Vögeln verziert sind.
In den Querhäusern der Kirche befinden sich die in die Zeit um 1230 datierten Wandmalereien.
Die Westwand des nördlichen Querhauses wird durch eine aufwändige Abendmahlsdarstellung geschmückt, die unten durch das umlaufende Ornamentband der Wände begrenzt wird.
Das südliche Querhaus weist an der Westwand die in weiten Teilen erhaltene Darstellung der Kreuzabnahme Jesu auf, flankiert von den beiden gekreuzigten Schächern. Weiterhin haben sich große Fragmente der Marienfigur, des Joseph von Arimathia, des Jüngers Johannes und des Nikodemus erhalten.
Diese romanischen Malereien wurden in späterer Zeit überdeckt und 1864 ziemlich grob freigelegt. Im Anschluss daran erfolgte 1865 eine Übermalung der freigelegten Malereien und des gesamten Kirchenraumes durch den Maler Wittkop im neoromanischen Stil. 1922 fand eine erneute Freilegung der Malereien durch den Maler Kraft statt. Der Kunstmaler Soetebier übermalte diese anschließend wieder.
1963/ 64 wurden diese Übermalungen entfernt, der Originalbestand restauriert und retuschiert. Die enorme Verschmutzung der Gewölbemalereien veranlasste 2002 das Westfälische Amt für Denkmalpflege, die Malereien sehr detailliert untersuchen zu lassen und nach Erstellung eines Restaurierungskonzeptes einer erneuten Restaurierung zu unterziehen.
2002 konnte im Rahmen einer Diplomarbeit ein Restaurierungskonzept für die Abendmahlsdarstellung erstellt werden. 2009 erfolgten weitere Voruntersuchungen und 2010 wurde die Kirche einschließlich der Wandmalereien umfangreich restauriert.
Durch die durchgeführten Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten werden die wertvollen Wandmalereien nachkommenden Generationen überliefert. Die Restaurierungsarbeiten verbesserten die Lesbarkeit der mittelalterlichen Wandmalereien deutlich.
Im Chor konnten in der Gewölbekappe nach eingehenden restauratorischen Untersuchungen nur sehr geringe spätromanische Malereireste einer Majestas Domini-Darstellung gefunden werden. Hier wurde eine Neuschöpfung einer thronenden Christusfigur in der Mandorla mit den vier Evangelistensymbolen in die bestehende Raumausmalung durch den Künstler Radi Tatic integriert.
Diplom-Restaurator (FH) Leonhard Lamprecht
Mitten in der Altstadt auf einem großen Gartengrundstück - ein Teil davon ist als „Pastors Hölzchen“ bekannt - liegt das sogenannte Haus Thoholte, im Mittelalter einer der größten Höfe von Geseke. Es ist einer der baugeschichtlich und nutzungsgeschichtlich besonders spannenden und aufschlussreichen Bauten der Stadt. So ist seine Geschichte von Heimatforschern schon bis ins frühe 14. Jahrhundert zurückverfolgt worden. Gleichwohl war noch bis in die 1970er Jahre fraglich, ob Haus Thoholte überhaupt erhalten werden kann. Seitdem ist aber seine Bedeutung und Denkmaleigenschaft unstrittig und das Haus wird instandgehalten und genutzt. Es besteht eigentlich aus zwei Teilen, einem jüngeren im vorderen Bereich, der wohl in barocker Zeit errichtet wurde, und einem älteren Steinbau im hinteren Teil aus dem 16. Jahrhundert.
Die Mauern von Haus Thoholte können viel erzählen über die Geschichte seiner Bewohner und der Stadt. Im 16. Jahrhundert wird das Haus als „Grevenhof“ bezeichnet, bevor es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den Besitz des Bischofs von Paderborn, Dietrich IV. von Fürstenberg, gekommen ist. Nach mehreren Besitzerwechseln kam das Haus 1856 an den Kaufmann Johann Philipp Thoholte, dem das Haus seinen heutigen Namen verdankt. Sein Sohn betrieb dann zeitweise eine Zigarrenfabrik im Haus. 1978 übernahm die Stadt Geseke Haus Thoholte, die in den folgenden Jahren für die Erhaltung sorgte und notwendige Restaurierungsarbeiten vorgenommen hat. Die wechselvolle Geschichte von Haus Thoholte ist also überaus spannend und muss noch zusammengestellt werden. Der LWL-Kulturdienst für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen unterstützt die Erforschung des Hauses durch eine bauhistorische Untersuchung von Peter Barthold mit Analyse dendrochronologischer Proben sowie eine begleitende Untersuchung durch Dipl.-Rest. Sigrid Engelmann M.A., die ein genaues Aufmaß einer Wandscheibe mit spätgotischem Schornstein im Dachraum vornimmt. Eine echte Gemeinschaftsarbeit.
Anlass für die Herausstellung von Haus Thoholte als Denkmal des Monats August 2011 ist die vor wenigen Wochen jüngst abgeschlossene Restaurierung im Innern, bei der die Räume im Erdgeschoss für ein Café und Bistro eingerichtet worden sind. In Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurden die historischen Strukturen wie die Decken und Raumgrundrisse wo immer möglich erhalten. Das neue „Café-Gasthaus Thoholte“ kann so die jahrhundertelange Tradition des Ortes als besondere Attraktivität nutzen und für sich in Wert setzen. Um auch den großen Saal im hinteren Gebäudeteil, dem sog. Steinwerk, für größere Gesellschaften und Feste nutzen zu können, musste eine Fluchttreppe angebaut werden. Das ist aus denkmalpflegerischer Sicht zwar überhaupt nicht wünschenswert, musste aber aus Brandschutzgründen akzeptiert werden - auch, um dem Haus eine langfristige Nutzungsperspektive zu ermöglichen. Für die Anordnung und Gestaltung der zusätzlichen Treppe musste nun eine vertretbare und allen Anforderungen genügende Lösung gefunden werden. Am Haus Thoholte ist diese Aufgabe nun dank der unermüdlichen Hilfe des ehrenamtlich Beauftragten für Denkmalpflege der Stadt Geseke, Dipl.-Ing. Hubertus Kersting, bravourös gelöst worden. Es war nämlich gar nicht so leicht, eine Stelle im historischen Mauerwerk des Steinwerks zu finden, die geeignet war für einen mannshohen Durchbruch. Nach sorgfältiger Erkundung der in Frage kommenden Wand konnte dafür nach Dokumentation eine wieder aufgedeckte Fensteröffnung des 19. Jahrhunderts genommen werden. Um die unvermeidlich eintretende störende Wirkung der notwendigen Treppe so gering wie möglich zu halten, ist sie von Hubertus Kersting aus modernen Materialien in ganz schlichter Form entworfen worden. Gegenüber anderen, ebenfalls geprüften Varianten, hat die neue Fluchttreppe den Vorteil, dass sie vom Denkmal zwar gebührenden Abstand hält, aber optisch nicht mehr als unbedingt nötig über die Kante des Vordergebäudes hervortritt.
Der Bau- und Nutzungsgeschichte von Haus Thoholte ist mit Abschluss der jüngsten Arbeiten ein neues Kapitel hinzugefügt worden. Die Bürger und Gäste von Geseke haben nun in ihrer Altstadt einen besonderen Attraktionspunkt gewonnen, der auch wegen der Neugestaltung seiner unmittelbaren Außenanlagen zum Nachsinnen über die Geschichte der Stadt einlädt.
Dr. Oliver Karnau
Bochum-Hiltrop, Erlöserkirche
Auf einer Anhöhe an einer Straßenkreuzung zwischen Bochum, Herne und Gerthe erhebt sich in städtebaulich herausragender Lage die evangelische Erlöserkirche in Bochum-Hiltrop. Für den Besucher ist der Aufstieg zur Kirche beeindruckend: Über eine breit angelegte Treppenanlage mit Bruchsteinmauern erreicht man einen großzügigen Vorplatz. Die Platzsituation wird geprägt von der repräsentativen Turmfassade. Der querrechteckige Westturm ist halb in das Kirchenhaus eingestellt, seitlich wird er flankiert von polygonalen Treppentürmen und offenen Vorhallen. Den Außenbau prägen neben dem rustikal und zugleich malerisch wirkenden Mauerwerk aus rötlich-braunem Ruhrsandstein die zumeist schlitzartigen Fensteröffnungen, die am Langhaus in je sechs Gruppen zu drei Fenstern mit höherer Mittelbahn gegliedert sind.
Nachdem die über mehrere Jahre andauernden Außensanierungen jüngst beendet worden sind und auch noch eine Rampe zur barrierefreien Erschließung angebaut werden konnte, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das Gotteshaus zum Denkmal des Monats gekürt.
Im März 1925 hatte man nach Plänen des namhaften evangelischen Kirchenarchitekten Karl Siebold, damals auch Leiter des Provinzialkirchlichen Evangelischen Bauamtes in Bielefeld, mit dem Bau des Gotteshauses begonnen. Nach einer zeitweiligen Bauunterbrechung aufgrund mangelnder Mittel konnte der Bau mit Unterstützung der Zeche Constantin wieder fortgeführt werden, so dass schließlich im Juli 1927 die Erlöserkirche eingeweiht werden konnte. Seitdem ist die Erlöserkirche das größte Kirchengebäude der Stadt. Seine Gestaltung bezeugt mit der schöpferischen Verarbeitung historischer Formen die eigenständige Entwicklung des Architekturstils Karl Siebolds vom reinen Historismus der Jahrhundertwende bis zur Einbeziehung expressionistischer Tendenzen der 1920er Jahre. Zugleich ist die Erlöserkirche auch eines der wichtigsten evangelischen Kirchengebäude der Zwischenkriegszeit in Westfalen.
Die Sanierungsarbeiten begannen 2005 als man im ersten Bauabschnitt sämtliche Dachlatten erneuerte und die komplette Dachfläche mit naturroten Tonziegeln neu eindeckte. In weiteren Bauabschnitten wurden die Turmfassaden und die Fassaden des Kirchenschiffes instand gesetzt. Fast alle Fugen wurden ausgearbeitet und erneuert. Lose Schalenbildungen des Ruhrsandsteins wurden entfernt und bis zum gesunden Kern zurückgearbeitet. Je nach Erfordernis wurde geschädigtes Material aufgearbeitet oder durch Vierungen ersetzt. In einem weiteren Bauabschnitt konnte die Freitreppenanlage saniert werden, die den Hauptzugang von der Frauenlobstraße zum Hauptportal der Kirche bildet.
Das Gelingen der sich über lange Jahre hinziehenden Sanierung ist maßgeblich dem beispielhaften Engagement einiger Kirchenmitglieder und dem eigens gegründeten Förderverein zu verdanken. So konnten die Baukosten vornehmlich aus Spendengeldern finanziert werden. Aber auch die Denkmalförderung des Landes NRW und ergänzende Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz stellten die Finanzierung sicher.
Dipl.-Ing. Hartmut Ochsmann
Der Rauchgaskamin auf dem Steinberg in der Gemeinde Bestwig (Hochsauerlandkreis) ist Denkmal des Monats
Bei diesem Rauchgaskamin handelt es sich um einen aus Bruchstein errichteten, leicht konisch zulaufenden Kamin mit einer quadratischen Grundfläche von rund 5 auf 5 Metern und einer Mauerstärke von 1,5 Metern. Ein kräftiges, umlaufendes Gurtgesims markiert den Übergang vom Sockel zum aufgehenden Schaft. Die heutige Höhe des Kamins beträgt rund 9 Meter. Öffnungen unter Rundbögen, zwei kleine und eine große, dienten dem Zugang.
Dieser Kamin markiert ein wichtiges technik-, wirtschafts- und ortsgeschichtliches Zeitfenster in der Geschichte der Gemeinde Bestwig und des Ramsbecker Bergbaureviers der Zeit zwischen 1854 und 1860.
Die in dem rund 140 km² großen Ramsbecker Revier - erstmals urkundlich im Jahr 1518 erwähnt - anstehenden Erze wurden zu Blei, Zink und Silber verhüttet. Die damalige Bedeutung dieses Reviers für das kurkölnische Erzbistum, den Grundherrn, führte 1559 zur Verleihung der Bergfreiheit an Ramsbeck. Damit verbunden waren unter anderem die Befreiung von Abgaben und die Nutzung der Wasserkräfte.
In den folgenden Jahrzehnten erfuhr das Ramsbecker Revier ein wirtschaftliches Auf und Ab, welches aber 1815 durch den Zusammenschluss von Bergbaubetrieben zu der Ramsbecker Gewerkschaft in ein ruhigeres Fahrwasser geführt werden konnte.
Eine wirtschaftliche Boomphase, ein wahrer Entwicklungsrausch, setzte ein mit der Übernahme der Ramsbecker Gruben durch die Stolberger Gesellschaft im Jahr 1854. Deren Generaldirektor Henry Marquis de Sassenay verfolgte das Ziel, in Ramsbeck das größte Industriezentrum Europas zu entwickeln. Er strebte an, jährlich 15.000 Tonnen Blei und 22.000 Tonnen Zink zu produzieren.
Um die bestehenden Bergbaubetriebe entsprechend auszubauen, wurden unter anderem aus dem Harz rund 1000 Bergleute angeworben und in Neugründungen wie Neu-Andreasberg angesiedelt. Des Weiteren wurden Pochwerke zur Aufbereitung der Erze und weitere Anlagen sowie zwei Hütten für die geplante Verarbeitung von 30.000 Tonnen Bleierz gebaut.
Eine dieser Schmelzhütten entstand in Ramsbeck, die andere in Ostwig, die Friedrich-Wilhelm-Hütte. Allein in den letzteren Standort wurden damals rund 1 Millionen Taler investiert.
Beide Hütten lagen in Tälern. Daher mussten deren im Schmelzprozess entstehende hochgiftige und deshalb toxisch wirkende Abgase und Stäube oberhalb der Bergkämme in höhere Luftschichten abgeführt werden, damit die Umweltbelastung in den Auenbereichen verringert wurde. Gelöst wurde diese Aufgabe, indem von beiden Hütten aus jeweils zweizügige Abgasführungen, die sogenannten Füchse, den Hang aufwärts errichtet wurden und in einer gewissen Höhe über dem Tal in Kamine mündeten. Durch den natürlichen Zug in dem System konnten die Abgase dann in die oberen Luftschichten abgeführt werden.
Den damaligen Technikern standen für eine kostengünstige Lösung dieser Aufgaben nur wenige Mittel zur Verfügung, allem voran der örtlich anstehende Bruchstein und Kalkmörtel. Daraus erklärt sich, dass die in den Boden eingetieften und mit quadratischen Querschnitten ausgeführten Füchse aus Bruchsteinen mit Bruchsteindeckplatten hergestellt worden sind. Zweizügig sind die Füchse deshalb, um im laufenden Betrieb einen Fuchs stilllegen und die abgelagerten Stäube entfernen zu können.
Für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland können heute nur noch drei weitere Anlagen dieser Funktion im Bestand nachgewiesen werden. Eine von ihnen steht in Sachsen, eine Doppelanlage in Rheinland-Pfalz und die dritte in dem Nachbarort Ramsbeck.
Da die Ergiebigkeit des Erzvorkommens in dem Ramsbecker Revier jedoch maßlos überschätzt worden war, brach das Unternehmen am 29. März 1855 wie ein Kartenhaus zusammen und der Generaldirektor hinterließ einen Schuldenberg von über 3.500.000 Talern. In Folge dieses Zusammenbruchs wurde der Weiterbau der Friedrich-Wilhelm-Hütte mit dem Weiterbau des Rauchgaskamins eingestellt und die Hütte selber später abgerissen. Als letztes Rudiment erinnert heute nur noch der Rauchgaskamin mit seinem Fuchs auf dem Kamm des Steinbergs an diese Boomphase; der folgende wirtschaftliche Kollaps stürzte aber auch viele Arbeiter und Bergleute dieses Reviers in das soziale Elend und löste eine unvorstellbare Auswanderungswelle aus.
Im Jahr 1974 führte die Gemeinde Bestwig eine Instandsetzung des Kamins auf dem Steinberg durch, um diesen Zeitzeugen zu erhalten.
Im Jahr 2009 erfolgte dann eine weitere umfassende Instandsetzung durch die Gemeinde, weil zwischenzeitlich die Witterung eine erhebliche Schädigung des Bruchsteinmauerwerkes und des Fugennetzes ausgelöst hatte. Die Finanzierung dieser Instandsetzung erfolgte mit Bundes-, Landes- und kommunalen Mitteln.
Um diesen Rauchgaskamin nicht nur als Zeitzeugen zu erhalten, sondern ihm auch eine weitere Funktion zu geben, wurde im Inneren eine stählerne Wendeltreppe eingestellt, um Besuchern den Blick über das Elpetal und den Ort Ostwig zu ermöglichen. Für diese Nutzung und deren Finanzierung setzten sich die Ostwiger Vereine ein, die mit Mitteln der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege in Düsseldorf unterstützt wurden.
Dipl.-Ing. Christian Hoebel
Das putzt ganz ungemein!
Mittelalterliche Inschrift im Keller von Burg Dringenberg
Große Aufmerksamkeit haben Wandputze der ehemals bischöflichen Burg Dringenberg schon früher auf sich gezogen. So entdeckte der Restaurator Dr. Christoph Hellbrügge 1996 eine Putzfläche an der zum Burginnenhof gewandten Fassade des Südflügels, deren Besonderheit – neben den diagonalen Streifen sowie Darstellungen von eherner Schlange und lippischer Rose – die inschriftliche Datierung 1551 ist. Unter den äußerst selten erhaltenen Flächen von Schmuckputz der Renaissancezeit ist dies das einzig bisher bekannte Beispiel in Westfalen mit sicherer Datierung.
Bei der Restaurierung und Festigung der in den Kellergewölben der Burg erhaltenen Wandputze durch die Restauratorfirma von Thomas Lehmkuhl in den Jahren 2007/8 geriet eine am Treppenabgang in den Putz geritzte Inschrift in den Blick. Deren nähere Bestimmung zeitigte Anfang des Jahres 2011 ein Ergebnis, das man im Kontext mit den anderen beachtlichen Putzbefunden der Burg mit dem vorangestellten geflügelten Wort des unsympathischen Bendix Grünlich aus Thomas Manns Roman „Die Buddenbrooks“ kommentieren möchte.
Die etwa auf Brusthöhe in den Putz geritzte, ca. 145 cm lange Inschrift ist nur fragmentarisch erhalten, es ist aber genug lesbar, um – in Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe amtsinterner und externer Spezialisten – die in Deutschland so intensiv gepflegte Tradition von Verbotsschildern um ein mittelalterliches „Zutritt verboten“ erweitern zu können.
„hir sal nymant yn gan he en wolle uns / [……..]es[o..e…]“
„Hier soll niemand hineingehen, er wolle uns nicht … / …es sei denn er wolle uns…“
Eine eindeutige Beschränkung des Zugangs also, doch der präzise Zweck des Verbotes bleibt ungewiss und lässt der Phantasie breiten Raum.
Der Restaurator Christoph Fiebiger von der Paderborner Firma „ars colendi“ übertrug die Inschrift im Dezember 2010 auf Transparentfolie, wodurch die Unterscheidung zwischen eindeutig zur Inschrift gehörenden Ritzungen und zufälligen Oberflächenschäden möglich wurde. Anhand der unter Streiflicht aufgenommenen und dadurch konturscharfen Photographien sowie der Reinzeichnung gelang es der Epigraphikerin Dr. Helga Giersiepen, die Wörter zu erkennen und in einen sinnvollen Bezug zueinander zu setzen.
Ihre Vermutung, ob das in der Reinzeichnung lesbare „v olle“ mit einer weiteren Haste im recht großen Abstands zwischen v und o zu einem „wolle“ zu ergänzen sei, konnte bei einer von diesem Verdacht geprägten Prüfung am Original bestätigt werden – eine kleine Kerbe wurde bei der Zeichnung als zufälliger Schaden interpretiert und erst später mit entsprechendem Vorwissen identifiziert.
Helga Giersiepen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der an der Universität Bonn ansässigen „Arbeitsstelle Inschriften“ der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, wo der aus nachrömischer Zeit bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts stammende Inschriftenbestand des Bundeslandes erfasst und ediert wird. Sie identifizierte und beschrieb die Schrift im Schreiben an den Verfasser vom 13.01.2011 als „eine gotische Minuskel, die als Konturschrift ausgeführt ist. Der Mittellängenbereich ist durch Linien begrenzt, die von den Ober- und Unterlängen der Buchstaben durchschnitten werden. Die eher breite Proportion der Buchstaben und das Fehlen von Versalien (Großbuchstaben) sprechen für eine Anbringung der Inschrift eher in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.“
Damit konnte kein direkter Bezug zu einer der Bauphasen der Burg hergestellt werden, nicht zur Erbauung durch den späteren Paderborner Bischof Bernhard zur Lippe 1318 bis 1323, nicht zu den Erweiterungen 1488 und Mitte des 16. Jahrhunderts – letzterer Bauphase unter Bischof Rembert von Kerssenbrock ist ja der eingangs erwähnte Streifenputz eindeutig zuzuordnen.
Ergänzt wurde die Einordnung durch Prof. Dr. Heinrich L. Cox, Emeritus für Volkskunde an der Universität Bonn und ein Kenner der Sprachstufen des Deutschen, der die Worte als mittelniederdeutsch einstufte, das man nördlich der Linie Aachen – Benrath – Kassel – Nordhausen zwischen ca. 13. Jh. und ca. 1650 sprach und schrieb. Er bestätigte die Lesart des „he“ als Personalpronomen 3. Person Einzahl und des „en“ als Negationspartikel „nicht“.
Warum aber nun der Zutritt zum Keller verboten oder auf besonders berechtigte Personen beschränkt wurde, bleibt unklar. Helga Giersiepen fragte sich, was im Keller der Burg aufbewahrt worden sei, das ein Zugangsverbot habe nötig erscheinen lassen, und vermutete, es könne sich um den Weinkeller gehandelt haben. Denkbar ist dies, denkbar aber auch, dass im Keller Bier gebraut wurde, was nach Kenntnis des LWL-Bauforschers Dr. Fred Kaspar durchaus üblich war. Dass im Keller der Burg große Mengen an Flüssigkeit anfielen, darauf weisen die Rinnsteine hin, die durch den Raum zu einem Durchstich der Außenwand führen. Und dass hier Nahrungsmittel gelagert wurden ist sehr wahrscheinlich, illustriert sogar durch in den Putz geritzte Darstellungen von Fischen – wollte die Köchin hier dem Kellermeister etwa die Physiognomie von Forellen erläutern?
Heute wird die Burg von der Stadt Bad Driburg (Kreis Höxter) als Eigentümerin sorgsam gepflegt und bei größeren Maßnahmen – wie der Putzsicherung 2007/08 finanziell unterstützt durch die Denkmalförderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Mit Trauungen in der ehemaligen Burgkapelle, mit dem Heimatmuseum und durch vielfältige Vereinsaktivitäten ist die Burg intensiv in das Gemeinschaftsleben und das historische Bewusstsein des kleinen Ortes eingebunden.
Vielleicht gelingt es ja einem der ungeheuer geschichtsbegeisterten, in 36 Vereinen engagierten Dringenberger doch noch, die ehemalige Nutzung des Kellers in den Akten zu erkunden? Was man im Erfolgsfall gewiss gebührend feiern wird.
Dr. Christoph Heuter
Meschede, Laer - Haus Laer, Restaurierung der Skulptur des hl. Liborius
Im Juni 2010 wurde die Sandsteinfigur des heiligen Liborius in Meschede von ihrem bisherigen Standort im unmittelbaren Bereich des Hauses Laer entfernt, um restauriert zu werden. Die rund 2,35 m hohe und damit überlebensgroße Figur (Gesamthöhe der Darstellung mit Postament und Sockel rund 4 m) aus Rüthener Sandstein stammt von einem unbekannten Künstler und trägt das Datum 1763. Den Postamentwerkstein mit Wappen und Inschrift zieren zwei seitliche Voluten in filigraner Ausführung. Die leicht aus der Achse gedrehte und nach links blickende Figur im bischöflichen Gewand mit Zierat, Mitra und langem Bart hält in der linken Hand ein Buch, dessen Rücken mit fünf plastischen Steinen in Form eines unregelmäßigen Sechsecks besetzt ist. Da Liborius ab 1270 als Schutzheiliger gegen Steinleiden (Nierensteine) galt, sind es – neben dem Pfau – diese Attribute, mit denen er dargestellt wird. Der Inschrifttext, ein alter Lobgesang zu Ehren des heiligen Liborius, lautet folgendermaßen:
// GEBETT GEGEN DEN STEIN / DV GROSSER HIRT VND GOTTES MANN / LIBORIVS HALT FVR VNS AN / DAMIT NICHT GRIES VND NIEREN STEIN / DIE STRAFFE UNSRER SVNDEN SEIN / DV AVS ER WEHLTE ENGELN SCHAR / DVRCH DEIN HVLFE VNS AVCH BEWAHR / VND BRINGE NACH VOLLBRACHTEN STREIT / VNS ZV DER WAHREN HIMELS FREVD / BITTE FVR VNS O HEILIGER VATTER / LIBORIVS / AUF DAS WIR VON DEN STEIN SCHMERZ / MOGEN BEFREIET SE[Y]N //
In der rechten Hand hielt Liborius ursprünglich einen heute nicht mehr vorhandenen Bischofsstab. Seit dem 28. August 1989 steht die Sandsteinfigur nebst Postament unter Denkmalschutz. Der historisch belegbare erste Standort der Sandsteinfigur befand sich in unmittelbarer Nähe nordwestlich des Hauses Laer an der heutigen L 743/ B 7.
Die Sandsteinfigur reiht sich in die zahlreichen Darstellungen des heiligen Liborius in der bildenden Kunst ein. Die Entstehung von Liborius-Darstellungen beruht auf der besonders im Raum Paderborn weit verbreiteten Liborius-Verehrung. Seine intensive Verehrung durch den Bischof Friedrich Wilhelm von Westphalen, der von 1763-89 regierte, war wesentlich für die bildkünstlerische Verbreitung, während die Ikonographie ältere Wurzeln hat. Liborius, der heilige Bischof von Le Mans, der im 4. Jahrhundert lebte und um 397 starb, war Seelsorger und Missionar. Im 9. Jahrhundert erfolgte die Translation von Teilen seiner Gebeine, die bis dahin gänzlich in der Apostelbasilika und in der Kathedrale von Le Mans ruhten, in die Krypta des Paderborner Doms. Das Liborius-Fest wird in Paderborn seit dem 11. Jahrhundert am 23. Juli gefeiert, „Klein-Libori“, das Fest anlässlich der Rückführung der Reliquien im Jahr 1627, wird seit dem 17. Jahrhundert am Sonntag vor Allerheiligen begangen.
Anlass der Restaurierungsmaßnahme war der schlechte Gesamtzustand aufgrund von Witterungseinflüssen, schlechten Standortbedingungen und beträchtlichen Beschädigungen durch Farbverunreinigungen. Die Oberfläche war von Moos und anderem Grün befallen und wies ferner Schädigungen wie Risse, technisch marode Mörtelergänzungen und abgängige Ornamentik auf. Die rechte Hand des Liborius war abgebrochen und die Finger fehlten teilweise. Das dreiteilige Werksteinpostament, auf dem die Figur verankert war, war zudem aufgrund von korrodierten Eisenklammern nicht mehr standsicher. Die Restaurierungsmaßnahmen durch den ausführenden Steinmetz- und Bildhauermeister umfassten die fachgerechte Entfernung vom ursprünglichen Standort sowie die umfangreiche und substanzschonende Reinigung der Oberflächen, das Ausdünnen und Entfernen der Farbverschmutzung und der korrodierten Eisenklammern. Ferner das Injizieren und Verschließen von Rissen und Fugen mit mineralischem Mörtel, das Ersetzen, Schließen und Ergänzen von Fehlstellen mit Naturstein und mineralischem Restauriermörtel, das bildhauerische Ergänzen der abgängigen Stücke und Fehlstellen sowie das Anböschungen mit Feinmörtel zur Optimierung des Wasserablaufs. Die stark verwitterte und teilweise infolge von Steinoberflächenverlusten schwer entzifferbare Inschrift am Postament wurde nach der fachlichen Beratung durch das LWL-Amt für Denkmalpflege nicht steinmetzmäßig nachgearbeitet, sondern nach vorheriger Klärung des Wortlauts mit einer schattenhaft wirkenden Farbe lasierend ausgelegt. Die rechte Hand wurde befestigt und die Finger mit Restauriermörtel ergänzt. Der fehlende Stab in seiner rechten Hand wird noch neu hergestellt. Nach dem Abschluss der Arbeiten wurde die Liboriusdarstellung im westlichen Bereich des Parks von Haus Laer an einem neuen Standort wieder aufgestellt. Aufgrund der Exposition im Freien ist in den Monaten mit Schnee und Frost eine durchlüftete Winterschutzeinhausung angeraten. Sie soll sie die Figur vorbeugend von extremen Witterungseinflüssen schützten.
Delia Albers M.A. /Rest. Beat Sigrist
Kreuztal-Ferndorf - Villa des Kreuztaler Architekten Karl Meckel instandgesetzt
Nach mehreren Jahren Bauzeit ist die Instandsetzung des Anwesens Bergstraße 3 in Kreuztal- Ferndorf größtenteils abgeschlossen. Nach einem Eigentümerwechsel wurde die Villa von den neuen Bewohnern behutsam und mit Liebe zum Detail renoviert.
Das bereits um 1903/04 errichtete Wohnhaus wurde im Jahr 1930 vom Kreuztaler Architekten Karl Meckel (1892-1970) im Auftrag der Eisen- und Metallwerke GmbH Ferndorf für den Fabrikanten Karl Bender aufwändig umgebaut und um einen Veranda- Anbau mit Dachterrasse erweitert. Der zweigeschossige Putzbau mit Walmdach zeichnet sich durch seinen authentischen Erhaltungszustand aus. Vor allem im Inneren finden sich erwähnenswerte Ausstattungsdetails: der erhaltene Windfang mit Haustür von 1930, ein Keramikbrunnen im Wohnzimmer/Veranda, die bauzeitlichen Schiebefenster der Veranda, Sperrholztüren der 1930er Jahre mit aufgesetzten Zierleisten, Rahmen-Füllungstüren und zwei Fenster von 1903, die Holztreppe mit geometrisch ausgebildetem Geländer, im Obergeschoss ein Bad mit grellgrünen Fliesen, Wanne und Armaturen aus dem Jahr 1930.
Mit den Instandsetzungsmaßnahmen wurde im Jahr 2006 begonnen. Die Bauherren gingen mit großer Sorgfalt an die Arbeit: Alte Türen, Fenster und Treppen wurden aufgearbeitet, der Brunnen im vorgefundenen guten Zustand belassen. Ungegliederte Fenster aus den 1970er Jahren wurden durch denkmalgerechte Holzfenster ersetzt. Historische Böden wurden aufgearbeitet bzw. nach Bedarf repariert und ergänzt.
Auch das Bad wird im ursprünglichen Zustand genutzt. Die Erneuerung des stark veränderten Dielenbodens im Wohnzimmer mit Resten des Linoleumbelags von 1930 sowie die Restaurierung des Metallgeländers der Dachterrasse stehen u.a. in nächster Zeit noch an.
Bei der Ferndorfer Villa haben sich die Bauherren auf den Baubestand des Hauses eingelassen und mit ihm auseinandergesetzt. Sie bewahrten dadurch wichtige historische Zeugnisse und schufen sich gleichzeitig ein unverwechselbares Wohnumfeld.
Hintergrund:
Der in Frankfurt/Main geborene Architekt Karl Meckel siedelte 1921 nach Kreuztal um und realisierte von 1922 bis 1960 zahlreiche Bauten im Sieger- und Sauerland. Zu seinem Werk zählen neben Wohn- und Geschäftshäusern u.a. auch Verwaltungsgebäude für Firmen und Kommunen. Als bekanntester Wettbewerbserfolg ist der 1. Preis zum Wiederaufbau des Siegener Rathauses Ende der 1950er Jahre zu nennen. Meckels Entwürfen ist überwiegend die Formensprache des Heimatschutzstils gemein; gelegentlich finden sich Elemente der sog. klassischen Moderne in seinen Arbeiten. Meckel stand u.a. im fachlichen Austausch mit Paul Schmitthenner und Gerd Offenberg.
Dipl.-Ing. Sybille Haseley